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Social-Media-Verbot für Kinder – der richtige Weg?

Nach Australien, Frankreich und Großbritannien zieht Österreich nun nach: Social-Media-Plattformen sollen für Kinder bzw. Jugendliche unter 14 Jahren verboten werden.
Amina Beganovic
Selma Tahirovic
Kind mit Kopfhörern und Handy in der Hand.

Vor 30 Jahren ging kurier.at online. Aus diesem Anlass diskutieren die Redakteurinnen Amina Beganovic und Selma Tahirovic das geplante Social-Media-Verbot. Weitere Texte zum Jubiläum, mit Ein- und Ausblicken zu kurier.at finden Sie an dieser Stelle. 

Unter 14-Jährige sollen Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat künftig nicht mehr nutzen dürfen. Noch in diesem Sommer will die Bundesregierung den gesetzlichen Prozess dafür starten, ab 2027 soll das Verbot hierzulande in Kraft treten. Verwiesen wird auf die "negativen Auswirkungen von Social Media-Plattformen" auf junge Menschen. 

Ist das Verbot sozialer Medien für Kinder unter 14 Jahren der richtige Weg?

PRO

Man muss an dieser Stelle wohl niemandem mehr erklären, welche negativen Auswirkungen Social-Media-Konsum auf die psychische Gesundheit haben kann. Unzählige Studien und Bücher haben das bereits fachkundig belegt (Lese-Empfehlung dazu: "Generation Angst" von Jonathan Haidt). 

Dennoch bleiben die Argumente gegen ein Social-Media-Verbot bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar: Junge Menschen müssen informiert werden, und das funktioniert heutzutage nun einmal über soziale Medien. Eh. Auch sind sie für viele ein Ort des Austausches. Absolut. Kinder kommen zudem nicht drum herum, irgendwann lernen zu müssen, sich durch die digitale Welt zu navigieren. Keine Frage. 

Trotzdem scheint der Preis dafür zu hoch zu sein. 

Social-Media-Nutzung ist nichts Angeborenes, wie Spieltrieb oder Neugier. Sie ist etwas Konditioniertes, Angewöhntes. Etwas, das wir Kindern in die Hand geben um sie dann damit alleine zu lassen. Es spricht wenig dagegen, dass Kinder am Smartphone bei Bedarf Google Maps aufrufen oder einen Begriff im Netz schnell nachschlagen können. Aber soziale Medien sind keine praktischen Alltagshelfer oder reinen Informationsquellen. Auf ihnen tummeln sich mittlerweile zu viele Risiken, ungefiltert, ohne Schutz. Es ist nahezu fahrlässig, Kindern (!) zuzutrauen, mit den zahllosen destruktiven bis hin zu hochgradig verstörenden Inhalten, die es auf Social Media leider auch gibt, umgehen zu können. Ganz zu schweigen von dem erwiesenen Suchtpotenzial der laufenden kleinen Dopaminschübe, ohne die schon viele Erwachsene nicht mehr auskommen können. 

Verbote sind nie schön. In diesem Fall könnten sie aber ein Weg sein, diese digitale Suchtmaschine einzubremsen. Auch Eltern würden davon profitieren, da sie ihre Kinder schlichtweg nicht permanent überwachen können. Nicht zuletzt nimmt ein Verbot für alle dem Gruppendruck den Wind aus den Segeln. 

Zur Autorin: Amina Beganovic ist Redakteurin am Online-Newsdesk.

CONTRA 

Verbote haben vor allem eines an sich: Sie motivieren dazu, sie zu umgehen. Beim geplanten Social-Media-Verbot könnte dieser Effekt ebenfalls einsetzen. Kinder und Jugendliche werden einen Weg finden, vor dem 14. Geburtstag Plattformen wie TikTok & Co. zu nutzen – auch ohne die Einwilligung der Eltern. 

Dass wir unsere Jüngsten vor potenziellen Gefahren im Netz schützen müssen, steht außer Frage. Sie jedoch komplett von den Plattformen auszuschließen, könnte auch Nachteile mit sich bringen. TikTok, Instagram & Co. bieten eine Fläche an, um sich auszutauschen, sich zu informieren und neue Inspirationen oder Hobbys zu finden. Die Dämonisierung der sozialen Medien kann in der heutigen Zeit kaum die Lösung sein. Gerade Kinder und Jugendliche haben oft das Gefühl, im Alltag nicht gehört zu werden. Und nun wollen wir ihnen auch noch den digitalen Raum nehmen? Dass nicht jede Plattform kindergemäß ist, erklärt sich von selbst. Unterrichtsstunden mit Social-Media-Schwerpunkt, Gespräche mit den Eltern und "Kinder Modi" auf YouTube & Co. können beitragen, dass der Umgang vorsichtiger und bewusster wird. Stichwort: Aufklärung. 

Die Annahme, dass „alle Kinder und Jugendlichen süchtig nach Social Media“ sind, ist ebenfalls veraltet. So zeigt sich bei immer mehr jüngeren Menschen der Trend, auf sogenannte „Dumb Phones“ (zu Deutsch: „dumme Telefone“) umzusteigen, sprich Tastentelefone oder alte Smartphones, die keinen Zugang zum Internet haben. Dadurch soll die Bildschirmzeit bewusst eingeschränkt werden. 

Es ist zudem erstaunlich, wie schnell man über die jüngere Generation und deren Internetnutzung „schimpft“, aber nicht über die Verursacher des Problems: Tech-Großkonzerne haben mit ihren Algorithmen dafür gesorgt, dass soziale Medien ein Suchtpotenzial bergen. Bevor man also mit dem Finger auf die Jüngsten zeigt und ihnen ein "Spielzeug" wegnimmt, das man jahrelang ohne Bedenken in ihre Hände gelegt hat, sollte man eher in den Fokus rücken, dass die ältere Generation viel zu spät die Verantwortung dafür übernimmt. 

Zur Autorin: Selma Tahirovic ist Redakteurin für das Ressort Trend Hub.

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