Politik | Ausland
20.08.2017

IS: Als Regionalmacht besiegt, als Terrorzelle stark

Die Terrormiliz ist im Nahen Osten am Boden, ihre Botschaft aber strahlt aus.

Mossul gefallen, Tal Afar belagert, Al Rakka vor der Einnahme durch kurdische Verbände, Berichte über eine bevorstehende Generalmobilmachung und panische Verhaftungswellen – der IS steht in den von ihm kontrollierten Gebieten schwer unter Druck. Das gilt sowohl für den Irak als auch für Syrien. Sogar im letzten Rückzugsgebiet, einer Grenzregion im Libanon, rückt die dortige Armee gegen die Verbände der Terrormiliz vor.

Terror geht weiter

Als territoriale Macht in der Region steht der IS unweigerlich vor dem Ende – dieser Eindruck drängt sich gerade dieser Tage auf, da die Verteidigung des IS nach Westen unter dem Druck der vorrückenden syrischen Amee dahinschmilzt. Denn faktisch kontrolliert der IS nur mehr ein Gebiet entlang des Euphrat in Syrien, die Stadt Tal Afar im Irak sowie einige Wüstengebiete in Syrien sowie im Westirak und eine kleine Zone westlich der irakischen Stadt Kirkuk. Damit steht das ursprüngliche Projekt der Gruppe, einen Staat im engeren Sinne des Wortes mit eigener Währung und eigenen Institutionen aufzubauen, vor dem Ende. Dass der Terror der Gruppe damit vorüber ist, das scheint aber wenig plausibel. Von der Landkarte des Nahen Osten weggewischt bliebe der IS, was er ist: Eine Terrorgruppe. Dann nur eben eine, wie es so viele andere auch gibt – eine im Untergrund. Vor allem aber eine mit Strahlkraft über die Region hinaus. Da ist zum einen die Kompetenz der Gruppe, diverse Todesfanatiker für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Da ist aber auch die Gefahr von Heimkehrern, die mit dem IS Kampferfahrung gesammelt haben.

Angst vor Repressalien

Und dann ist da noch ein weiterer Faktor: Im schiitisch dominierten Irak ist der künftige Status der sunnitisch-arabischen Bevölkerung sowie der Gebiete, die vom IS kontrolliert wurden, keinesfalls geklärt. In Syrien wiederum liegt viel daran, wie die syrischen Sicherheitsdienste, ehemalige IS-Gebiete behandeln werden. Denn je weiter Armee sowie auch syrische Milizen nach Süden und Osten vordringen, desto weniger werden sie als Befreier gefeiert. Das liegt weniger an Sympathie für den IS als an Furcht vor Repressalien.

Vorerst sieht es so aus, als würde im Irak wie auch in Syrien eine Rückkehr zur Lage vor dem Krieg angestrebt: Also eine Festigung des alten syrischen Regimes während der Irak immer mehr zu einer iranischen und damit schiitischen Kolonie wird, in der die Sunniten aus dem politischen Leben verbannt bleiben. Und genau dieser Umstand hatte ja erst den Weg für den Aufstieg des IS geebnet.


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