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© Getty Images / Photo Beto/Istockphoto

Leitartikel
03/17/2021

Ein Sommer voll Neid und Missgunst

Die EU braucht verpflichtende Regeln für das Reisen in diesem Sommer, sonst stürzt uns nationaler Egoismus wieder ins Chaos.

von Konrad Kramar

Es war, als hätte man einen Druckkochtopf belüftet. Kaum hatten die deutschen Behörden unseren Nachbarn das Reisen auf ihre Lieblingsinsel Mallorca erlaubt – und das ohne Test, oder Quarantäne – wurden die Reisebüros schon gestürmt. Die Fluglinien schicken ihre so lange eingemotteten Ferienflieger dutzendweise zu Ostern an den Start. 

Erst als die Badehosen quasi schon im Koffer waren, dämmerte einigen Politikern in Berlin, dass man  sich damit  eine neue Corona-Welle  direkt vom spanischen Strand importieren könnte. In Spanien kochte zugleich der Ärger über, dass jetzt die Deutschen so mir nichts dir nichts dort Urlaub  machen, wo man selber – aufgrund der Pandemieregeln – nicht einmal die eigene Verwandtschaft besuchen kann.

Nur eine Kostprobe aus dem explosiven Cocktail, der da für den Sommer zusammengebraut wird. Die Grundzutaten sind völlig gegensätzliche Interessen einzelner EU-Staaten. Da gibt es jene wie Spanien oder Kroatien, die einen Gutteil ihrer Wirtschaftsleistung dem Tourismus verdanken  und nicht noch einen Sommer ohne Gäste durchstehen wollen. Sie werden  ihre Grenzen für möglichst jeden öffnen, um nur ja wieder Touristen ins Land zu bekommen. 

Da gibt es jene Länder wie Deutschland, die ganz Europa mit Urlaubshungrigen versorgen. Sie müssen einerseits  ihren Bürgern endlich ein Stück Reisefreiheit zugestehen, damit die Stimmung nicht weiter kippt, andererseits wollen sie sich für ein bisschen Ferien nicht gleich bedrohliche Infektionszahlen einhandeln. Und dann gibt es jene Länder, etwa in Ostmitteleuropa, die ohnehin nicht wissen, wie sie die Pandemie in den Griff bekommen, und daher nichts weniger brauchen können, als  Bilder von badenden Deutschen auf den Titelseiten der Zeitungen.

Wenn man sich das bisherige Chaos aus nationalen Alleingängen beim lustigen Grenzen-auf-Grenzen-zu-Spiel ansieht, dazu die miserable europäische  Zwischenzeit beim Impfen, kann man sich ungefähr ausmalen, was uns beim Thema Tourismus in diesem Sommer droht: ein heilloses Durcheinander aus zahnlosen EU-Regelungen und diversen Regierungschefs,  die ohnehin grundsätzlich alles besser wissen als die in Brüssel und auf eigene Faust Regeln für das Reisen erlassen. 

Wenn dann noch die Geimpften fröhlich mit grünem Pass reisen und die nicht Geimpften zu Hause bleiben, sind Neid und Missgunst programmiert, und zuletzt könnte von einem Sommer nichts anderes übrig bleiben als politischer Kleinkrieg und steigende Fallzahlen. Die EU, und das sind ja eigentlich wir alle, sollte dafür sorgen, dass man sich bei diesem  für die Stimmung so entscheidenden Thema  an gemeinsame Regeln hält, noch bevor alle wie wild durcheinander zu reisen beginnen und am Ende draufkommen, dass eh wieder die EU schuld war.

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