Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Über die Moderatoren des ESC und den Charme des Belanglosen

Eine Anfrage an das (fiktive) Kulturamt zu den beiden -owskis. Wie hat sich das Duo geschlagen?
AUSTRIA-ENTERTAINMENT-MUSIC-TELEVISION-ESC-FINAL

Sehr geehrtes Kulturamt!

Seit Tagen werde ich vom Song Contest belästigt, obwohl ich mich nicht im Geringsten dafür interessiere. Jede Radio-, jede Fernsehsendung, jedes Medium scheint nur ein Thema zu kennen: das Wettsingen, das qualitativ eine Katastrophe ist. Am meisten schockiert war ich aber, als ich im ORF die beiden Moderatoren sah. Wem, bitte, ist das eingefallen? Ich beantrage bei Ihnen, dass die beiden nächstes Jahr zur Strafe den Föderalismus-Contest „9 Plätze – 9 Schätze“ moderieren müssen. Dass im Gegenzug Barbara Karlich und Armin Assinger beim Song Contest drankommen, halte ich eh für ausgeschlossen.

Mit empörten Grüßen, M. W.

***

Sehr geehrte M. W.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 17/2026). Allerdings sehen wir uns, in guter Wiener Tradition, die beim Song Contest besonders zum Vorschein zu kommen scheint, zur Ablehnung gezwungen. Dies nicht aufgrund einer A-priori-Gegenposition, sondern aus inhaltlichen Gründen. Frau Swarovski ist als Moderatorin derart gefragt – auch wegen ihrer Präsenz bei der RTL-Sendung „Let’s Dance“, die, wie man an diesem Freitag gesehen hat, unter ihrer Abwesenheit leidet –, dass sie für einen derartigen Job im ORF kaum bezahlbar wäre. Und Herr Ostrowski scheint uns doch zu humorvoll zu sein für „9 Plätze – 9 Schätze“. Als in Österreich tätiges Kulturamt kennen wir jenes Grundgesetz, wonach beim Föderalismus Schluss mit lustig ist.

Wir teilen, werte M. W., auch Ihre Ansicht nicht, dass beim Song Contest alles furchtbar sei. Wir finden als der hegelianischen Dialektik verpflichtetes Kulturamt ganz gegenteilig, dass er die ideale Antithese zum Raunzertum ist und nur deshalb nicht zur Synthese führen dürfte, weil es mehr als ein Jahrzehnt dauern wird, bis er wieder in Wien aufschlägt. Darüber hinaus schätzen wir das Zelebrieren des Belanglosen in einer Welt, in der jeder Social-Media-Account Anspruch auf endgültige Wahrheiten erhebt. Wir wollen nicht zu philosophisch werden, aber vielleicht ist das Dumme manchmal klüger als das vermeintlich Intelligente.

Überraschend, erwartbar

Was nun die (sympathischen) Moderatoren konkret betrifft, waren wir angenehm überrascht von Frau Swarovski, die mit Ausstrahlung (und dem einen oder anderen seltsamen Kleid) mehr einbrachte als nur die einstudierten Texte. Bei Herrn Ostrowski überraschte uns Weniger: die Elvis-Gedächtnis-Overalls waren ebenso erwartbar wie die distanzierte Grundhaltung, die wir aus dem Kabarettfilm kennen. Wir zählen nicht zu jenen, die meinen, dass man dem ESC nicht mit Zynismus begegnen darf. Aber wir hegen Zweifel, ob man diese Form der Anarchie international versteht. Reaktionen aus anderen Ländern geben uns recht. Famos fanden wir die Parodie auf JJ’s Siegersong im Halbfinale. Im Finale gab es dann auf der Bühne zum Füllen der Sendezeit mehr Kitsch als Moderations-Gags. Wirklich besser?

Grundsätzlich stieß die TV-Übertragung auf unsere Zustimmung, und wesentlich größere Einwände als gegen das Moderatorenduo haben wir gegen das Drehbuch, manche Texte und Einlagen. Ein Jahr Vorbereitung war wohl nicht ausreichend.

gert.korentschnig

Kommentare