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Kultur
02/10/2020

Oscar-Überraschung: "Parasite" ist bester Film

In Los Angeles wurden am Sonntag zum 92. Mal der begehrte Filmpreis vergeben.

Der Wettergott war den Filmsternen nicht gnädig: Im strömenden Regen hat die Glamourgala begonnen. Dank Überdachung des traditionellen Defilees auf dem roten Teppich konnten die Stars des Abends aber dennoch trockenen Fußes das Dolby Theatre von Hollywood erreichen. Musikerin Billie Eilish hatte dafür zum weißen Chanel-Mantel gegriffen, Sigourney Weaver zur dunkelgrünen Abendrobe.

Hollywoods Regie-Enfant-Terrible, Spike Lee, zollte dem jüngst bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen Basketballstar Kobe Bryant seinen Respekt, indem er dessen Trikotnummer "24" in Gold auf seinem Frack trug. Julia Butters, die zehnjährige Darstellerin aus Tarantinos "Once Upon A Time... In Hollywood", hatte sich indes für Pink als Farbe des Abends entschieden.

Ein Aufmarsch der Stars dominierte nun auch die eigentliche Oscar-Gala, zumal bei der 92. Ausgabe des Preises nun bereits zum zweiten Mal in Folge auf einen klassischen Gastgeber verzichtet wird. Stattdessen sollen viele Prominente als Präsentatoren bei der Bühnenshow für Glamour sorgen, darunter etwa Jane Fonda, Tom Hanks, Natalie Portman oder Rami Malek.

Bester Film

Zum Abschluss gab es bei der 92. Oscar-Gala doch noch einen Überraschungsknaller: Die südkoreanische Sozialsatire "Parasite" holte sich nach dem Auslandsoscar und den Preisen für Regisseur Bong Joon-ho sowie das Drehbuch auch die Königskategorie Bester Film. Damit wurde zum ersten Mal ein nicht-englischsprachiger Film in dieser Sparte gewürdigt.

So setzte "Parasite" sich mit insgesamt vier Preisen aus sechs Nominierungen auch an die Spitze des Gesamtfeldes. Der mit elf Nominierungen als Topfavorit in den Abend gegangene "Joker" von Todd Phillips musste sich mit den Auszeichnungen für den besten Hauptdarsteller (Joaquin Phoenix) und die beste Musik begnügen. Sogar völlig leer aus ging Martin Scorseses Mafiaepos "The Irishman".

 

Beste Schauspielerin

Judy Garland hat ihr Glück gebracht: US-Schauspielerin Renee Zellweger ist als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Die Trophäe erhielt die 50-Jährige für ihre Leistung in dem Biopic "Judy" über die Hollywoodlegende. Es ist Zellwegers zweiter Oscar, nachdem sie für "Unterwegs nach Cold Mountain" 2004 beste Nebendarstellerin wurde.

"Es war bereits eine Ehre, in Eurer Gesellschaft nominiert zu sein", richtete sie ihren Kolleginnen Cynthia Erivo, Scarlett Johansson, Saoirse Ronan und Charlize Theron aus. Die Arbeit an "Judy" sei eine "unglaublich besondere und bedeutende Erfahrung in meinem Leben" gewesen. "Dieses vergangene Jahr mit Gesprächen über Judy Garland war eine tolle Erinnerung daran, dass uns unsere Heldinnen und Helden vereinen. Wenn wir zu ihnen aufschauen, dann sind wir uns einig." Dabei sei es egal, ob es große Regisseure wie Martin Scorsese oder Feuerwehrmänner seien - all diese Persönlichkeiten würden die Menschheit zusammenführen.

Bester Schauspieler

Das war ein Sieg mit Ansage: Joaquin Phoenix ist für seine herausragende Leistung in Todd Phillips Comic-Psychoporträt "Joker" mit der Trophäe für den besten Schauspieler geehrt worden. "Die Ausdrucksmöglichkeit hat mir das außergewöhnlichste Leben ermöglicht", zeigte sich der 45-Jährige überwältigt von der Auszeichnung für seine Schauspielerei.

Zugleich nutzte Phoenix seine Dankesrede für einen allgemeinen Aufruf: "Wir sprechen über den Kampf gegen die Ungerechtigkeit." Viele Menschen seien weit von der Natur entfernt: "Viele von uns glauben, wir sind das Zentrum des Universums." Dabei sei der Mensch am besten, wenn er kreativ sei, Dinge und Systeme entwickle und seinem Mitmensch helfe. Bei seinen früheren Nominierungen für "Gladiator", "Walk The Line" und "The Master" war er jeweils leer ausgegangen. Phoenix, bekannt für seine Grenzgänger auf der Leinwand, setzte sich mit greller Schminke und einem schrillen Lachen gegen die Co-Nominierten Leonardo DiCaprio, Adam Driver, Antonio Banderas und Jonathan Pryce durch. Einen weiteren Sieg konnte der engagierte Veganer bereits im Vorfeld verbuchen: Der österreichische Starkoch Wolfgang Puck sorgte nicht zuletzt wegen Phoenix für ein 70 Prozent veganes Oscar-Menü für die 1.500 Galagäste.

 

Bester Regisseur

Der südkoreanische Filmemacher Bong Joon-ho wurde bei der 92. Oscar-Gala in Hollywood als bester Regisseur ausgezeichnet. Zuvor hatte er für die Sozialsatire "Parasite" bereits den Preis für das beste Originaldrehbuch sowie für den besten internationalen Film abgeräumt.
 

Nebendarstellerin

Bei ihrer dritten Nominierung als Schauspielerin konnte Laura Dern schließlich triumphieren: Sie setzte sich mit ihrer Interpretation einer überspannten Anwältin in Noah Baumbachs "Marriage Story" in der Sparte der Nebendarstellerinnen gegen die Konkurrenz durch.

"Man sagt: Triff nie deine Helden. Aber wenn man viel Glück hat, hat man sie als Eltern", bedankte sich die 53-jährige, die just am 10. Februar ihren Geburtstag feierte, bei ihren Schauspielereltern Bruce Dern und Diane Ladd. An ihren Regisseur gerichtet, sagte sie: "Danke Noah, für deine Vision, deine Magie und deine Worte."

 

Vierter Anlauf für Brad Pitt

Vier Anläufe hat er gebraucht, nun kann Hollywoodstar Brad Pitt endlich den Titel des Schauspiel-Oscargewinners tragen: Für seinen Part des Stuntman Cliff Booth in Quentin Tarantinos "Once Upon A Time... In Hollywood" holte sich der 56-Jährige gleich zum Auftakt der 92. Oscar-Gala in Hollywood die Trophäe der besten Nebendarsteller.

"Du bist originell, einzigartig, die Filmindustrie wäre ohne Dich ein sehr viel trauriger Ort", zollte Brad Pitt seinem Regisseur Tarantino Respekt für eine Arbeit, die ihm selbst den Schauspiel-Oscar einbrachte. Denn ganz oscar-los war der Filmmensch Pitt auch bis dato schon nicht - hatte er als Koproduzent des Sklavendramas "12 Years a Slave" doch 2014 in der Königskategorie Bester Film mittriumphiert.

 

Übersicht der Preisträger

Bester Film: "Parasite"
Beste Regie: Bong Joon-Ho ("Parasite")
Beste Hauptdarstellerin: Renee Zellweger ("Judy")
Bester Hauptdarsteller: Joaquin Phoenix ("Joker")
Beste Nebendarstellerin: Laura Dern ("Marriage Story")
Bester Nebendarsteller: Brad Pitt ("Once Upon A Time... In Hollywood")
Beste Kamera: "1917"
Bestes Original-Drehbuch: "Parasite"
Bestes Adaptiertes Drehbuch: "Jojo Rabbit"
Bester Internationaler Film: "Parasite"
Beste Musik: "Joker"
Bester Song: "Rocketman"
Bestes Kostümdesign: "Little Women"
Bestes Make-up: "Bombshell"
Beste Visuelle Effekte: "1917"
Bester Schnitt: "Ford v Ferrari" ("Le Mans 66 - Gegen jede Chance")
Bestes Szenenbild: "Once Upon A Time... In Hollywood"
Beste Tonmischung: "1917"
Bester Tonschnitt: "Ford v Ferrari" ("Le Mans 66 - Gegen jede Chance")
Beste Dokumentation: "American Factory"
Bester Animationsfilm: "Toy Story 4"
Bester Kurzfilm: "The Neighbors' Window"
Bester Animierter Kurzfilm: "Hair Love"
Bester Dokumentar-Kurzfilm: "Learning to Skateboard in a Warzone (If You're a Girl)"

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