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Politik Inland
01/30/2021

Öffnung der Schule ab 8. Februar: Die drei Optionen des Ministers

Am Montag fällt die Entscheidung über den Schulbetrieb nach den Semesterferien. Wie es weitergehen kann.

von Bernhard Gaul

In Wien und Niederösterreich haben die Semesterferien bereits begonnen, alle anderen Bundesländer starten eine Woche später. Offen ist jedoch, wie so oft in diesen Seuchenzeiten, wie es danach weitergehen wird. Die Bundesregierung will am Montag gemeinsam mit den Bundesländern und Experten die Möglichkeiten für Schul- und Handelsöffnung ausloten.

Im Schulbereich sind die Möglichkeiten, wie es weitergeht, aber ohnehin begrenzt. Drei Optionen hat Bundesminister Heinz Faßmann:

Option I: Alles öffnet
Diese theoretische Möglichkeit, dass alles normal geöffnet werden kann, dass der Präsenzunterricht wie vor dem Jahr 2020 stattfinden kann (wenn auch unter strengen Hygienebestimmungen), ist leider fast auszuschließen. Dafür müssten die Inzidenzzahlen in den kommenden sieben Tage rapide nach unten rasseln und die Impfdosen millionenfach in Österreichs Kühltruhen eintrudeln.

Option II: Alles bleibt zu
Die zweite Option, die leider nicht völlig ausgeschlossen werden kann, wenn man Statistikern und Infektiologen zuhört, ist eine Verlängerung der Schulschließung auf noch unbestimmte Zeit. Dazu muss man wissen, dass die Oberstufenklassen seit Anfang November daheim bleiben müssen, alle anderen Jahrgänge sind seit Weihnachten mit Distance-Learning und Homeschooling im Lockdown daheim.

Bei beiden dieser Optionen bliebe jedenfalls aufrecht, dass die Schülerinnen und Schüler immer in die Schule geschickt werden können, wo sie zwar nicht unterrichtet, aber betreut werden.

Option III: Halbe Öffnung
Am derzeit wahrscheinlichsten ist eine sanfte Öffnung der Schulen. Der Druck viele Eltern, Psychologen, Kinderärzte und Pädagogen auf die Bundesregierung ist ähnlich groß wie beim Handel oder der Gastronomie. Eine sanfte Öffnung würde ähnlich aussehen, wie es sie im Frühjahr 2020 im Schulbereich schon gab. Die Schülerinnen und Schüler werden (und wurden in Ostösterreich bereits) in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe kommt Montag, Mittwoch und Freitag und in der darauffolgenden Woche Dienstag und Donnerstag, die zweite Gruppe an den jeweils anderen Schultagen. Erreicht wird damit eine erhebliche Reduktion der Kontakte der Kinder untereinander und damit ein geringeres Infektionsrisiko.

Hygiene und Schnelltests

Diese Kontaktreduktion ist eine von drei wesentlichen Maßnahmen, die Bildungsminister Faßmann immer als dreifaches Sicherheitsnetz bezeichnet. Die anderen beiden Maßnahmen sind die Hygieneregeln an den Schulen und das regelmäßige Testen.

Bei den Hygieneregeln (Händewaschen und Masken im Schulgebäude) ist noch offen, ob alle ab zehn Jahren eine FFP2-Maske tragen müssen und die Oberstufen-Schüler, sofern sie überhaupt wieder in die Schule gehen können, diese Masken auch im Unterricht tragen müssen.

Fünf Millionen Covid-Schnelltests für Schulen sind bereits im Land, über 2,2 Millionen davon an die Schulen ausgeliefert. Diese „Nasenbohrertests“ sind simpel und qualitativ gut, weshalb das Ministerium weitere 14 Millionen Tests geordert hat. Der Plan ist, die Kinder vorerst einmal pro Woche zu testen, später zweimal pro Woche.

Für etwa 40.000 Schülerinnen und Schüler, die Ende Mai zur Zentralmatura antreten wollen, sind die Corona-bedingten Ausfälle bei der Matura-Vorbereitung besonders hart. Sie sitzen, wie alle Oberstufenschüler, seit November daheim und können nur sporadisch ins Klassenzimmer zurückgeholt werden. Die Angst vor der standardisierten kompetenzorientierten Diplom- oder Reifeprüfung ist aber auch bei den Pädagogen groß: sich mit seinen Schülern vor der Kommission zu blamieren, was den großen Druck in den 6., 7. und 8. Klassen erklärt.

Wie wird die Matura dieses Jahr ablaufen?

Die VWA, die vorwissenschaftliche Arbeit, muss zwar fertiggestellt werden, die Präsentation der Arbeit wird aber freiwillig sein.

Der Termin für die schriftliche Matura wurde bereits nach hinten verlegt, Starttermin ist nun nicht mehr der 3., sondern der 20. Mai (Deutschmatura). Die Schüler werden pro Fach eine Stunde länger für ihre Arbeit Zeit bekommen.

2020 wurde die mündliche Matura gestrichen, das ist derzeit für 2021 nicht geplant. Die mündlichen Teilprüfungen finden ab dem 7. Juni 2021 bis zum Beginn der Hauptferien (Sommerferien) statt. Allerdings wird der Themenpool für die „Mündliche“ in allen Fächern um ein Drittel reduziert (von 18 auf 12).

Benotung

Wie schon im vergangenen Jahr, wird die Zeugnisnote der achten Klasse auch für die Maturanote mitbewertet. Wer also zum Beispiel im Fach Mathematik im Zeugnis der achten Klasse einen Dreier hat, die Maturaarbeit aber negativ beurteilt wird, wird ein Genügend bekommen – aber nur, wenn in der schriftlichen Arbeit zumindest 30 Prozent der Aufgaben erfüllt wurden.

Diese Regelung hat das Ministerium zusätzlich eingeführt, weil im Vorjahr (wo es zudem keine mündliche Reifeprüfung gab) einige wenige Schüler leere Maturaarbeiten abgegeben hatten, im Wissen, mit einem Befriedigend (oder besser) im Zeugnis der achten Klasse gar nicht negativ bei der Matura beurteilt werden zu können.

Positiv an all dem ist nur, dass die Situation jetzt in der Schule sehr ähnlich jener beim vielleicht folgenden Studium ist.

bernhard gaul

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