Ein Land wird zerstört.

© APA/AFP/GEORGE OURFALIAN

Bürgerkrieg
02/11/2016

Syrien: Lebenserwartung um 15 Jahre gesunken

Ein Bericht zeigt die erschreckenden Auswirkungen des syrischen Bürgerkriegs.

von Jürgen Klatzer

11,5 Prozent der syrischen Bevölkerung sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs im März 2011 getötet oder verletzt worden, schreibt das syrische Zentrums für Politikforschung (SCPR). Die unabhängige Non-Profit-Organisation veröffentlichte am Donnerstag ihren jüngsten Bericht, in dem das Ausmaß des seit fünf Jahre anhaltenden Konflikts in Syrien aufgezeigt wird.

Wirtschaftlicher Verlust 200 Milliarden Euro

Das Nationalvermögen, die Infrastruktur und viele Institutionen sollen durch den Konflikt beinahe vollkommen ausgelöscht worden sein. Insgesamt haben 470.000 Menschen ihr Leben im Krieg oder auf der Flucht verloren, so die Autoren. Diese Zahl übersteigt jene der Vereinten Nationen (UN), die bisher von 250.000 Todesopfern ausgegangen sind. Der britische Guardian schreibt jedoch, dass die internationale Gemeinschaft bereits vor 18 Monaten aufgehört hat, Todesfälle zu zählen.

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Geschätzt wird, dass 1,9 Millionen Menschen verwundet sind und die Lebenserwartung innerhalb von fünf Jahren von 70 auf 55,4 Jahren gesunken ist. Der wirtschaftliche Verlust beträgt laut dem Bericht rund 200 Milliarden Euro, umgerechnet sind das 468 Prozent des Bruttoinlandsprodukt 2010.

Armut extrem hoch

Seit 2011 gibt es wieder ein Wachstum im Landwirtschaftsbereich, das zwar zu einem kleinen Aufschwung des inländischen Handels führte, aber nicht wesentlich gegen die anhaltende Armutsausbreitung anrichten konnte. Denn der Konsum sei innerhalb eines Jahres (2014 - 2015) um satte 33 Prozent gesunken. Die Autoren sehen hier die Schuld bei der Regierung in Damaskus, die es verabsäumt hat, die öffentlichen Hilfsgelder und Subventionen zu erhöhen sowie der Preiserhöhung von Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern entgegenzutreten.

Tausende Menschen bei Kämpfen um Aleppo vertrieben

Stattdessen habe man sich auf finanzielle Investitionen in das Militär konzentriert, um einerseits gegen syrische Oppositionelle vorzugehen und andererseits die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu bekämpfen.

45 Prozent auf der Flucht

Der Bürgerkrieg wirkt sich auch auf die Nachbarregionen aus. 45 Prozent der Bevölkerung seien aus ihren Häusern vertrieben worden, um Schutz oder bessere Lebensbedingungen zu suchen. 6,63 Millionen sind Binnenflüchtlinge und 3,11 Millionen Syrer haben das Land bereits verlassen und Schutz in den benachbarten Ländern gesucht - oder in Europa. Rund 13,8 Millionen Bürger hätten seit 2011 ihre Lebensgrundlage verloren.

Dramatische Lage an der Grenze zur Türkei

Ende 2015 waren 85,2 Prozent der syrischen Bevölkerung von Armut bedroht, von denen mehr als zwei Drittel in extremer Armut leben. Besonders in Gebieten, in denen der Konflikt tagtäglich das Leben der Menschen kreuzt, ist die Armutsrate besonders hoch, so die Autoren. Im Zuge des Kriegs haben rund 2,7 Millionen Menschen ihre Arbeit verloren. Die Arbeitslosigkeit betrug Ende 2015 knapp 53 Prozent.

Friedensgespräche in München

Der Bericht des syrischen Zentrums für Politikforschung wird am Donnerstag veröffentlicht, also an jenem Tag, an dem sich auch Vertreter von 17 Nationen in München treffen, um über den festgefahrenen Friedensprozess in Syrien zu diskutieren.

Neben der Arabischen Liga, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen sind Ägypten, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Irak, der Iran, Italien, Jordanien, Katar, der Libanon, Oman, Russland, Saudi-Arabien, die Türkei, die USA sowie die Vereinigten Arabischen Emirate daran beteiligt.

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