Das WERK X ist inzwischen ein wichtiger Player in der Kunstszene.

© WERK X

Mehr Platz
09/23/2021

Nachname Abdullah: Grund genug für Kontrolle der Finanzpolizei?

Der künstlerische Leiter und Geschäftsführer des Theaters WERK X behauptet, Ziel von institutionellem Rassismus geworden zu sein. Zuvor bekam er einen kuriosen Besuch.

von Mirad Odobašić

Vor 13 Jahren gründete Ali M. Abdullah gemeinsam mit Harald Posch das WERK X. Unzählige Perfomances und unterschiedlichste Kulturprojekte an mittlerweile zwei Standorten in Wien - am Petersplatz sowie in Meidling - haben zahlreiche kulturliebende Gäste seitdem bestaunen dürfen. An die meisten wird sich Abdullah wohl kaum erinnern können. Drei Besucher, die am Mittwoch an die Tür des Theaters in Meidling anklopften, wird er wohl nicht so schnell vergessen - und zwar nicht nur wegen der Tatsache, dass die drei Herren mit Masken bestückt waren.    

"Heute Vormittag haben uns drei Beamte der Finanzpolizei einen Besuch in Meidling abgestattet, um das Unternehmen aufgrund vieler Personal-Neuanmeldungen zu prüfen (Alle Anmeldungen waren natürlich regelkonform, es gab keine Beanstandung)", schrieb Ali M. Abdullah, einer der beiden künstlerischen Leiter und Geschäftsführer auf dem offiziellen Twitter-Account des WERK X.

"Abdullah ist normalerweise ein Teppichhändler"

Der Verwunderung über den Besuch der Beamten, die laut Abdullah eine Finanzpolizei-Marke aus einer Geldtasche zeigten, ihre Namen oder Ausweise aber nicht preisgaben, war groß. "Der 'Hauptverhandler', der die Unterlagen an sich nahm und sich auch Sachen in ein A4-großes Buch aufschrieb, sagte gleich zu Anfang: 'Keine Angst, es ist nichts Schlimmes, wir müssen nur was überprüfen. Die Gebietskrankenkasse hat uns den unüblichen Anstieg von sehr vielen Neuanmeldungen angezeigt und deswegen sind wir hier, um zu prüfen, warum das hier jetzt so ist", erzählt Abdullah gegenüber dem KURIER.

Nachdem er die offenen Fragen durch entsprechende Nachweise klären konnte, forderte der gebürtige Wiener seinerseits eine Erklärung. "Auf meine Frage, warum sie jetzt da zu uns kommen und überprüfen, wo die Leute ohnedies angemeldet sind - ich dachte immer, die Finanzpolizei kommt, wenn die Leute nicht angemeldet sind - antworteten sie: 'Ja, das können ja auch Scheinfirmen sein und gerade bei so einem Namen wie Abdullah ist das immer gut möglich'", schildert der Kulturschaffende, wie das kuriose Gespräch abgelaufen ist. "Dann erklärte der Beamte, Abdullah sei ja normalerweise der Teppichhändler in Belgrad, der Scheinfirmen habe, also ein Postkastl. Nach sechs Monaten könnten sich Abdullahs Mitarbeiter dann arbeitslos melden und sich anschließend die Zähne richten lassen auf unsere Kosten. In diesem Zusammenhang käme der Name Abdullah oft vor, erklärten sie mir".

Abdullah hielt diese Sager zunächst für einen Scherz. "Das ist aber jetzt wirklich nicht der Grund weswegen sie hier sind, wegen meines Namens, da kann man ja auch nachschauen, ob ich in Wien geboren bin. Sie machen jetzt einen Witz", bringt der WERK-X-Geschäftsführer sein Staunen über den Grund des Beamtenbesuchs aus. " Sie aber sagten vollen Ernstes zu mir: 'Nein, das ist kein Witz. Der Computer der Gebietskrankenkasse spuckt die Unregelmäßigkeit aus, dann kommt es zu uns. An die Endungen ić im Namen haben wir uns gewöhnt, die sind ja schon ... von hier ... aber Abdullah. Das ist ... anders', gaben alle drei unisono zu", erzählt Ali M. Abdullah. 

Finanzministerium: "Keine willkürlichen Überprüfungen"

Der KURIER hat das Finanzministerium mit dem Vorfall konfrontiert. "Rassismus hat bei uns keinen Platz und wird keinesfalls toleriert. Gleich nach Bekanntwerden dieser schwerwiegenden Vorwürfe wurde eine interne Klärung des Falls in die Wege geleitet. Grundsätzlich findet vor jeder Überprüfungshandlung eine Risikoanalyse statt. Diese folgt ganz klaren Parametern, da Überprüfungen nicht willkürlich erfolgen. Es kann ausgeschlossen werden, dass Fragen der Herkunft oder des Namens in irgendeiner Form dabei eine Rolle spielen", heißt es in dem vorliegenden Statement. 

Ali M. Abdullah weist darauf hin, dass die Liste der angemeldeten Schauspieler am WERK X stets einen hohen Anteil von migrantischen Darstellern aufweist. Für ihn stelle sich die Frage, ob diese Tatsache für den Besuch der Finanzpolizei ausschlaggebend gewesen sein könnte. Übrigens, am kommenden Samstag findet die Inszenierung "Aus dem Nichts" nach einem Film von Fatih Akin in Regie von Ali M. Abdullah statt. Darin geht es um das Thema NSU und institutionellem Rassismus.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.