Spielen heißt Lernen.

© Getty Images/Susan Chiang/iStockphoto

KURIER-Spieletest
11/15/2016

Kinder sind beim Spielen genial

KURIER-Leser testeten die neuesten Spiele - und die Kinder gewannen. Ein Experte erklärt, warum.

von Axel Halbhuber, Heinz Wagner

„Wenn man Kinder in ihrem Element, dem Spiel, lässt, sind sie ausnahmslos genial.“ So radikal bringt André Stern in seinem jüngsten Buch „Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben“ das Plädoyer für kindliches Spiel auf den Punkt.

Die KURIER-Leser, die beim großen Spieletest mitgemacht haben, würden wohl zustimmen. Heute zeigen wir im letzten Serienteil, wie sie anlässlich des Spielefestivals am kommenden Wochenende die besten Neuerscheinungen unter den Kinderspielen bewertet haben, maximal mit fünf Punkten.

Plädoyer fürs Spielen

André Stern ist ein Multitalent – Gitarrenbauer, Musiker, Komponist, Journalist und Autor. Bekannt wurde er 2009 durch das Buch „... und ich war nie in der Schule“. Der 45-Jährige wurde in Paris geboren und wuchs frei in einem kreativen Elternhaus auf. Nun erschienen zwei neue Bücher von Stern: eingangs erwähntes Plädoyer für Spielen und ein kleiner Band zu Kindheit im Allgemeinen. Der Kinder-KURIER traf den Autor, der sein Multitalent trotz – oder wegen – der Tatsache, dass er nie eine Schule besucht hatte, entwickeln konnte. Mittlerweile ist er Vater zweier Kinder – und lies so manche Beobachtung des Spiels seiner Sprösslinge in die beiden Bücher einfließen.

Dennoch fragt man sich, ob die Gesellschaft nicht in die genaue Gegenrichtung läuft? Stern: „Ich bin optimistisch. Mein Plädoyer, das ja nicht nur allein meines ist, Kinder spielen zu lassen, wird mittlerweile ja schon seit einigen Jahren auch von der Hirnforschung unterstützt. Die sagt uns, dass sich das Gehirn dabei am besten und schnellsten entwickelt, wo wir uns begeistern, da geht Lernen scheinbar von allein.“

Begeisterung

Auch in dem zweiten Buch, oder eigentlich Bändchen, „Werde, was du warst – ein Manifest für die Ökologie der Kindheit“ verweist Stern auf Forschungsergebnisse: „Die Beobachtung kleiner Kinder hat gezeigt, dass sie alle drei Minuten einen Begeisterungssturm erleben. Erwachsene empfinden im Durchschnitt dieselbe Menge Begeisterung nur zwei bis drei Mal pro Jahr ...“ Er hat dieses kleine Manifest laut eigener Aussage für Leute geschrieben, die „vielleicht nicht so viel lesen wollen“ und knüpft an seine Thesen die Frage: „Warum hat sich niemand je die Frage gestellt, was aus einem Kind würde, das sein ganzes Leben lang im angeborenen Zustand der Begeisterung bleiben durfte?“

Spielen & Lernen

Im Buch zum Spielen findet sich dazu eine Antwort: „Von nun an wissen wir, dass uns die Natur sicher nicht per Zufall mit der Fähigkeit zu spielen ausgestattet hat: Es handelt sich um das erstaunlichste, wirksamste und erfreulichste Werkzeug zur Entwicklung des Gehirns – also des Lernens –, das je erfunden worden ist.“ Die Anweisung, jetzt mit dem Spielen aufzuhören und mit dem Lernen zu beginnen, würden Kindern daher als widersprüchliche Anweisung empfinden.
Trotzdem baut das Bildungssystem doch eher auf Reglementierung und Standardisierung auf? „Das sind meiner Meinung nach nur die letzten Zuckungen, ein Aufbäumen des alten Systems. Aber jede und jeder merkt doch, so kann es nicht mehr weitergehen!“

Das Interview mit André Stern in Langfassung lesen Sie hier.

Veranstaltungen

Am kommenden Wochenende können leidenschaftliche Spieler übrigens in der Messe Wien (www.spielespass.at) und in Gänserndorf (www.spielefest.at) schnuppern und spielen (Details unten).

KURIER-Leser testen Kinderspiele

Fotos von Lesern zum Spieletest 2016. Einverständn…

Spieletest 2016, Spiele Cover udn Innen…

Fotos von Lesern zum Spieletest 2016. Einverständn…

Spieletest 2016, Spiele Cover udn Innen…

Fotos von Lesern zum Spieletest 2016. Einverständn…

Spiel Yippie Yippie Yeti, …

Fotos von Lesern zum Spieletest 2016. Einverständn…

Spiel Monstars Cover, Piatnik…

Fotos von Lesern zum Spieletest 2016. Einverständn…

Spieletest 2016, Spiele Cover udn Innen…

Wann und wo man Spiele testen kann

Das traditionelle „Spielefest“, zu dem die Veranstalter Ferdinand de Cassan und Frau erstmals 1984 luden, fällt dieses Jahr in Wien aus. Heute ist es noch in Klagenfurt und Wolkersdorf, demnächst in Gänserndorf, auf der Schallaburg, in Mistelbach, Lienz und Liezen. 2017 soll es auch wieder nach Wien kommen. Alle Termine und Info unter www.spielefest.at.

Stattdessen gibt es am kommenden Wochenende das erste Wiener Spielefestival „spielespass“ in der Messe Wien. (19. Nov. 10–19 Uhr, 20. Nov. 10–17 Uhr). Es wird stärker Produkt-getrieben sein, bietet aber nach wie vor alle Neuheiten zum Testen. Daneben gibt es mehr Spielzeug als beim Spielefest, von technischen Gimmicks wie Roboter-Hunden über leuchtende Bausteine bis zu Holzspielzeug, Knete und den neuesten Schrei: Indoor-Sand. Daneben wird viel Rahmenprogramm und ein Gewinnspiel (Auto und Spiele für Thermen-Wochenende) versprochen.

Info auf www.spielespass.at und facebook/spielespassmesse – die Tickets sind im Vorverkauf deutlich billiger (z.B. 24 € für eine Familie).

Buch und Bändchen: „Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben“ (Elisabeth Sandmann) & „Werde, was du warst – ein Manifest für die Ökologie der Kindheit“ (ecowin) .