Leben
22.01.2018

Sprachexperte: Reden wir bald alle wie Trump?

Einem Linguisten zufolge könnte Donald Trumps Sprache das Verbalverhalten der Weltbevölkerung verändern.

Kurze Sätze, einfache Wörter, viele Wiederholungen: Donald Trumps Redestil ist markant, das ist unbestritten. Böse Zungen unterstellen dem US-Präsidenten gar das "Sprachniveau eines Grundschülers". Viele Experten beurteilen dies aber nicht als Zeichen der Beschränktheit des Politikers, sondern als politisches Kalkül. Trump weiß: Emotionen sind wichtiger als Fakten.

Mächtiger Trump-Sprech

Doch was macht der Trump-Sprech eigentlich mit unserem Sprachverhalten? Ein US-amerikanischer Linguist warnt davor, dass der verbale Stil des Staatsmannes nicht spurlos an den Menschen vorübergeht. George Lakoff, ehemaliger Linguistikprofessor an der University of California, Berkeley, zufolge würden die konstanten Wiederholungen langfristig Veränderungen im Gehirn und der Wahrnehmung der Menschen bewirken.

Im Interview mit dem Radiosender Deutsche Welle sagte der Kognitionsforscher: "Sprache aktiviert eine Assoziation und ein Schaltsystem in unserem Gehirn. Jedes Mal, wenn dieses System aktiviert wird, wird die Verbindung stärker." Dies bedeute, dass je mehr man Trump sprechen höre oder seine Tweets lese, desto wahrscheinlicher sei es auch, dass man seinen Redestil schrittweise annehme.

Veränderte Wahrnehmung

Zudem würden die verinnerlichten Begrifflichkeiten das Potenzial haben, die Wahrnehmung der Menschen zu verändern. Lakoff verweist dabei auf einen Fall aus der Vergangenheit: Weil Ex-US-Präsident George W. Bush im Zuge seiner Steuersenkungen stets von "tax relief", einer Steuererleichterung, sprach, brannte sich die Assoziation von Steuern als Bürde in den Köpfen der Menschen ein. Dies ging so weit, dass auch Medien und sogar Bushs politische Kontrahenten begannen, den Begriff zu verwenden – und so die Wahrnehmung von Steuern als Geldleistung für das öffentlich-rechtliche Gemeinwesen veränderten. "Jedes Mal, wenn man etwas abstreitet und dabei die Sprache jener Person verwendet, der man widerspricht, hilft man dieser Person eigentlich", betont Lakoff.

Dies bedeute nicht, dass man Trump nicht widersprechen solle, wenn an seiner Glaubwürdigkeit gezweifelt wird. Allerdings sollte man sich nicht seiner Sprache bedienen: Man könne Dinge entkräften, indem man "das Gegenteil positiv formuliert", anstatt existierende Argumentationslinien zu verneinen. Bevor man einen von Trumps Tweets teile, um damit Kritik auszudrücken, sollte man sich alternativer Formulierungen bedienen und jene Sprache verwenden, "die die Wahrheit wiedergibt".

"Drecksloch"-Sager

Auf ein aktuelles Beispiel angewandt würde das bedeuten, dass Trumps Aussagen über die Herkunftsländer bestimmter Migranten, die vom UNO-Menschenrechtsbüro als rassistisch eingestuft wurden, weder von Medien noch von Privatpersonen in den sozialen Medien im selben Wortlaut wiedergegeben werden sollten. Durch die konstante Wiederholung verfestigen sich derartige verbale Konstrukte, die mit Bedeutung aufgeladen sind, in den Köpfen der Menschen – zumindest, wenn man George Lakoffs Thesen Glauben schenkt.