Khalid und Ibrahim El Bakraoui

© APA/AFP/Interpol/-

Terror in Brüssel
03/24/2016

Brüder Bakraoui hatten belgisches AKW im Visier

Der Metro-Attentäter, Khalid El Bakraoui, soll Berichten zufolge nicht alleine gewesen sein.

Die Urheber der Brüsseler Terroranschläge vom Dienstag, das Brüderpaar El Bakraoui, hatten laut einem Zeitungsbericht auch belgische Atomkraftwerke als Anschlagsziel. Nach Informationen der Zeitung La Derniere Heure vom Donnerstag handelt es sich bei den beiden Personen, die einen belgischen Nukleardirektor per versteckter Videokamera filmten, um die Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui.

Laut dem belgischen Senders RTBF war auch der Selbstmordattentäter, Khalid El Bakraoui, in der Brüsseler Metro nicht alleine unterwegs. Auf Bildern einer Überwachungskamera sei ein zweiter Mann mit einer großen Tasche zu sehen. Unklar sei, ob der Verdächtige bei der Explosion getötet wurde oder ob er auf der Flucht sei. Der Staatsanwalt bestätigt die Berichte vorerst nicht.

Ticker-Nachlese vom Mittwoch

Anschläge mit mehr als 30 Tote

Beide sprengten sich am Dienstag bei den Terroranschlägen in Brüssel mit mehr als 30 Toten und 300 Verletzten selbst in die Luft, einer am Flughafen und der andere in der U-Bahn. Die Zeitung nennt in ihrem Bericht keine Quelle. Das Video zeigt heimliche Aufnahmen vor dem Zuhause eines belgischen Nuklearforschungsdirektors. Es sei von den beiden Männern kurz nach den Pariser Anschlägen vom 13. September 2015 aufgenommen worden.

Ermittler hatten bei einer Hausdurchsuchung in der belgischen Hauptstadt nach der Terrorserie in Paris im November 2015 ein verdächtiges Video gefunden. Darauf war der Direktor des Zentrums für Nuklearenergie im belgischen Mol zu sehen. Es umfasste zehn Stunden und dokumentierte den Tagesablauf des Mannes. Obwohl der Forscher nicht direkt mit einem Atomkraftwerk in Verbindung stehe, sei die Existenz dieses Videos "ziemlich heftig", sagte der Sprecher der Atomaufsichtsbehörde AFCN am Mittwoch.

Das Video soll genau aufzeichnen, wann der Direktor zu Hause ein- und ausgeht. Medieninformationen zufolgen wurde es in der Wohnung der Ehefrau des mutmaßlichen Terroristen Mohamed Bakkali gefunden. Französische Ermittler glauben, dass Bakkali an der Vorbereitung der Attentate von Paris am 13. November beteiligt war. Unklar ist, warum ein mutmaßlicher Terrorist ein Überwachungsvideo vom Leiter des belgischen Recherchezentrums für Kernenergie besaß.

Zwei Kernkraftwerke in Betrieb

In Belgien sind zwei Kernkraftwerke mit sieben Reaktorblöcken in Betrieb - Doel und Tihange. Sie gelten schon länger als ein Sicherheitsrisiko. Risse im Druckbehälter, Leckagen von Kühlsystemen und explodierende Transformator sorgten in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen.

Laut Spiegel Online Recherchen seien nach den Anschlägen "alle für den Betrieb nicht unbedingt notwendigen Mitarbeiter zunächst nach Hause geschickt" worden. Auch Mittwoch durften Mitarbeiter externer Firmen die Standorte nur "in dringenden Fällen" betreten. Die Kontrolle von Mitarbeitern hat auch einen Grund: Denn im AKW Doel hat bereits ein Dschihadist gearbeitet, schreibt das deutsche Onlinemedium.

Ilyass Boughalab, geboren im marokkanischen Tanger, war dem belgischen Medium VTM Nieuws zufolge drei Jahre im Hochsicherheitsbereich des AKW tätig. Angestellt war er bei der Firma AIB-Vinçotte Belgium, einem externen technischen Dienstleister. Die Background-Checks hat Boughalab offenbar alle bestanden, obwohl er laut zur Sharia4Belgium angehörte - einer inzwischen gescheiterten radikalislamischen Terrororganisation, die aus Belgien einen islamischen Gottesstaat machen wollten.

Nach dem Prozess gegen Sharia4Belgium habe sein Name sogar auf der Liste der Angeklagten gestanden, schreibt La Libre. Dennoch arbeitete er weiter im AKW Doel. Im November 2012 sei Boughalab als Kämpfer für den Islamischen Staat nach Syrien gereist, wenige Monate darauf sei er getötet worden.

Belgischer Anwalt von Abdeslam angegriffen

Unterdessen sieht sich der Anwalt des mutmaßlichen Paris-Terroristen Salah Abdeslam nach den Anschlägen in Brüssel schweren Anfeindungen ausgesetzt. Sven Mary sei von einer Person angegriffen worden und habe sich körperlich zur Wehr setzen müssen, berichtete die belgische Tageszeitung Le Soir am Donnerstag.

Zudem habe er Hunderte E-Mails erhalten, in denen er wegen seiner Tätigkeit für Abdeslam beschimpft und bedroht werde. "Ich musste meine Kanzlei schließen, um die Sicherheit meiner Mitarbeiter zu gewährleisten", zitierte das Blatt den Anwalt. Polizeischutz wolle er nicht.

Der von Mary vertretene Salah Abdeslam war am vergangenen Freitag bei einem Großeinsatz der Polizei in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen worden. Der 26-Jährige war den bisherigen Ermittlungen zufolge an den Pariser Anschlägen beteiligt und stand auch in Kontakt zu Mitgliedern der Terrorzelle, die am Dienstag die Selbstmordattentate am Brüsseler Flughafen und in einer Metro verübte.

An diesem Donnerstag steht in Brüssel eine vorgeschriebene Haftprüfung für Abdeslam auf dem Programm. Es gilt als sicher, dass der 26-Jährige weiter in Untersuchungshaft bleibt.

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