Afghaninnen unter der Burka

© REUTERS/STRINGER

ngen
08/17/2021

Afghaninnen befürchten Rückfall in finsterste Zeiten

Afghaninnen in Todesangst. Die Taliban könnten alle mühsam errungenen Rechte für Frauen wieder kippen

von Ingrid Steiner-Gashi

„Jahrelang habe ich als Mädchen davon geträumt, dass ich wieder zur Schule gehen kann“, schildert Anisa Shaheed. Als die Taliban Ende 2001 von der Macht gefegt wurden, holte die junge Afghanin alles in rasantem Tempo nach: Schule, Universität in Kabul und schließlich Einstieg in ihren Traumberuf – Reporterin.

Im April wurde Shaheed noch als „Journalistin des Jahres 2021“ ausgezeichnet. Vor zwei Tagen noch schwor sie in einem Video für die BBC: „Ich werde gegenüber den Taliban nicht aufgeben.“

Doch nach der Machtübernahme der Taliban ist nun alles in Schwebe: Ob ihr Arbeitgeber TOLOnews weiter senden kann. Ob sie als Frau weiter arbeiten darf. Ob sie überhaupt außer Haus gehen kann.

Denn als die Taliban vor 20 Jahren über Afghanistan geherrscht hatten, war es Frauen verboten gewesen, ohne männliche Begleitung auf die Straße zu gehen. Schulen für Mädchen wurden geschlossen, Frauen durften nicht arbeiten. Singen war ebenso verboten wie Fernzusehen.

Schreckensgeschichten machen in Afghanistan bereits die Runde. Frauen, die ohne ganzkörperverschleiernde Burka auf die Straße gegangen seien, wären verprügelt worden. In der nördlichen Provinz Balkh sei eine 21-Jährige deswegen erschossen worden. Bei von Haus-zu-Haus-Durchsuchungen seinen junge Frauen geholt und mit Taliban-Kämpfern zwangsverheiratet worden.

Ein Taliban-Sprecher wies all diese Berichte zurück: „Wir versichern den Menschen, besonders den Einwohnern Kabuls, dass ihr Eigentum und ihr Leben sicher sind.“

„Alles verbrennen“

Doch unter den Frauen Afghanistans geht Todesangst um. Besonders unter jenen, die für die Regierung, die Armee, Medien, Bildungseinrichtungen oder westliche Organisationen gearbeitet haben.

Verwaltungsbeamtinnen erhielten bereits Anweisung von den Taliban, nicht arbeiten zu kommen.

Für Millionen Mädchen könnte mit einem Mal Schluss sein mit allen Hoffnungen für eine Ausbildung und einen Weg in einen Beruf.

„Jetzt muss ich alles verbrennen, was ich je erreicht habe“, schildert eine entsetzte Studentin dem britischen Guardian – „Diplome, Zeugnisse und Zutrittskarte zur amerikanischen Universität von Kabul“.

Als die Taliban in der afghanischen Hauptstadt einmarschierten, wollten die jungen Frauen der Uni in Kabul nichts wie nach Hause. Doch kaum eine von ihnen hatte eine Burka. Busse durften sie ohne den Ganzkörperschleier nicht benutzen, und Taxifahrer weigerten sich, die Frauen ohne Burka mitzunehmen.

Für die kommende Zeit sieht die Studentin tiefschwarz.

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