Wie wir heute Kebab essen und wie frisch das Fleisch ist

Wie wir heute Kebab essen und wie frisch das Fleisch ist
Die Deutschen feiern 50 Jahre Döner Kebab, so wie wir ihn heute kennen und lieben.

Unsere Nachbarn feiern ihre türkisch-deutsche Fusionsküche in Form von Fladenbrot, Grillfleisch und Zwiebeln. "Tatsächlich ist der Döner Kebab, so wie wir ihn hier kennen, eine Berliner Kreation", sagt der Soziologe Eberhard Seidel im Interview mit der dpa.

Das Streetfood sei vor 50 Jahren aus dem Zusammenspiel türkischer Gastarbeiter und Berliner entstanden – der Geburtsort des "German Döner" war der Berliner Stadtteil Kreuzberg.

Auch wenn die Deutschen den beliebten Imbiss feiern, kannten die Türken bereits im 19. Jahrhundert Schisch Kebab, also am Spieß gebratenes Hammelfleisch, das in Brotteig gewickelt wurde. Kurz darauf soll der Iskender Kebab im Land am Bosporus entstanden sein, bei dem das Fleisch mit Joghurt und auf Brotstücken serviert wird. Freilich auf einem Teller.

Wie wir heute Kebab essen und wie frisch das Fleisch ist

Geschichtetes Lammfleisch in konischer Form auf einem Spieß: James Robertson schoss 1855 das erste Döner-Foto der Welt.

Ab den 1940ern stand der Imbiss erstmals unter dem Begriff "Döner Kebab" (auf Deutsch: sich drehendes Grillfleisch) auf Speisekarten Istanbuler Lokale, ab den 1960ern gab es sogar Straßenverkauf. Laut Seidl sei das Gericht in der Türkei aber nie so populär geworden wie in Deutschland.

Kebab-Bowl

In Österreich verdanken wir Yaşar Sarikoç den Kebab, der 1983 einen kleinen Imbiss in der Hütteldorfer Straße und vier Jahre darauf sein prominentes Lokal in der Operngasse eröffnete. Letzteres gibt es heute noch, auch wenn es ihm schon lange nicht mehr gehört: In seiner Anfangszeit reichte die Schlange bis zum Naschmarkt.

Diese Zeiten sind lange vorbei – auch die Pandemie machte der Branche trotz Take-away-Geschäft zu schaffen: So gab es in der Bundeshauptstadt Ende 2019 noch 168 aktive Mitglieder in der Kategorie Würstel- und Kebabstände, Ende 2021 waren es nur noch 140 Aktive.

Dass Standler aufgeben, freut David Immanuel Karagesjan: Der Unternehmer eröffnete drei Standorte seiner Auszeit in Wien. "Wir wollten den Kebab neudenken, moderner machen: Vollkorn verkauft sich bei uns sogar besser als Weizen. Dazu gibt es frisches Gemüse wie Avocados für die Kebab-Bowl. Saucen sind hausgemacht."

Nach diversen Fleisch-Skandalen gibt es übrigens eine erfreuliche Nachricht vom Wiener Marktamt: Beanstandungen sind äußerst rar – also bestellen Sie getrost "Einmal mit alles". Grammatikalisch vielleicht nicht einwandfrei, dafür längst fixer Bestandteil unserer Alltagssprache.

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