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Kolumne
11/15/2020

"Tagebuch": Die Corona-Wunder-Elf

Weil Klubs ihre teuren Leistungsträger in Pandemie-Zeiten nur noch ungern für Länderauswahlen abstellen, häufen sich Absagen.

von Wolfgang Winheim

Erstmals seit genau einem Jahr wieder ein Ländermatch in Wien. Und zum ersten Mal überhaupt in 90 Jahren eines in einer pandemiebedingt menschenleeren Prater-Geisterburg. Dafür darf der ORF in Anbetracht der nächtlichen Ausgangssperre mit einer Top-Quote spekulieren.

Immerhin läuft gegen die Nordiren wieder eine A-Garnitur mit David Alaba aufs Stadionfeld. Immerhin steht Österreich vor dem Gruppensieg in der (wenn auch nur mäßig populären) Nations League. Und immerhin war davor im zweiten Anzug nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit in aller Freundschaft in Luxemburg nach tristen ersten 45 Minuten (für die 437.000 im Patschenkino eine symbolische Durchhalte-Medaille gebührte) noch 3:0 gewonnen worden.

Improvisation ist Trumpf

Europaweit zeigt sich: Vor leeren Tribünen wirken die Auftritte von uneing’spielten Nationalteams meist langweiliger und von mehr Missverständnissen geprägt als Vereinspartien in der Champions League. Weil Klubs ihre teuren Leistungsträger in Pandemie-Zeiten nur noch ungern für Länderauswahlen abstellen, häufen sich Absagen. Und zwingen Teamchefs zum Improvisieren.

Mit Stars, die in den letzten Wochen mit einem positiven – im Sinne von unerfreulichen – Corona-Test konfrontiert wurden, ließe sich eine hochkarätige Welt-Elf zusammenstellen. Hier ein ausnahmslos aus aktuellen Nationalspielern gebildeter FC Covid-19:

Donnarumma (Italien, AC Milan); Umtiti (Frankreich, Barcelona), Süle (Deutschland, FC Bayern), Vida (Kroatien, Besiktas Istanbul); Gnabry (Deutschland, FC Bayern), Casemiro (Brasilien, Real Madrid), Thiago (Brasilien/Spanien, Liverpool), Eden Hazard (Belgien, Chelsea); Mbappé (Frankreich, Paris SG), Neymar (Brasilien, Paris SG), Ronaldo (Portugal, Juventus).

„Ersatz“: Dybala (Argentinien, Juventus), Havertz (Deutschland, Chelsea), Emre Can (Deutschland, Dortmund), Ibrahimovic (Schweden, Milan), Di Maria (Argentinien, Paris SG), Salah (Ägypten, Liverpool), Dabbur (Israel, Hoffenheim), Schöpf (Österreich, Schalke).

„Teamchefs“: Niko Kovac (Kroatien, AS Monaco), Herbert Prohaska (Österreich, seit März 1999 ohne Mannschaft).

Prohaska wie Ronaldo

Scherz beiseite. Wie die genannten „Corona-Stars“ verspürte Herbert Prohaska, 65, keine Symptome. Und wie die meisten aktuellen Topfußballer rätselt auch Prohaska, der seit Wochen kaum aus seinem Klosterneuburger Haus gegangen ist, wo und wie er sich angesteckt haben könnte.

Doch im Gegensatz zu Cristiano Ronaldo, der die Seriosität der Tests bezweifelt, wird Corona vom 30 Jahre älteren (2004 zu Österreichs Jahrhundertfußballer gewählten) Prohaska keineswegs bagatellisiert.

Nach Ablauf der Quarantäne, die ihn beim Luxemburg-Spiel noch zur Mikrofon-Passive zwang, kann Prohaska die Nordirland-Partie wieder gemeinsam mit Rainer Pariasek und Helge Payer analysieren. Allerdings nicht wie bisher bei Wiener Länderspielen üblich gewesen vor Ort im Ernst-Happel-Stadion, sondern nur als Ferndiagnostiker von der ORF-Zentrale am Hietzinger Küniglberg aus. Auch an dieser Premiere und dem von Oslos Behörden angedrohten Wien-Reiseverbot für Mittwoch-Gegner Norwegen ist das Virus schuld.

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