Leben
10.11.2017

Polen: Mehr Sex durch Hasenclip?

Mit hoppelnden Hasen wirbt die Regierung in Polen für mehr Nachwuchs. Nach der Veröffentlichung des Videos steht das verantwortliche Ministerium nun in der Kritik.

Nach dem Vorbild von Kaninchen sollen sich polnische Bürgerinnen und Bürger künftig der Fortpflanzung widmen. Das ist die Kernbotschaft eines von der nationalkonservativen Regierung des Landes lancierten Videos.

Die Kaninchen verraten ihr Fruchtbarkeitsgeheimnis im Clip: "Erstens muss man gesund essen, zweitens sich viel bewegen, drittens sich nicht unnötig stressen. Viertens keine Drogen konsumieren." Der Erzähler im Spot fordert auf dem Off zu einem gesunden Lebensstil auf, um viele Kinder zu zeugen.

Geringe Geburtenrate

Zur Primetime im Fernsehprogramm platziert, will das Gesundheitsministerium mit dem Video möglichst viele Menschen erreichen. Das hat einen Grund: Die Geburtenrate ist in Polen sehr gering. Sie liegt bei 1,32 Kindern pro Frau – damit liegt das Land unter dem EU-Durchschnitt von 1,57. Zum Vergleich: In Österreich entfallen auf jede Frau im Schnitt 1,53 Kinder.

Die genauen Ziele der Kampagne kann man auf der Homepage des Gesundheitsministeriums nachlesen. Dort erfährt man: "Wir wollen, dass alle, unabhängig von Alter und Wohnort, ein größeres Bewusstsein für ihr Verhalten und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit bekommen." Man wolle die Bevölkerung mit dem Programm zu einem "gesünderen Lebensstil" animieren, damit sie sich "so lange wie möglich an ihrer Gesundheit erfreuen können", sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben.

Video ist "peinlich" & "verhängnisvoll"

An der Aufbereitung des Themas stößt sich vor allem die Opposition in Polen. Als "peinlich" bezeichnete Bartosz Arlukowicz, seines Zeichens ehemaliger Gesundheitsminister und Mitglied der oppositionellen Bürgerplattform (PO), die Kampagne. In dem Video sei außerdem keine Rede von Paaren, die keine Kinder bekommen können. Jedes achte Paar in Polen ist unfruchtbar. Vor diesem Hintergrund kritisiert Arlukowicz, dass Polen das Programm zur finanziellen Unterstützung von In-vitro-Fertilisation gestoppt hat.

In der Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna wird der Hasenvergleich von Sprachwissenschaftler Jerzy Bralczyk als "verhängnisvoll" bewertet. "Es ist eine verhängnisvolle Idee: Sprachkonnotationen mit Kaninchen und Fruchtbarkeit sind eindeutig negativ besetzt", wird der Wissenschaftler zitiert. Außerdem entstünde in Bezug auf Frauen eine Assoziation mit Playboy-Bunnys – und damit eine Reduktion der Frau zum Objekt.

Generell sind Hasen durch eine hohe Fruchtbarkeitsrate gekennzeichnet. Die Weibchen können mehrmals im Jahr Nachwuchs zur Welt bringen. Die Wurfgröße liegt bei durchschnittlich zwei bis acht, manchmal auch bis zu 15 Jungen.

"Angst vor Vulgarität"

Vonseiten der Produktionsfirma Propeller Film, die für den Clip verantwortlich zeichnet, kann man die Kritik nicht nachvollziehen. Jakub Kubicki von Propeller Film verteidigte den Spot als gute Idee: "Sexualität ist mit verschiedenen Tabus behaftet und es ist schwierig sich in dem Bereich zu bewegen, ohne jemanden zu verletzen." Man habe keinen "Lehrfilm" drehen wollen und hätte "Angst vor Vulgarität" gehabt. Kaninchen erschienen den Machern schließlich als gute Lösung. "Wenn der Spot Diskussionen erzeugt, ist das gut", so Kubicki.

Positiv bewertet auch PiS-Abgeordnete Bernadeta Krynicka aus der Gesundheitskommission den Clip: "Er ist großartig. Er beinhaltet alle wichtigen und grundlegenden Informationen. Eine gesunde Lebensführung entscheidet zu 75 Prozent über unsere Gesundheit."

Dass dem Hasenclip derart viel Aufmerksamkeit zuteil wird, scheint Gesundheitsminister Konstanty Radziwill zu freuen. Er verteidigte die Aktion am Mittwoch im Parlament: "Ich glaube, dass, auch wenn der Spot ein bisschen umstritten ist, er Aufmerksamkeit auf ein Thema lenkt, das in Polen ein Problem ist." Um ein noch breiteres Bewusstsein für die sinkende Geburtenraten zu schaffen. Seien auch noch weitere Spots in Planung.

Vorbild Dänemark?

Auch Dänemark versucht seit 2014, den Kinderwunsch seiner Bürgerinnen und Bürger aktiv zu fördern. Mit der Kampagne "Do it for Denmark" sollten die Dänen zu mehr Sex angeregt werden (der KURIER berichtete). Mit Erfolg, wie sich vergangenes Jahr zeigte. Tatsächlich erlebt das Land einen kleinen Babyboom. Zum ersten Mal seit Jahren konnte 2016 demnach die Marke von 60.000 Geburten geknackt werden (der KURIER berichtete).