Leben
05.04.2018

Impf-Debatte: Puppe mit Masern erhitzt in Italien die Gemüter

Kinder können die roten Hautflecken wegwischen. Die italienische Gesundheitsbehörde wirft dem Hersteller Verharmlosung vor.

Während in Italien weiterhin eine heftige Diskussion über die Impfpflicht tobt, sorgt der italienische Spielzeughersteller Giochi Preziosi mit einer an Masern erkrankten Puppe für einen Eklat. Der norditalienische Produzent brachte dieser Tage die Puppe "Cicciobello Morbillino" mit roten Masernpunkten auf den Wangen auf den Markt.

 

Verharmlosung der Masern

Kinder können die Babypuppe behandeln, in dem sie die Masernpunkte im Gesicht mit einer Creme wegwischen. Das Spielzeug, das im Handel rund 43 Euro kostet, löste einen Protest der italienischen Gesundheitsbehörden aus, die vor einer Verharmlosung der Masern warnten.

Im vergangenen Jahr hat Italien eine Masernepidemie mit fast 4.900 Erkrankungen und vier Todesfällen erlebt. Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit, sondern könnten schwere und bleibende Schäden hervorrufen, ja sogar zum Tod führen, warnte der Präsident des italienischen Gesundheitsinstituts ISS, Walter Riccardi, in einer Presseaussendung. Er forderte die sofortige Rücknahme der Puppe aus dem Handel. Riccardis Stellungnahme löste heftige Diskussionen im Internet aus.

 

Impfpflicht gegen Masern

Die italienische Regierung hatte im vergangenen Jahr eine Impfpflicht gegen zehn Krankheiten eingeführt, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Feuchtblattern. Der Zwang führte zu beachtlichem Widerstand. Inzwischen haben sich jedoch viele Skeptiker überzeugen lassen und der Impfung ihrer Kinder zugestimmt, denn eigentlich müssten ungeimpfte Kinder vom Besuch des Kindergartens und der Schule ausgeschlossen werden.

Rückruf ausgeschlossen

Der Spielzeughersteller Giochi Preziosi verteidigte sich unterdessen. Der Konzern produziere bereits seit Jahren Puppen, die von Kindern behandelt werden können, die "Doktor spielen". Einen Rückruf schloss die Firma aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Puppe ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Anfang dieses Jahres beschlagnahmten Behörden in Paraguay Puppen, die wie Mädchen aussahen, unter der Kleidung aber einen Penis hatten. Das Geschäft, in dem die Puppen angeboten wurden, wurde außerdem geschlossen (mehr dazu hier).