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Leben
06/18/2019

Jugend-Trend-Monitor: Wie handysüchtig ist die Jugend?

Die Umfrage unter 14- bis 29-Jährigen bringt überraschende Ergebnisse. Brauchen sie mehr Zeit ohne Smartphone?

"Ihr verbringt zu viel Zeit mit euren Handys", denken sich die meisten Jugendlichen über ihre Freunde. Der aktuelle Jugend-Trend-Monitor von Marketagent und DocLX zeigt, dass fast 80 Prozent der 14- bis 29-Jährigen finden, dass die anderen zu viel mit ihrem Smartphone beschäftigt sind. 73 Prozent meinen das auch über sich selbst.

Die Beziehung zur Technik ist eng: Fast jeder Zehnte bezeichnet das Handy in der Umfrage als Freund, manche empfinden es sogar wie einen eigenen Körperteil. Für den Großteil ist es aber das, was es sein soll: ein Gebrauchsgegenstand.

Von dem viele ab und zu etwas Abstand wollen: 75 Prozent wünschen sich zumindest manchmal eine Auszeit vom digitalen Wegbegleiter und können sich "Digital Detox" vorstellen. Für den Rest wäre ein Handyverzicht unvorstellbar.

Jeder Fünfte hat sich bereits so eine digitale Auszeit gegönnt und fast die Hälfte hat das demnächst vor. Ein handyloser Tag löste bei 30,8 Prozent der jungen Menschen Unruhe aus, ein Viertel fühlte sich ohne Smartphone gelangweilt und für ein weiteres Viertel bedeutete die Abstinenz vom Handy endlich Entspannung.

14-Jährige im Interview über die Ergebnisse

Auch die 14-jährige Emilia Tscherne beobachtet diese Handy-Intensität bei ihren Freunden. Als junge Vertreterin im KURIER-Leser-Beirat macht sie sich Gedanken über viele Themen. Im SchauTV-Interview teilt sie ihre Beobachtungen über die Ergebnisse der Jugend-Umfrage.

Die Umfrage beschäftigte sich auch mit der dunklen Seite der digitalen Medien und fragte die jungen Leute nach ihren Erfahrungen mit Online-Mobbing. Jeder zweite hat es erlebt, jeder achte sogar bei sich selbst. Eine schreckliche Erfahrung: Die Beschimpfungen im Internet finden die meisten genauso arg wie im persönlichen Kontakt.

Ist Mobbing schon Alltag?

Drei Viertel sehen keinen Unterschied darin, ob jemand direkt oder online fertiggemacht wird. Viele das pragmatisch: Online-Mobbing gehöre zum Alltag, meint jeder Vierte und jeder Fünfte meint, man solle es nicht ernst nehmen.

Die Reaktionen sind vielfältig, so die Umfrage: Jeder fünfte Befragte stellte den Übeltäter zur Rede, auch hier ist der Unterschied zwischen realen Begegnungen und Online-Kommunikation nicht groß. Die Hälfte meldete das Online-Mobbing beim Plattform-Anbieter. Echte Menschen sehen sie gar nicht so sehr als Hilfe: Nur jeder siebente wendete sich mit dem Problem an eine Vertrauensperson.

Leiden unter "Bodyshaming"

Oft geht es bei den Beleidigungen um das Aussehen, ein Trend, der unter dem Begriff "Body-Shaming" bekannt ist. Die Hälfte hat diese Beschimpfungen erlebt, jede vierte Frau war selbst betroffen. Bei den Männern ist immerhin jeder sechste betroffen gewesen.

Das ist ein wunder Punkt für viele junge Menschen: Mehr als 70 Prozent würden ihren Körper gerne nach einem Idealbild richten. Davon hängt für viele das Glück ab: Die Hälfte meint, der perfekte Körper sei die Bedingung für einen perfekten Partner. Nur eine Minderheit nimmt sich dabei ein Vorbild an Stars und Influencern.

Ein Thema der Umfrage steht im Widerspruch zur aktuellen Diskussion über die Wünsche der Jugend. Trotz der breiten Fridays-for-Future-Bewegung geben 75 Prozent der 14- bis 29-Jährigen an, dass sie gerne eine eigenes Auto haben möchten. In Wien ist die Anzahl naturgemäß niedriger als im Rest von Österreich.

Gut gefallen würden den meisten Gratis-Öffis, nur die Hälfte hält eine Umsetzung für  wahrscheinlich. Beim Thema Plastik ist der Umweltgedanke schon angekommen: 91 Prozent sind für ein Verbot von Plastiksackerln und 88 für ein Verbot von Plastikverpackungen.

Bei der Ernährung ist ein Umdenken möglich: 42 Prozenz der jungen Befragten könnten sich vorstellen, vegetarisch zu essen.