© Jeff Mangione

Kolumne

"Er ist Österreicher... aber wirklich sehr nett"

Ein Satz, den man von Menschen mit Migrationsgeschichte immer wieder mal hört. Was es damit auf sich hat.

von Naz Kücüktekin

12/21/2022, 08:18 AM | Aktualisiert am 12/21/2022, 08:18 AM

Letztens tat ich etwas, das ich sonst selten mache. Zum einen fuhr ich Taxi. Zum anderen unterhielt ich mich die ganze Fahrt über durchgehend mit dem Taxifahrer. (Normalerweise bevorzuge ich öffentliche Verkehrsmittel und vor 9 Uhr mit niemandem sprechen zu müssen.)

Mein Fahrer, ein Mann wahrscheinlich in seinen Dreißigern, Familienvater und Serbe, wie er selbst sagte, war sehr redselig. Vor allem über seine Kunden hatte er viel zu sagen. "Wenn Sie wüssten, wie oft ich vom Flughafen für eine Zahnbürste wieder zurückfahren musste. Oder wie viele mich 20 Minuten warten lassen. Ich kann es mir nicht leisten, zu spät zu kommen", beklagte er.

Aber zum Glück gebe es auch viele nette Kunden, fügte er hinzu. Einer seiner Stammkunden, ein Arzt, der sei zum Beispiel super. "Ein toller Typ. Österreicher, aber wirklich nett", sagte er. Ich antwortete zwar nicht, bei seinem Nebensatz blieb ich aber gedanklich hängen.

Von Vorurteilen und Vorurteilen

Diesen hatte ich nämlich schon oft gehört. Immer von Menschen mit einer Art von Migrationsgeschichte. Als sei es vermeintlich unvereinbar, dass Österreicher:innen auch nett sein können. Oder so.

Ich glaube mittlerweile, man kann so eine Aussage auf zwei Weisen deuten:

  • Die Erste wären wohl Vorurteile. Wie es zu häufe gewisse Stereotype und Klischee zu Migranten gibt, existieren diese genauso von der anderen Seite für Menschen in Österreich. Während etwa Südländer:innen oft den Ruf genießen, laut und temperamentvoll zu sein, wird in migrantischen Communitys über Österreicherinnen gern mal gesagt, dass diese kalt, unfreundlich und egozentrisch seien. Und wenn dann mal einer nicht in dieses Klischee passt, könnte es vermeintlich Sinn machen, dass man einen Satz wie "Österreicher, aber wirklich sehr nett" sagt.
  • Eine andere Möglichkeit, diesen Satz zu deuten, ist wohl, dass Menschen, die als "Ausländer" abgestempelt werden, vielleicht auch nicht immer gut von "Österreicher:innen" behandelt werden. Wer als Mensch mit Migrationsgeschichte, noch nie ein "Sch**ß Tschusch"", "Geh wieder zurück in dein Land"" oder sonstige Beleidigungen oder nervige Verallgemeinerungen gehört hat, werfe den ersten Stein. Auch hier wirkt es dann vermeintlich außergewöhnlich, wenn man jemand anders ist; wenn jemand, ein:e Österreicher:in nett ist.

Wie einzelne Personen so ein "aber" tatsächlich meinen, ist aber natürlich schwer zu sagen. Die Realität wird wohl irgendwo dazwischen liegen.

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