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Kommentar
02/10/2020

Oscars: "Es fehlt etwas!" "Vaginas?"

Die Branche lachte bei der Gala die Sorgen weg, dass der Oscar irrelevant werden könnte.

von Georg Leyrer

Es gab keine Moderatoren bei der heurigen Oscar-Gala, ebensowenig wie eine Nominierung für eine Frau in der Kategorie "Beste Regie". Beides zusammen ergab den Gag des Abends: "Es fehlt etwas", sagte Steve Martin zur Einleitung. "Vaginas?", antwortete Chris Rock. Die versammelte Filmbranche durfte über sich selbst lachen, und ein bisschen die Sorge weglachen, dass die Oscars auf dem besten Weg sind, irrelevant zu werden.

Gegen diese Sorge arbeitete auch der Gewinner des Abends, vielleicht eher: Gewinnerchen. Denn der hervorragende Film "Parasite" schrieb zwar Geschichte - unter den vier Oscars für den südkoreanischen Film war der erste für den Besten Film, der an eine fremdsprachige Produktion ging. Und natürlich wird die Auszeichnung auch als Signal gelesen werden: Seht her, der prominenteste Oscar ging an.. nunja, andere halt. Dass Natalie Portman die Namen von Regisseurinnen am Revers trug, die hätten nominiert werden können, tut da gleich ein bisschen weniger weh.

Aber die Oscars sind insgesamt dann am besten, wenn es strahlende, alles überragende Sieger gibt. Heuer gab es stattdessen weit verbreitete Liebe für einige Stammgäste und einige Neue in Hollywood. Das heißt auch: Verdünnte Liebe.

Dass Renee Zellweger für "Judy" den Oscar bekam, war verdient - und auch ein Zeugnis dafür, dass Hollywood am liebsten rührselige Geschichten über sich selbst sieht. Das Gleiche - Nostalgie, diesmal aber mit Gewalt - gilt für Brad Pitt, der bester Nebendarsteller in "Once upon a time ... in Hollywood" wurde.

Über die größere Hürde traute man sich in Summe nicht drüber: Das brutale Bild vom irren weißen Mann, das Joaquin Phoenix im "Joker" zeichnete, war meistnominiert - und wurde unter Wert geschlagen. Der Hauptdarsteller-Oscar an Phoenix war höchstverdient.

Dass auch Netflix trotz Millionensummen für Oscar-Werbung weit unter Wert geschlagen wurde (insbesondere mit "Irishman"), zeigt auch den Widerstand in der Branche gegen die Streamingkonkurrenz. Wie lange der aufrecht zu erhalten sein wird, ist vielleicht die spannendste Frage der nächsten Jahre.

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