Spielen liegt im Trend - bei klein und groß.

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Trend im Test
11/13/2016

Die große Lust am Gewinnen und Verlieren

Spielen boomt. Das wird auch so bleiben. KURIER-Leser testeten die besten Neuheiten.

von Axel Halbhuber

Es ist wieder Spielezeit. Nicht nur, weil es draußen kalt ist. Derzeit finden auch die großen Spielefeste statt, bei denen Freunde des gepflegten Brett- oder Kartenspiels ausprobieren können, welche Neuheiten ihnen durch Winterabende helfen. Das legendäre Wiener Fest macht zwar ein Jahr Pause, dafür gibt es das neue Festival "spielespass".

Der KURIER bat seine Leserinnen und Leser, die besten 25 Neuheiten auszuprobieren und mit eins bis fünf Punkten zu bewerten. Sie waren sehr streng, die Testberichte sind zwar subjektiv, aber sehr aufschlussreich, oft lustig, immer authentisch. Heute zeigen wir die Lesermeinungen zu den Familien- und Strategiespielen, es folgen das Beste aus der Kategorie "Party-, Reaktions- und Geschicklichkeitsspiele" sowie "Kinderspiele".

Auch wenn gerne das Bild der unkommunikativen Gesellschaft gezeichnet wird, spielen Menschen stetig mehr, glaubt Dieter Strehl, Geschäftsführer des Wiener Spieleherstellers Piatnik: "Keine Generation vor uns hat mehr gespielt als wir. Auch die Anzahl der Titel, die auf den Markt drängen, wird immer größer, weil es viel mehr Verlage gibt." Daneben haben sich mit Smartphone und Tablets spielerische Medien dermaßen in unseren Alltag gepflanzt, dass Spielen immer und überall möglich ist.

Digital

Da liegt der Verdacht nahe, der ungebrochene Spieletrend würde vorrangig vom Digitalboom befördert. Stimmt aber nicht: Vor dreißig Jahren gab es 170 Brettspiel-Neuerscheinungen pro Jahr, heute sind es mehrere Tausend. Strehl: "Es hat sich sogar gezeigt, dass die Hybrid-Spiele, bei denen digitale und analoge Komponenten verbunden sind, schlecht angenommen wurden." Gemeint sind etwa Brettspiele mit CD- oder DVD-Begleitung, elektronische Elemente oder zuletzt auch App-Erweiterungen. "Das Tablet oder der Fernseher sind dann neben dem Spielbrett wie eine anonyme Maschine, die sich in die Spielerrunde drängt und zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht."

Antidigital

Die Menschen schätzen am Brettspiel nämlich die Haptik und dass eine Beziehung zwischen den Spielern entsteht – genau das fehlt in der Welt von WhatsApp und eMail oft. Strehl beobachtet sogar eine solche Sehnsucht im digitalen Kernland: "Der Brettspiel-Umsatz steigt nicht nur im deutschen Sprachraum, der ja traditionell ein Hort der Spielekultur ist. Sondern auch in Amerika, dieser Markt wächst jährlich um zehn Prozent, und am meisten sind gerade die europäischen Spiele mit komplexer, interessanter Struktur gefragt." Die lange dauern. Die Menschen wollen offensichtlich wieder gemeinsam an den Spieltisch.

Daher verkaufe man Klassiker wie Activity als Brettspiel noch immer 50-mal öfter als die App, sagt Strehl. Andere Klassiker wie DKT, heuer übrigens 80 Jahre alt geworden, leben sowieso von der optischen Struktur auf dem Spielbrett.

Filmvorlagen

Apropos Klassiker: Nach Strategie- und zuletzt Lernspielen ist derzeit kein eindeutiger neuer Trend in Sicht. Selbst die Lizenzspiele stagnieren leicht, auch weil "die Harry-Potter-Jahre vorbei sind", glaubt Strehl. Dazu braucht es immer starke Filmvorlagen, und außer "Star Wars" ist momentan nicht viel da. Der Branchenkenner sieht in Europa – konträr zu Amerika – auch einen Rückgang der komplexen Strategiespiele: "Ich glaube nicht, dass die Zukunft den langwierigen Expertenspielen gehört, sondern den einfachen Partyspielen, die unterhaltsam und leicht zu erfassen sind. Spielerisch eben."

Familien- und Strategie-Spiele im Test

Fotos von Lesern zum Spieletest 2016. Einverständn…

Spieletest 2016, Spiele Cover udn Innen…

Spiel Kerala Cover, Kosmos…

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„spielespass“ statt Spielefest

In Wien wurde das „Spielefest“ über die Jahre zu einer Legende. Seit 1984 trafen sich Tausende Begeisterte jedes Jahr, das Austria Center wurde für drei Tage zum großen Ort des Ausprobierens und Testens von Brett- und Kartenspielen, rundherum immer mit buntem Rahmenprogramm. Dem Veranstalter Ferdinand de Cassan und seiner Frau war dabei stets wichtig, keine Verkaufsmesse zu machen, es sollte nur um eine gute Zeit gehen. Die Cassans sind die Spielepioniere des Landes, gründeten auch den österreichischen Spielepreis. Durch die betonte Unabhängigkeit vom Handel wurde das Spielefest immer schwieriger zu finanzieren, heuer fällt es in Wien erstmals aus und zieht durch die Bundesländer: Heute ist es noch in Klagenfurt und Wolkersdorf, demnächst in Gänserndorf, auf der Schallaburg, in Mistelbach, Lienz und Liezen. 2017 soll es auch wieder nach Wien kommen. Alle Termine und Info unter www.spielefest.at.

Stattdessen gibt es am kommenden Wochenende erstmals das Wiener Spielefestival „spielespass“ in der Messe Wien. (19. Nov. 10–19 Uhr, 20. Nov. 10–17 Uhr). Es wird stärker Produkt-getrieben sein, bietet aber nach wie vor alle Neuheiten zum Testen. Daneben gibt es mehr Spielzeug als beim Spielefest, von technischen Gimmicks wie Roboter-Hunden über leuchtende Bausteine bis zu Holzspielzeug, Knete und den neuesten Schrei: Indoor-Sand. Daneben wird viel Rahmenprogramm und ein Gewinnspiel (Auto und Spiele für Thermen-Wochenende) versprochen.

Info auf www.spielespass.at und facebook/spielespassmesse – die Tickets sind im Vorverkauf deutlich billiger (z.B. 24 € für eine Familie).

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