Christoph Schwarz ist die Stimme von kurier.at. Wie fühlt sich das an?
Mit der Zeitung und einem guten Glas Whisky: KURIER-Journalist Christoph Schwarz.
Vor 30 Jahren ging kurier.at online. Grund zu feiern und für diesen Werkstattbericht. Weitere Texte zum Jubiläum, mit Ein- und Ausblicken zu kurier.at finden Sie an dieser Stelle.
Haben Sie, verehrte Leserinnen und Leser, sich eigentlich je Gedanken darüber gemacht, wie die Menschen, die all die Berichte, Analysen und Kommentare auf kurier.at für Sie verfassen, klingen? Beantworten kann ich Ihnen diese Frage an dieser Stelle nicht (Sie lesen immerhin einen geschriebenen Text, wie sollte ich auch!), aber eines sei Ihnen doch verraten: Zumindest wir haben einander mit Sicherheit schon das eine oder andere Mal gehört. Jedenfalls dann, wenn Sie gerne die Vorlesefunktion auf unserer Website verwenden.
Anlässe dafür, dass Sie mir jene Arbeit überlassen, die ja eigentlich die Ihre wäre, gibt es viele: Vielleicht hat es gesundheitliche Gründe; vielleicht sind Sie ein Meister des Multitaskings und wollen die Hände frei haben; vielleicht ist es gemütlicher so. Oder vielleicht – man wagt es gar nicht zu hoffen – gefällt Ihnen ja auch einfach nur meine Stimme.
Abendliche Lesestunde
So oder so: Ich lese sehr gerne für Sie. Und so ziehe ich mich spätabends, wenn sich die KURIER-Redaktion langsam leert, mit der aktuellen Zeitung, einem guten Glas Whisky und einer Pfeife (die Stimme kommt nicht von Ungefähr, was dachten Sie!) in unsere Bibliothek zurück. Einige Hundert Artikel später ist es geschafft ...
Klingt charmant, ist aber nicht wahr – oder zumindest nicht ganz. Die Texte werden von einer Künstlichen Intelligenz gelesen, die auf meine Stimme trainiert wurde. Anhand von einst eingelesenen Texten aus unterschiedlichsten Nachrichtenbereichen – von der Außenpolitik bis zur Wien-Berichterstattung – erstellt die KI dann jene automatisch generierten Ton-Dokumente, die Sie auf der Website abrufen können.
Das erklärt übrigens auch, weshalb ich hin und wieder den einen oder anderen Begriff falsch ausspreche. Nicht meinen Bildungslücken ist es geschuldet, sondern einzig und allein der Künstlichen Intelligenz. Ich hoffe, Sie verzeihen uns – also der KI und mir –, wir bemühen uns laufend um Besserung.
Philosophische Fragen
Tatsächlich stellt die KI-Stimme auch mich bis heute vor Situationen, die durchaus nachdenklich stimmen. Dann etwa, wenn Freunde und Verwandte den Unterschied zwischen dem Original und der KI nicht mehr erkennen.
Und wenn ich selbst die Funktion aktiviere, dann stellen sich nahezu philosophische Fragen: Wenn ich mir einen Text von mir selbst vorlesen lasse, den ich real eigentlich noch gar nie gelesen habe, habe ich ihn dann zuerst gelesen oder zuerst gehört? Der gute alte Platon in seiner Höhle wäre stolz auf mich.
Für das Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen, deren Texte mein Alter Ego da vorlesen darf, bedanke ich mich jedenfalls. Noch schöner ist es natürlich, wenn Sie einen meiner eigenen Texte von mir vortragen lassen. Dann treffen KI und Realität (fast) wieder aufeinander.
Genutzt wird die Vorlesefunktion übrigens oft: Bis zu 80.000 Texte darf ich unseren Usern im Monat verlesen. Eine stolze Zahl.
Auch diesen Text, an dessen Ende Sie nun angelangt sind, können Sie sich natürlich von mir (nochmals) vorlesen lassen. Vielleicht sind Sie neugierig geworden und probieren es aus. Wir hören uns!
30 Jahre kurier.at
Richtig gute Nachrichten, seit 30 Jahren. Hier finden Sie weitere Artikel zum Jubiläum.
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