Leben
28.05.2018

Weltmenstruationstag: Raus aus der blutigen Tabuzone

Bewusstsein schaffen: Der Weltmenstruationstag am 28. Mai steht im Zeichen der Monatsblutung.

Unwichtig, uncool, peinlich: So sieht der Großteil der österreichischen Jugendlichen die Regelblutung. Das hat eine repräsentative Befragung des Informationsportals Erdbeerwoche gezeigt. Was sich hierzulande und in anderen Teilen der westlichen Welt durch Unwissen und einen stark schambesetzten Umgang äußert, ist für Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern ein lebensgefährliches Problem.

Die Umstände zu beleuchten, unter denen Frauen weltweit menstruieren, ist eines der Anliegen des Weltmenstruationstages am 28. Mai. "Ziel ist, über Mädchen und Frauen aufzuklären, die sich Binden nicht leisten können und deshalb während ihrer Regel nicht zur Schule oder in die Arbeit gehen können. Oder über Frauen, die aufgrund veralteter Traditionen während ihrer Menstruation in Hütten verbannt werden, weil sie als schmutzig und unrein gelten", erklärt Leanka Sayer von Ruby Cup, einem Start-up für Menstruationstassen, das sich für Frauen in Entwicklungsländern und ihren Zugang zu Hygieneartikeln einsetzt.

Gesellschaftliches Tabu

Warum die Gesellschaft einen derart tabubehafteten Umgang mit der Periode pflegt, ist eine komplexe Frage. "Viele sehen die Wurzel im Patriarchat und der Religion. Heutzutage ist besonders die Medienwelt, allen voran die Werbung, dafür verantwortlich, dass die Menstruation als etwas gehandhabt wird, das eklig ist, eine Bürde, oder etwas, wofür man sich schämen muss oder über das man sich lustig machen darf", sagt Sayer. Die Folgen der Stigmatisierung seien Traumatisierungen bei Mädchen und Wissenslücken bei Frauen und Männern. Wissensdefizite gibt es Sayer zufolge nicht nur in puncto Menstruationszyklus. Auch über Menstruationsartikel, die während der Periode verwendet werden können, wissen viele Mädchen und Frauen wenig.

Neue Haltung

Was jahrhundertelang als unsauber galt, wird nach und nach vom schamhaften Image befreit. Neben Aktionstagen eröffnen Kampagnen im Internet dem Thema eine Plattform. Ebenso wie Fotostrecken, die mit einem gesunden Maß an Provokation aufrütteln wollen. Den Schlüssel im Kampf gegen das Tabu sieht Sayer in der Aufklärung: "Es geht darum, die Menstruation zu normalisieren und zu entmystifizieren – auch für Männer. Wenn die Gesellschaft versteht, was in einem menstruierendem Körper vorgeht, bezweifle ich, dass sie weiterhin als eklig und peinlich angesehen wird."