Der letzte Irrtum des Walter Ruck
Letztendlich ist Baumeister Walter Ruck an seiner Hybris gescheitert. Dass der Wiener Wirtschaftskammer-Chef wenig auf die Meinung anderer, Andersdenkender (oder – Gott behüte! – Frauen) gab, war weidlich bekannt.
Dass ihm der Zweck die Mittel heiligte, ebenso. Wie sich nun herausstellte, taugte er aber nicht einmal zum Machiavellisten: Die Tonaufnahmen belegen, dass er nicht nur zu fragwürdigen Mitteln griff, sondern auch der Zweck, also seine Ziele, unlauter waren. „Optik“, meinte Ruck im letzten KURIER-Interview schmunzelnd, sei „ein sachfremdes Motiv“. Er lag falsch. Optik ist eine politische Kategorie.
Dass sich Ruck „ins Privatleben“ zurückzieht, ist eine Wohltat: Es zeigt, dass Sexismen, Postenschacher und Wahlschiebereien im Jahr 2026 vielleicht doch keine Kavaliersdelikte mehr sind. (Ja, da ist noch ein weiter Weg zu gehen!) Und es beweist, dass auch in Zeiten des einfältigen Social-Media-Diskurses die traditionellen Medien mit akribischem Journalismus ihrer Kontrollfunktion nachkommen können – und müssen.
Dass Ruck über seine Machenschaften gestürzt ist, ist mehr der medialen Öffentlichkeit als der Selbstreinigungskraft des Polit-Systems zu verdanken.
Was bleibt, ist der Schaden für die Kammern und die Sozialpartnerschaft. Der Nachgeschmack, dass die schwarz-rote Freundschaft zwischen Ruck und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig nicht zum Vorteil Wiens bestand, sondern doch eine Freunderlwirtschaft war, wird noch einige Zeit anhalten. Die Gegner von Sozialpartnerschaft und Pflichtmitgliedschaften, allen voran die FPÖ, laben sich daran.
In sich gehen muss auch die ÖVP, deren Parteichef und Kanzler Christian Stocker zu spüren bekam, wie beschränkt seine Hausmacht ist. Zwischen dem Parteiausschluss Rucks und dessen Rücktritt verging knapp eine Woche, in der der Ausgeschlossene die ÖVP vorführte. Die beste Figur machte noch Wiens ÖVP-Chef Markus Figl, der sich als erster glaubhaft von Rucks Polit-Stil distanzierte.
Den schwerwiegendsten Vertrauensverlust muss paradoxerweise die SPÖ auf sich verbuchen – verschuldet von Bürgermeister Ludwig. Er opferte die Werte seiner Partei ebenso wie treue Wegbegleiter und Begleiterinnen (etwa Vizebürgermeisterin Barbara Novak) auf dem Altar falsch verstandener Loyalität zu Ruck.
Seit Details über den Weinkellerabend bekannt sind, erscheint seine Rolle zudem in neuem Licht: Ludwig schwieg, obwohl er seit Tagen gewusst haben muss, worum es beim Treffen ging – immerhin war sein Freund, der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (bekannt aus der Causa Wienwert und der Kleingarten-Affäre), mit von der Partie. (Werden wir je erfahren, welche Anekdoten Nevrivy im Weinkeller zum Besten gab?)
Ludwig muss nun vieles reparieren und kitten, vor allem in den eigenen Reihen. Baumeister Ruck hilft ihm nicht mehr.
Causa Ruck im Überblick
Die wichtigsten Geschichten rund um Walter Ruck
Kommentare