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Was hat er „dem Walter gegeben“? Neue Ruck-Leaks bringen Ludwig in Bedrängnis

Dem KURIER liegen weitere, brisante Aussagen von Walter Ruck vor. Es geht wohl um ein Krankenhausprojekt, das dank Wiens Bürgermeister einen Monat statt drei Jahre gedauert haben soll.
Fotomontage: Willfried Gredler-Oxenbauer/APA Image

Am 20. November 2025 treffen sich vier Männer in einem Weinkeller. Der Hauptprotagonist: Wiens Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck. Eine geheime Tonaufnahme des mehrstündigen, vermeintlich vertraulichen Gesprächs setzt Ruck seit zwei Wochen massiv unter Druck. Kronen Zeitung und profil veröffentlichten bereits mehrere Gesprächsprotokolle. Ruck redet darin offen über heikle Postenbesetzungen, Einflussnahme auf Wahllisten – und darüber, warum er lieber mit Männern als mit Frauen arbeitet.

Der ÖVP-Bundesparteivorstand hat Ruck am Freitag aus der Partei ausgeschlossen. Aus seinen Ämtern zurückgetreten ist er bisher nicht – weder als Wiener Kammerpräsident noch als Chef des Wiener Wirtschaftsbunds. Wohl auch, weil ihm Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) den Rücken stärkte. Er kenne Ruck „anders“, so Ludwig. Wie lässt sich diese Loyalität erklären?

Der KURIER hat nun die Tonaufnahme eines bisher unbekannten Ausschnitts des Gesprächs zugespielt bekommen. Es geht mutmaßlich um ein Immobiliengeschäft mit Verbindung zu Ruck, eine mögliche Einflussnahme Ludwigs – und viele Millionen Euro. Das Gesagte wirft viele Fragen auf und bringt auch Ludwig in Erklärungsnot.

Ein „Einseiter“ und Entscheider mit „Eiern“

Im Zentrum steht das Meidlinger Unfallkrankenhaus, von Ruck laut Gesprächsprotokoll salopp „Meidlinger Unfall“ genannt. Dort wird derzeit das AUVA-Rehabilitationszentrum neu gebaut, die Inbetriebnahme ist 2027 geplant. Aus Rucks Ausführungen geht nicht hervor, ob es sich um dieses Projekt handelt – auch Jahreszahl wird keine genannt.

Aber der Reihe nach: Das Gespräch startet bei einer bereits veröffentlichten Stelle. Ruck berichtet gerade, wie er erfolgreich bei Ludwig interveniert haben will, damit die neue Adresse der Wiener Wirtschaftskammer „Straße der Wiener Wirtschaft“ lautet – und nicht nach der jüdischen Frauenrechtlerin Anitta Müller-Cohen benannt wird. Ruck: „Das hat genau ein Monat gedauert, Hakerl, Straße der Wiener Wirtschaft.“ Dann erklärt Ruck, er hätte „zwei, drei andere so Geschichten“ mit Ludwig gehabt, „zum Beispiel das Meidlinger Unfall“.

Wiens Stadträtin für Stadtentwicklung, Ulli Sima (SPÖ), habe gesagt: „Wir brauchen einen Architekturwettbewerb, und, und, und.“

Da habe Ruck dem Bürgermeister „einen Einseiter fertig gemacht“ und dem Bürgermeister erklärt: „Schau, die Zusammenlegung der beiden Spitäler bringt uns 40 Millionen Euro im Jahr. Wir bringen auf den Wegpunkten derzeit alles hin, es wird halt alles nicht so großzügig. Es gibt halt keine Behindertensportplätze und, und, und. Wir täten es gerne großzügiger bauen, aber ich warte nicht drei Jahre, weil drei Jahre warten, heißt 120 Millionen Euro. Fallt dir was ein?“

Daraufhin spricht Ruck in der dritten Person von sich: „Der Michi hat es dem Walter gegeben [...] und innerhalb von einem Monat war das alles durch, was normalerweise drei Jahre dauert. Die Geschichte war: Also, es geht schon. Du musst das nur …“

Einer der Gesprächspartner unterbricht: „Es müssen nur die Richtigen, die Eier haben, eine Entscheidung treffen.“

Ruck: „Und so habe ich den Bürgermeister kennengelernt, wenn er einmal von einer Sache überzeugt ist.“

Ludwigs Büro ist „Einseiter“ nicht bekannt

Worum geht es hier? Eine Vergabe, ein Widmungsverfahren? Ruck war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Ludwigs und Simas Büros dementieren auf KURIER-Anfrage in sehr ähnlichen Statements, von einem „Einseiter“ zu wissen. Das einzige Projekt im Umfeld des UKH Meidling der vergangenen Jahre, für das ein Widmungsverfahren durchgeführt worden sei, „war jenes des AUVA-Trauma-/Rehazentrums“.

Hier habe die AUVA im Oktober 2020 ein „Widmungsansuchen für die Errichtung eines Rehabilitationszentrums auf der Liegenschaft Längenfeldgasse/Kerschensteinergasse“ bei der MA 21A gestellt. Wegen der großen Dimension des Projekts habe Sima der AUVA mitgeteilt, dass ein Architekturwettbewerb notwendig sei. Diesen Wettbewerb führte die AUVA im Herbst 2022 durch. Das Siegerprojekt war Grundlage des Flächenwidmungsverfahrens, das im September 2023 beschlossen worden sei. „Damit hat das gesamte Verfahren drei Jahre gedauert“, sagt Simas Sprecher.

Was Ludwig Ruck „gegeben“ haben könnte, das statt drei Jahren nur ein Monat gedauert haben soll, bleibt damit allerdings mysteriös.

Ruck und die AUVA

Die Causa wirft jedenfalls ein Schlaglicht auf Rucks Rolle in der AUVA, die seit Jahren immer wieder für massive Kritik sorgt. „Nichts in der AUVA geschieht, ohne dass es von ihm abgesegnet wird“, formuliert es ein Kenner der Unfallversicherung. Zudem würden auf den für die Dienstgebervertreter vorgesehenen Posten etliche enge Gefolgsleute Rucks sitzen. Zum Beispiel sein Sohn Christoph Ruck, Geschäftsführer in Rucks Bauunternehmen und Innungsmeister Bau in der Wiener Wirtschaftskammer. Er hat einen Sitz im AUVA-Landesstellenausschuss Wien. Der AUVA-Obmann Mario Watz wiederum war vor Christoph Ruck Wiener Bau-Innungsmeister. Der enge Vertraute Rucks wurde häufig als dessen möglicher Nachfolger als Wiener Kammerpräsident genannt.

Insider betrachten es als hochproblematisch, dass Vertreter des Baugewerbes eine so einflussreiche Rolle in der AUVA spielen – vor allem angesichts der millionenschweren Bauprojekte, die die AUVA in Wien umsetzt. Projekte, die auch der Rechnungshof sehr kritisch bewertet.

Allen voran der bereits erwähnte, laufende Neubau des Trauma- und Rehazentrums in Meidling, dessen Kosten sich laut Rechnungshofbericht schon vor Baubeginn mehr als verdoppelt hatten. Die Prüfer fanden bei den Bauaufträgen der AUVA auch Mängel bei der Vergabe.

Für heftige öffentliche Kritik sorgte 2020 ein anderes Vorhaben. Damals beschloss der AUVA-Verwaltungsrat den vorübergehenden Umzug der Verwaltungsstelle in das „Haus der Kaufmannschaft“ der WK Wien. Die hätte dafür 1,8 Millionen Euro Miete pro Jahr bekommen. Die Angestellten hätten dafür in einem Gebäude arbeiten müssen, das nicht einmal barrierefrei war. Letztlich genehmigte das Sozialministerium die Übersiedelung nicht.

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