Tomaten stehen als Starkzehrer in der Fruchtfolge an erster Stelle.

© Kurier/Gilbert Novy

Leben
05/01/2019

Ewig hungrig, immer Durst: Welche Plfanze im Beet was braucht

Wer wenig Platz, aber viel Lust auf Gemüse hat, muss verschiedene Sorten zusammensetzen. Aber die Topfbewohner müssen Ähnliches wollen.

von Axel Halbhuber

Starkzehrer

Wenn man eine Pflanze vernachlässigt, die viele Nährstoffe und viel Wasser verlangt, zeigt sie einem das rasch. Starkzehrende Gemüsesorten lassen bei Mangel alles hängen, die Blätter bleiben klein und verstörend hellgrün, Pflanze und Wurzeln wachsen schlecht. Viel schlimmer ist der mangelnde Ernteerfolg, denn die Früchte bleiben ebenfalls zu klein.

Das Problem: Zu diesen Nimmersatts gehören einige der beliebtesten Topf-Gemüsesorten. Etwa die Balkon-Dreifaltigkeit Paradeiser, Gurke und Zucchini (oder Melanzani). Auch scharfe Sorten wie Paprika, Pfefferoni und Chili haben erhöhten Nährstoffbedarf.

Unter den Kräutern, die an sich eher genügsam sind, braucht nur das Basilikum viel Dünger. Einige Gemüsesorten, die sonst in tiefer Erde wachsen und damit aus dem Vollen schöpfen können, muss man ebenso reichlich versorgen: Sellerie, Spargel, Rhabarber, Mais, Artischocke, Melone, Kohl, Erdäpfel oder Kürbis.

Bei all diesen Pflanzen lohnt es, schon beim Eintopfen etwas Langzeitdünger dazu zu mischen. Der wahrscheinlich beste ist Pferdemist, den allerdings nicht jeder unbedingt im Auto nach Hause führen will. Also Pferdemist-Pellets. Auch Urgesteinsmehl wirkt gut, es bringt Mineralien ein und speichert Nährstoffe sehr gut, man kann es daher schon in den Kompost einbringen (außerdem wirkt es pilzhemmend). Neben dem Kompost oder Regenwurmhumus zählen auch Hornspäne zu biologischen Düngern, werden aber manchmal abgelehnt, weil dafür Rindern Hörner abgesägt werden. Sehr gut ist auch Schafwolle (erhält auch gleich die Struktur in der Erde).

Starkzehrer haben fast immer hohen Wasserbedarf, allerdings reagieren alle Gemüsesorten schlecht auf Staunässe – sie verfaulen. Die Kiste oder der Topf brauchen also wirklich guten Abfluss und regelmäßiges Gießen. Tipp: Je größer das Gefäß, umso feuchter bleibt die Erde, weil sie sich selber kühlt.

Mittelzehrer

Es soll ja Menschen geben, die neben ihren Töpfen noch andere Interessen haben. Nicht jeden Tag mit Gießen beginnen wollen oder ständig nachdüngen.  Diesen Gelegenheitsgartlern seien die Mittelzehrer ans Herz gelegt. Eine Karotte, Rote Rübe oder Pastinake kommt mit gelegentlicher Aufmerksamkeitsdürre gut zurecht, solange man sich dann wieder  um sie kümmert.

Neben diesen Rüben trifft das auch auf  einige Blattgemüse zu, besonders Spinat und Mangold. Kopfsalat braucht etwas mehr Nährstoffe als andere Salate, so wie Knoblauch und Zwiebeln.
Mittelzehrer kann man zu Saisonbeginn in normale Blumenerde setzen. Über das Jahr werden sie alle sechs bis acht Wochen gedüngt. Apropos, ein exzellenter Dünger für solche Sorten ist Brennnesseljauche: Ein Kilo Brennnesseln in zehn bis fünfzehn Liter Regenwasser legen (das Gefäß darf nicht aus Metall sein!), offen lassen und täglich umrühren. Wenn die Jauche nach etwa zwei Wochen nicht mehr schäumt, wird sie eins zu zehn verdünnt ausgebracht.

Manche Sorten stellen gewisse Ansprüche an das Pflanzgefäß. Rettich oder Fenchel brauchen tiefere Böden, Erdbeeren wollen sich ausbreiten. Wird das berücksichtigt, darf man gerne kreativ sein, von Gummistiefel bis Nachttopf ist alles erlaubt – solange das Wasser abfließen kann. Dabei hilft eine Drainage-Schicht über dem Abzugsloch, dann Substrat bis fünf Zentimeter unter dem Rand. Achtung bei Holz: Das Ding muss eine Saison halten.

Schwachzehrer

Gerade bei kleinen Balkonen und Terrassen ist die Planung extrem wichtig. Einerseits, weil man durch die richtige Pflanzfolge Flächen mehrfach nutzen kann (hintereinander), andererseits, weil gute Anordnung mehr möglich macht (nebeneinander).

Für ein gelungenes Hintereinander muss man wissen, dass viele Schwachzehrer einfach auf abgeerntete Flächen ausgebracht werden können. Feldsalat (im Osten des Landes „Vogerlsalat“) hat zum Beispiel deswegen im Herbst Saison, weil er als Zweitsaat auf das Feld kommt. Ähnlich kann man das im Topf betreiben, ebenso mit Kresse und einigen Asiasalaten. Ein Mittelding ist der Kopfsalat, der mal als Schwach-, mal als Mittelzehrer gilt.

Schon am Anfang der Saison kann der arbeitsscheue Gartler einiges ohne große Boden-Vorbereitung in die Töpfe des Vorjahres ausbringen. Rucola gedeiht auch in kargen Böden gut, wie alle dünnblättrigen Kräuter aus dem mediterranen Raum. Und Erbsen (die erste Ernte ist schon Anfang Juni fertig) oder Bohnen. Für die braucht man allerdings ein Rankgitter. Und: viel Wasser. Manche Schwachzehrer sind extrem durstig.

Wer solche Pflanzen in zu „fette“ (also nährstoffreiche) Böden setzt, sieht bald die Zeichen der Überversorgung: Sie werden dunkelgrün, Blätter und andere Teile werden gatschig.
Das perfekte Substrat für Schwachzehrer ist Aussaaterde. Die ist nährstoffarm, damit die Wurzeln junger Pflanzen nicht „verbrennen“. Auch normale Blumenerde funktioniert sehr gut, eventuell kann man sie mit Sand (quasi nährstofflos) abmischen, Salat- oder Kräutererde ist auch möglich, aber teurer.

Während sich Starkzehrer gegenseitig Nährstoffe „wegnehmen“ können, passen Schwachzehrer manchmal als Ergänzung zu einer Pflanze, die dem Boden viel entnimmt. Solange der Wasserbedarf ähnlich ist: Rosmarin wird es im Paradeistopf mit Sicherheit zu feucht sein, aber Salat fühlt sich dort wohl.