© Theater an der Wien/Moritz Schell

Kultur
02/06/2020

Theater an der Wien: Ein Egmont "am Puls unserer Zeit“

Intendant Roland Geyer bittet zu einem „Beethoven-Fest“ mit Uraufführungen. Christian Josts und Christoph Klimkes neue Oper „Egmont“ feiert am 17. Februar Premiere.

von Peter Jarolin

Ludwig van Beethoven hier, Ludwig van Beethoven da – das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Komponisten.

Naturgemäß auch im Theater an der Wien, wo nicht nur (nebst anderen Werken) „Fidelio“ uraufgeführt wurde, sondern der Künstler sogar gewohnt hat. „Wenn sich dieses Haus nicht besonders zu Beethoven bekannte, wäre wohl etwas falsch“, sagt denn auch Intendant Roland Geyer, der zu einem regelrechten „Beethoven-Fest“ bittet.

So gibt es etwa eine Neuinszenierung des „Fidelio“ in der Regie von Oscar-Preisträger und Bond-Bösewicht Christoph Waltz (16. März), ein Stationen-Konzert namens „Looking 4 Ludwig“ (ab 20. Februar), diverse Konzerte oder eine Ausstellung im Souterrain des Hauses.

In der Kammeroper wird am 5. März die Oper „Genia“ – mit Beethoven als Hauptfigur – von Tscho Theissing (Musik) und Kristine Tornquist (Libretto) uraufgeführt; bereits am 17. Februar hat an der Wien „Egmont“ des deutschen Komponisten Christian Jost (56) und des Textdichters Christoph Klimke Premiere.

Der Geist Beethovens

Eine Uraufführung, die dem Geist Beethovens entsprechen soll, die aber weder musikalische Beethoven-Zitate, noch Goethes gleichnamiges, 1789 uraufgeführtes Trauerspiel eins zu eins auf die Bühne bringen will.Denn, so Komponist Christian Jost: „Wir haben Beethovens Schauspielmusik zu ,Egmont’ und Goethes Stück nur als Folie, als Ausgangspunkt genommen. Den Inhalt, also den Aufstand der Niederländer gegen die spanische Herrschaft im 16. Jahrhundert, haben wir beibehalten.

Aber Christoph Klimke und ich tragen der heutigen politischen Situation Rechnung“, so Jost. „Als ich 2016 den Kompositionsauftrag zu ,Egmont’ bekommen habe, war ein Donald Trump noch nicht US-Präsident, da haben die Populisten noch nicht so laut geschrien. Das veränderte politische Klima hat das Libretto extrem beeinflusst. Wir legen mit .Egmont’ den Finger in die Wunde heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse. Wir sind da völlig am Puls unserer Zeit. Beethovens Utopie der Freiheit steht bei uns sehr im Zentrum.“

 

Auf gerade einmal sechs Personen, einen Chor und eine Spieldauer von 90 bis 95 Minuten haben Jost und Klimke das Drama rund um den Freiheitskämpfer Egmont und seinen brutalen Widersacher Alba reduziert. Jost, der damit seine bereits neunte Oper vorlegt: „Ich hatte nie vor, mit Beethoven-Zitaten zu arbeiten. Aber ich denke, es greift jetzt alles schön ineinander. Und der Fluss, den das Werk hat, kann man einen Beethoven’schen Drive nennen.“

 

Der Geist Wiens

Mit den Produktionsbedingungen im Theater an der Wien ist Jost jedenfalls sehr zufrieden. „Man spürt diesen Geist Wiens. Und wir haben mit Maria Bengtsson, Angelika Kirchschlager, Bo Skovhus als Alba oder Edgaras Montvidas als Egmont eine großartige Besetzung. Dazu kommen der tolle Arnold Schoenberg Chor und Dirigent Michael Boder, der mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien alle meine Intentionen wunderbar umsetzt. Und Regisseur Keith Warner ist mit mir auch im regelmäßigen Gedankenaustausch“, so Jost. Nachsatz: „Das ist bei Uraufführungen ja leider nicht immer gegeben.“

Wichtig sei Jost aber auch gewesen, „jeden Anflug von Pathos zu vermeiden“. Aber: „Beethoven hat einst seine Stimme gegen die Ungerechtigkeiten der Welt erhoben. Und wir wollen das mit diesem ,Egmont’ auch tun. Denn es ist heute wichtiger als je zuvor, den Mund aufzumachen, wachzurütteln. Wenn uns das mit den Mitteln des Musiktheaters gelingt, haben wir viel erreicht.“

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