© Theater an der Wien/Monika Rittershaus

Kritik
12/16/2019

"Halka" im Theater an der Wien: Möglichkeit einer Entdeckung

Die Nationaloper „Halka“ von Stanislaw Moniuszko in Starbesetzung im Theater an der Wien.

von Peter Jarolin

Wenn sich ein Ausnahmekünstler etwas wünscht und auch bereit ist, in einer Produktion selbst mitzuwirken, dann greift man als Intendant gerne zu. So geschehen im Fall von „Halka“ aus der Feder des hierzulande eher unbekannten Komponisten Stanislaw Moniuszko (1819 – 1872), dessen polnische Nationaloper es bis dato nur selten auf die internationalen Bühnen geschafft hat.

Startenor Piotr Beczala jedoch setzte sich für diese Rarität ein – und so ist das Theater an der Wien in Kooperation mit dem Teatr Wielki Warschau bis inklusive 31. Dezember fest in polnischer Hand. Doch lohnt sich eine Begegnung mit diesem 1858 uraufgeführten Stück überhaupt?

Verbotene Liebe

Mit kleinen Abstrichen unbedingt!

Worum es geht? Um die titelgebende, dem armen, bäuerlichen Milieu entstammende Halka, die sich in den standesmäßig über ihr stehenden Janusz verliebt und sich von diesem schwängern lässt. Dabei ignoriert Halka die Liebe ihres Jugendfreundes Jontek völlig. Janusz wiederum gibt Halka auf, um sich mit der schönen und reichen Zofia zu vermählen. Halka endet im Wahnsinn und Selbstmord.

Stanislaw Moniuszko hat für dieses Sujet eingängige Musik komponiert, die irgendwo zwischen slawischer Folklore, feinem Belcanto sowie an Richard Wagner gemahnender, mit Leitmotiven arbeitender Romantik angesiedelt ist. Lyrisches wechselt mit Dramatischen, auf Arien folgen polnische Tänze. Das ist überaus interessant, könnte aber wesentlich mehr Wirkung erzielen, würde der polnische Dirigent Lukasz Borowicz das an sich wackere ORF Radio-Symphonieorchester Wien nicht in absurde Lautstärkendimensionen führen. So klingt hier einfach vieles – gut wie immer der Arnold Schoenberg Chor – nur derb, platt und bewegt sich allzu oft in Richtung banaler Umtata-Kulisse. Differenzierungen wären sehr angebracht.

Dann hätte es vielleicht auch Tomasz Konieczny leichter, der in der Partie des miesen Janusz reichlich zur vokalen Kraftmeierei genötigt wird. Dass der Bassbariton ein begnadeter, expressiver Singschauspieler (und ein erprobter Wotan!) ist, wird dennoch mehr als deutlich.

An ihre stimmlichen Grenzen muss auch die amerikanische Sopranistin Corinne Winters in der sehr anspruchsvollen Titelpartie der Halka gehen. Winter zeichnet aber eindrucksvoll das Porträt einer zutiefst geschundenen, dem Irrsinn stets nahen Grenzgängerin zwischen den sozialen Welten.

Tenorale Pracht

Und dann wäre da noch Piotr Beczala als Sympathieträger Jontek, der seine große (zugleich die populärste) Arie „Die Tannen rauschen“ betörend schön singt. Feinsinnig, nuanciert, mit Schmelz und traumhaften Timbre – hier ist dann auch der Dirigent endlich ein subtiler Begleiter. Die kleineren Partien sind mit Alexey Tikhomirov, Lukas Jakobski und vor allem der fabelhaften Natalia Kawalek als Zofia ordentlich besetzt.

Eine Inszenierung gibt es auch, wobei Regisseur Mariusz Trelinski dankenswerterweise auf eine tumb-rustikale Bauernsaga verzichtet, das Geschehen in einem Hotel (Bühne: Boris Kudlicka) und in den 70-er Jahren (Kostüme: Dorothée Roqueplo) ansiedelt und ein bisschen mit Psychologie spielt. Soll sein.

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