Fritz Melchert ist als Executive Supervising Director beim Red Bull Media House ständig auf der Suche nach Verbesserungen

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Kultur Medien
05/22/2021

TV-Regie-Legende Melchert und die Formel1: „Auskennen sollte man sich schon“

Als Executive Supervising Director hat der Wiener ein Auge darauf, was auf ServusTV zu sehen ist (Sonntag, ab 13.30 Uhr)

von Christoph Silber

Die Königsklasse ist zurück im Fürstentum nach einer pandemie-bedingt einjährigen Pause. ServusTV überträgt erstmals den Formel 1-Grand-Prix von Monaco. Am heutigen Renntag startet die Übertragung um 13.30 Uhr, der Grand Prix um 15 Uhr.

Monte Carlo, das steht seit jeher als Synonym für Glanz und Glamour, es gilt als Ort der Reichen, der Schönen – und auch der Schnellen. „Ich war damals bei Gerhard Berger zu Besuch“, erinnert sich Fritz Melchert. „Als es geläutet hat, hab‘ ich geöffnet und draußen stand Ayrton Senna, der im Stock darüber gewohnt und auf einen Sprung vorbei geschaut hat. Da wurde dann ganz normal und privat geredet – und später auch darüber geschwiegen“, schmunzelt er. „Eine solche Nähe mit den Stars des Rennsports ist heute leider fast unmöglich geworden.“

Großereignisse

Melchert, der einst beim großen Axel Corti studierte, ist als TV-Regisseur vieler Sport-Großereignisse wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften sowie von Rennwochenden von Motorsport bis Ski legendär geworden. Als einer der ganz wenigen seiner Zunft, der oder die nicht aus dem Bereich Film, Serie oder Doku kommt, erhielt er für seine Arbeit u. a. eine goldene ROMY. Die Formel 1 zauberte er vor Ort für den ORF, aber auch für den damaligen F1-Boss Bernie Ecclestone und damit für die ganze Welt auf die Bildschirme. Heutzutage wird das Weltsignal remote im englischen Biggin Hill produziert.

Zeit, um in der Vergangenheit zu schwelgen, hat der gebürtige Wiener allerdings kaum. Als Executive Supervising Director beim Red Bull Media House hat er weiterhin sehr viel mit Sport zu tun. „Auf Wunsch von Didi Mateschitz ist es meine Aufgabe, mir sozusagen ständig alles dahingehend anzuschauen, wo weitere Verbesserungen möglich sind. Der Fokus liegt vor allem auf der Bild- und Film-Gestaltung. Wir wollen, dass es die besten Bilder bei Red Bull TV und bei ServusTV zu sehen gibt.“

Anspruch und Aufwand

Der Aufwand ist dem Anspruch folgend entsprechend groß – nicht nur bei der heurigen Premiere im mondänen Monaco. Zentral für die Sportberichterstattung des Salzburger Senders ist das neue Studio, das bereits eine nächste Adaption erfährt (siehe Bericht unten). Denn mit der neuen Saison kommt von dort auch die Berichterstattung von Champions League und Europa League.

Es ist vor allem alles dunkel – Boden, Wände, Decke. Wenn keine Sendung ansteht, sieht das Formel 1-Studio von ServusTV aus wie eine sehr sauber gehaltene Lagerhalle, tatsächlich ist es aber ein Hort der modernsten Technik, die aktuell überhaupt auf dem Markt verfügbar ist. Mitten drin nehmen auch heute, Sonntag, wieder Andreas Gröbl und Nico Hülkenberg als Kommentatoren Platz.

„Für die Formel-1-Fans eröffnet dieses Studio neue Dimensionen“, sagte Designer Stuart Veech bei der Eröffnung. Möglich macht das der Einsatz von XR-Technologien (Extended Reality), worunter Augmented-, Mixed- und Virtual-Reality-Anwendungen fallen.  

Das   Studio umfasst  330 Quadratmeter  – die verbaute LED-Flächen beträgt 107 Quadratmeter. Fünf große und 7 kleinere Vidiwalls mit insgesamt 32 Ausspielwegen finden sich als Wände. Den oberen Abschluss bildet ein 40 Meter langes LED-Band, wo  Daten und Statistiken ausgespielt werden können. Auch der Boden ist komplett bespielbar.   

 

„Dieses neue Studio von Stuart Veech, der auch schon das Nachrichten-Studio für ServusTV konzipiert hat, ist von der Technologie dahinter eines der modernsten der Welt. Alles digital und von herausragender Qualität. Ich trau’ mich das zu beurteilen, ich haben zum Beispiel auch das ,ZiB’-Studio des ORF 2008 mitgestaltet. Auch ein tolles Studio“, sagt Melchert mit einem Augenzwinkern.

Allerdings, die Technik allein macht das TV-Erlebnis daheim nicht aus. „Als Regisseur muss man ein Rennen oder Spiel lesen können und es wäre nicht schlecht, wenn man sich auskennt, um mit entsprechenden Bildern und Grafiken die Kommentatoren zu unterstützen. Ich hab’ mich getraut, auch Duelle um den 10. Platz zu zeigen, nicht nur die Spitze, denn für die Piloten geht es immer um etwas.“

Respektabstand

Aber auch die Worte „Respektabstand“ und „Fingerspitzengefühl“ spielen eine große Rolle. „Man kann nicht einfach auf Großaufnahme gehen und draufhalten, wenn etwas passiert. Ich war ja 1994 bei Ratzenberger und Senna in Imola dabei – ich möchte gar nicht daran denken, so furchtbar wie das war“, sagt Melchert, der einige Freunde aus dem Motorsport verlor.

Lieber erinnert er sich an eine andere Szene, die um die Welt ging – Louis van Gaals Karatesprung nach einem Foul beim Champions League-Finale 1995 zwischen Ajax und Milan in Wien „Dass wir in dem Moment die Super-Zeitlupen-Kamera auf ihn gerichtet hatten, da war auch Glück dabei. Aber das ist erarbeitet.“

Ein nächster sportlicher Höhepunkt für ServusTV und Red Bull wird das unverhoffte Grand-Prix-Double im Sommer in Spielberg. Melchert: „Zweimal Formel 1 und zweimal MotoGP, das zeigt die große internationale Anerkennung für die Arbeit, die hier im Vorjahr geleistet wurde und weiter wird.“

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