Leere Hotels und Restaurants durch Corona

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Leitartikel
01/30/2021

Warum die Gastronomie ganz besonders fehlt

Am Ende der Pandemie werden wir sehen, dass sich die Kosten der Virusbekämpfung nicht nur finanziell berechnen lassen

von Gert Korentschnig

Damit das auch einmal gesagt ist: Diese Krise ist unerträglich unsinnlich (und damit sind nicht Statistiken gemeint, wonach sich das Beiwohn-Verhalten durch dauerhaftes Beieinand-Wohnen quantitativ nachteilig verändert). Theater zu, Konzerthäuser zu, Kinos zu, Blumengeschäfte zu – alles schon oft diskutiert und beklagt. Dass man aber nicht einmal in einem Etablissement seiner Wahl einen Kaffee trinken darf; dass man selbst mit der engsten Familie kein Gasthaus aufsuchen kann; dass man weder beruflich noch privat Termine außerhalb der eigenen vier Wände (und dennoch innerhalb anderer, also nicht bei Kälte im Freien) wahrzunehmen vermag; dass man bereits grantige Ober oder nicht sonderlich großzügig befüllte Krüge zu vermissen beginnt; dass man sogar Bestellungen von Speisen reich garniert in Kauf nähme, nur um sich nur kurz kundenhaft als König zu fühlen; dass man nicht einmal aus der Ferne zu anderen Tischen spechteln kann, um zu ergründen, wie es denn Mitmenschen gerade ergeht – all das eine einzige Zumutung. Und das ist nicht virologisch gemeint, denn natürlich gibt es Gründe, in der Gastronomie besondere Vorsicht walten zu lassen. Es ist eine emotionale Zumutung.

Das Gasthaus ist nicht nur Kantine für flüssige und feste, sondern auch Theke für geistige Nahrung. Eine Gesellschaft ohne Gasthaus diskutiert nicht nur weniger, sie denkt möglicherweise auch weniger. Und wo, wenn nicht im Gasthaus, lassen sich Konflikte, die in sozialen Medien entbrannt sind, einigermaßen amikal bewältigen? Eine schöne Wirtschaft, die da entstanden ist.

Ein Gasthaus ist aber auch ein höchst politischer Ort, das hat die FPÖ mit Fokus auf den Stammtisch schon vor Jahrzehnten herausgefunden. Kann also durchaus sein, dass es manchem Politiker sogar ganz recht ist, wenn im Gasthaus aktuell nicht über Politik diskutiert werden darf.

Wenn nun Anfang der Woche wieder über Öffnungsschritte entschieden wird, schiebt die Politik die Gastronomie vermutlich weiterhin auf die lange Wirtshausbank. Auch das: hygienepolitisch vielleicht richtig, psychohygienisch jedoch heikel.

Soll heißen: Das Gasthaus, das ja im Grunde genommen auch Theater und Museum ist, wird – neben geschlossenen Schulen – zum tragischen Symbol für Kollateralschäden, die die Krisenbewältigung verursacht. Zigtausende Beschäftigte haben bereits ihren Job verloren, in Wien könnte jedes dritte Lokal pleite gehen. Und der vor wenigen Tagen bekannt gewordene starke Anstieg psychischer Probleme wird sich noch schwieriger bremsen lassen, wenn die Gastronomie weiterhin zubleibt.

Jene, die behaupten, die Folgeschäden von Corona würden langfristig mindestens so groß sein wie die gesundheitlichen, könnten recht behalten. Diese Rechnung wird hoch.

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