Temporäre Installation für umstrittenes Lueger-Denkmal ab Herbst

Temporäre Installation für umstrittenes Lueger-Denkmal ab Herbst
Die Statue des antisemitischen Bürgermeisters von Wien bleibt erhalten. Sie wird kontextualisiert - temporär und permanent.

Von Anne Fliegel

Regelmäßig entflammen hitzige Debatten über das Karl-Lueger-Denkmal an der Ringstraße in Wien. Bisher war nur klar, dass die Statue einen neuen Bezugsrahmen erhalten soll. Da es eine permanente künstlerische Installation frühestens ab dem Herbst 2023 geben wird, präsentierte die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) am Mittwoch ein temporäres Kunstprojekt für die Übergangszeit.

"Kunst hat eine Kraft, an die ich glaube"

Seit einem Round-Table-Gespräch im Mai 2021 ist endgültig klar, dass das Denkmal in der Wiener Innenstadt stehen bleibt. Jedoch wird es kontextualisiert werden - um auf die antisemitische Einstellung Luegers aufmerksam zu machen. Da die endgültige künstlerische Umsetzung noch über ein Jahr dauern wird, kommt vorerst eine temporäre Kunstinstallation. "Lueger temporär" heißt das Projekt von Nicole Six und Paul Petritsch, das im Herbst 2022 aufgestellt werden soll. Geplant ist eine riesige Holzkonstruktion, die 13 Metern hoch und 25 Metern lang sein soll. 15 verschiedene Elemente des öffentlichen Raums, die mit Karl Lueger in Verbindung stehen, werden als Umrisse dargestellt und als maßstabsgetreue Silhouetten an ein Gerüst gelehnt. Zu erkennen sind unter anderem ein Teil der Lueger-Gedächtniskirche und die Karl-Lueger-Brücke. "Wir zeigen, dass das Karl-Lueger-Denkmal in der Stadt keine singuläre Erscheinung ist", so Petritsch bei der Präsentation des Modells im Wiener Rathaus.

Temporäre Installation für umstrittenes Lueger-Denkmal ab Herbst

Für die Installation werden 100.000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit soll der öffentliche Raum zu einem Lernort gegen Antisemitismus werden und zur Reflexion anregen. "Kunst hat eine Kraft, an die ich glaube", begründete Kaup-Hasler die Entscheidung, eine Installation zu errichten - und nicht nur eine Tafel mit Text beizufügen. Eine Hilfestellung zur Erklärung des temporären Projekts werde es aber geben. Kunst könne den Bewusstseinsprozess fördern, Kontroversen aufzeigen und die Erinnerungskultur permanent aufrechterhalten, erklärte die Kulturstadträtin. Es soll dadurch eine  Diskussion über den Umgang der Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit angestoßen werden und das Potential des öffentlichen Raumes präsentieren

Kaup-Hasler sprach sich explizit gegen eine Umbenennung des Lueger-Platzes oder eine Entfernung der Bronzestatue aus, wie von verschiedenen Seiten immer wieder gefordert wird. "Verschwindet das Denkmal in einem Depot oder einem Skulpturenpark, erreicht man nur mehr einen kleinen Teil der Öffentlichkeit." Der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Markus Figl (ÖVP), pflichtete bei: "Es gibt in der Geschichte Licht- und Schattenseiten. Und wir müssen uns diesen Schattenseiten stellen und dürfen diese nicht beschönigen."

Permanentes Denkmal soll 2023 entstehen

Im Herbst soll es schließlich einen geladenen Wettbewerb mit 15 Künstlerinnen und Künstlern zur permanenten Kontextualisierung geben. Organisiert wird er von der stadteigenen KÖR (Kunst im öffentlichen Raum). Die inhaltlichen Rahmenbedingungen werden derzeit von einer eigenen Kommission erarbeitet, deren Vorsitzende die Historikerin Heidemarie Uhl ist. Ebenfalls mit an Bord ist Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Des Weiteren werden die neue Leiterin des Jüdischen Museums Wien, Barbara Staudinger, und Mechtild Widrich (Department für Kunstgeschichte an der Universität für Angewandte Kunst in Wien) in dem Gremium sitzen.

Der beste Entwurf wird dann von einer internationalen Jury ausgewählt und im Frühjahr 2023 präsentiert. Bis auf die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann sind deren Mitglieder derzeit jedoch noch nicht bekannt. Im Herbst desselben Jahres soll schließlich das pemanente Kunstwerk aufgestellt werden. Für das ganze Projekt steht ein Budget von rund 500.000 Euro zur Verfügung.

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