Mirad Odobasic

© Kurier / Jeff Mangione

Kolumne

Wenn man sich an österreichischen Heiligtümern vergreift

Jedes Land hat seine Heiligtümer, die man nicht einfach so infrage stellt. Vor allem dann, wenn man kein "Autochtoner" ist.

von Mirad Odobašić

01/23/2023, 01:51 PM

Letzte Woche habe ich mich unbeliebt gemacht. Zumindest bei unseren Lesern, die im Westen Österreichs daheim sind. Ich schrieb nämlich das "Contra" in unserer Debatte zum Thema "Soll man Kindern noch Skifahren beibringen?" 

Ich wusste im Vorhinein, dass ich mich da auf dünnes Eis begebe. Denn jedes Land hat seine Heiligtümer, die man nicht einfach so infrage stellt. Vor allem Dingen dann, wenn man kein "Autochtoner" in diesem Land ist und gewisse Traditionen nicht lebt. So wie das Skifahren etwa.

Dann wird einem vorgeworfen, man kenne das Gefühl nicht, das einem das Skifahren gibt. Man wisse nicht, wie wichtig die Piste als Ort des Austausches für die Menschen, in den mit Schnee gesegneten Gebieten, sei. "Bei euch gibt's ja keine Skigebiete", "Ihr wollt ja nur an euer Meer" oder "Ihr jagt doch nur dem Ball nach" sind die Phrasen, die meistens für den Konterangriff im verbalen Duell mit einem Ex-Jugoslawen verwendet werden.   

Dabei ...

  1. ... gibt es doch auch "unten" (so verweist man doch immer auf die Balkan-Länder, oder?) Skigebiete - sonst wäre z. B. eine Winterolympiade 1984 in Sarajevo nicht möglich gewesen.
  2. ... lässt sich im Winter das Meer nicht etwa zum Baden nutzen, weswegen es viele doch - wie in Österreich - in die Berge zieht.

Ballsportarten fast für alle zugänglich

Nichts einzuwenden lässt sich gegen den Vorwurf des ständigen "Hinter-dem-Ball-Herrennens" sagen. Das tut man "unten" tatsächlich gern. Doch eventuell ist das auch dem Umstand geschuldet, dass Ballsportarten fast allen zugänglich sind, während das Skifahren doch den etwas Wohlhabenderen vorbehalten bleibt. Und während Österreich (immer noch) zu den reichsten Ländern der Welt gehört, tummeln sich die Balkan-Staaten im europäischen Wohlstandranking auf den hintersten Rängen. 

Unter dem Radar bleibt oft eine Tatsache: Seinen Wohlstand hat Österreich sehr wohl auch seinen vom Balkan oder von sonst wo stammenden Bewohnern zu verdanken. Vergessen wird zudem oft auch der Fakt, dass die Menschen, die hier ihr Zuhause fanden, in ihren Herkunftsländern eine Lücke hinterließen. Eine, die sich nicht so leicht schließen lässt und maßgeblich ist für die Armut am Balkan. 

Ihre Heiligtümer haben auch diese Menschen. Zu diesen zählt das Skifahren nicht, dafür aber andere, die ebenso infrage gestellt werden könnten. Sollten. Müssten.

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