Stefanie Reinsperger als "Tatort"-Kommissarin

Ex-Buhlschaft Stefanie Reinsperger als "Tatort" Kommissarin Rosa Herzog in ihrem ersten Fall "Heile Welt" (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF2)

© WDR/Stephan Pick/ WDR/Stephan Pick

Interview
02/21/2021

Stefanie Reinsperger: "Ich wäre im echten Leben nicht gut im Ermitteln"

Die Schauspielerin im Gespräch über ihr Debüt als „Tatort“-Kommissarin (heute, 20.15 Uhr, ORF2), wie es ihr in der Pandemie ohne Theater geht und warum sie dankbar für ihre Rolle in „Maria Theresia“ war.

von Nina Oberbucher

Aktuell steht sie mit Manuel Rubey für einen neuen ORF-„Landkrimi“ vor der Kamera, heute Abend (20.15 Uhr, ORF2) ist Stefanie Reinsperger aber mit einem anderen Fall beschäftigt: Die gebürtige Badenerin und vormalige Buhlschaft hat als Rosa Herzog in „Heile Welt“ ihren ersten „Tatort“-Einsatz in Dortmund. Auch wenn sie gar nicht dort gedreht hat – pandemiebedingt musste man auf eine Anlage in Leverkusen ausweichen. 

KURIER: Wegen Corona konnte der neue "Tatort" nicht in Dortmund entstehen. Sie waren vor ein paar Jahren in Düsseldorf am Theater engagiert, Dortmund ist nicht so weit weg – also kennen Sie die Stadt vermutlich trotzdem schon?

Stefanie Reinsperger: Dachte ich auch, aber ich habe auch gelernt, dass man diese Aussage gar nicht erst ins Spiel bringen darf (lacht). Die Dortmunder sind, und das ist ja auch logisch, sehr stolz auf ihre Stadt. Im Ruhrpott gibt es schon große Unterschiede und ich muss mir Dortmund erst so richtig erarbeiten. Wir fangen nach Ostern an, den dritten Fall zu drehen – zwei haben wir ja schon abgeschlossen – und ich wünsche mir sehr, dass wir dann dort sein können. Ich kenne die Stadt sonst nur vom Vorbeifahren.

Wie ist denn Rosa Herzog, die neue Kommissarin in Dortmund?

Wir haben beim ersten Teil schon ein paar kleine Fährten gelegt bei dieser Figur. Sie hat schon einiges erlebt und nach und nach werden die Zuschauer hoffentlich auch mehr darüber erfahren. Was ich cool finde, ist, dass sie verdammt gut in ihrem Beruf ist. Sie kann Mikroexpressionen lesen, was dazu führt, dass sie Menschen ununterbrochen beobachtet und nach Hinweisen sucht, die ihr irgendwie weiterhelfen können. Das ist für ihre Arbeit toll, privat aber auch ein bisschen anstrengend, wenn man die ganze Zeit am Beobachten ist. Und sie hat eine offene Art und bringt dadurch eine andere Energie in dieses Dortmunder Team.

Wenn man neu zum „Tatort“ kommt, steht die Figur dann bereits fest oder entwickelt man die mit?

Bei mir war es so, dass es ein Casting gab mit einer angelegten Rolle und einem kleinen Steckbrief. Aber wenn man dann zu drehen beginnt, ist das schon etwas, was im Dialog mit der Redaktion und dem Regisseur entsteht. Sebastian Ko (Regisseur, Anm.) ist der erste, der mit mir diese Rosa zum Leben erweckt hat und da hatten wir auf jeden Fall alle Freiheiten. Das finde ich auch spannend am „Tatort“, dass man immer wieder neue Regisseure hat, aber du bleibst in deiner Rolle, du musst sie bei dir haben und kannst sie aber auch weiterentwickeln.

Sie haben mal in einem Interview erzählt, der „Tatort“ habe in Deutschland eine andere Bedeutung als in Österreich. Gibt es da wirklich so einen Unterschied?

Ich hatte mein erstes Engagement als Schauspielerin ja in Düsseldorf und kann mich erinnern, dass es sehr schwierig war, Menschen zu finden, die Sonntagabend mal was mit mir machen wollten, weil sehr viele „Tatort“ schauen (lacht). Wenn ich darüber rede, kommt mir das vor, wie aus einer anderen Welt, weil seit einem Jahr eh gar nix geht. Aber ich weiß, dass es Bars gab, wo am Sonntag der „Tatort“ gezeigt wurde, man sich mit einem Bierchen hingesetzt und teilweise auch mit total fremden Leuten den Krimi im Lokal geschaut hat. Auch in Berlin ist es passiert, wenn man in eine Theaterkantine gegangen ist, dass der Kantinenchef dann irgendwie meinte: „Haste gestern ,Tatort‘ geguckt? Ich wusste doch sofort, dass es der und der war.“ Ich habe aber auch schon lange nicht mehr in Österreich gelebt, ich weiß nicht, ob das hier nicht vielleicht auch so ist.  

Stefanie Reinsperger wurde 1988 in Baden geboren und studierte am Max-Reinhardt-Seminar. Sie hatte Engagements am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Wiener Burgtheater, am Volkstheater und ist aktuell Mitglied des Berliner Ensembles. Zwei Sommer lang war sie die Buhlschaft im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen. Im Fernsehen hatte sie u. a. Rollen in "Braunschlag", in der "Landkrimi"-Reihe und im TV-Mehrteiler "Maria Theresia". 

In Ihrem ersten Fall geht es am Rande auch um die Folgen von Corona. Man sieht einen Unternehmer, der in seinem geschlossenen Geschäftslokal lebt. Was glauben Sie, wie die Welt nach Corona aussieht?

Was mir da wichtig ist, zu betonen: Als Künstlerin bin ich sauer. Ich bin frustriert, dass Kunst und Kultur in der öffentlichen politischen Debatte nicht vorkommen. Und da kann ich aus einer sehr privilegierten Position sprechen, weil ich angestellt bin. Aber ich sehe seit einem Jahr Existenzen zugrunde gehen und keine Perspektive für freischaffende Schauspieler. Es wird Kinos und Theater geben, die nicht überleben werden. Wie schnell man abgeschafft und für nicht systemrelevant erklärt wird, ist schon sehr hart. Das ist unser Beruf und wir müssen damit auch Geld verdienen, unsere Familien ernähren und unsere Mieten bezahlen – Sie sehen, ich werde sehr emotional, weil mich das wirklich ärgert!

Was würden Sie sich aktuell denn konkret erwarten?

Wie gesagt, ich bin drei Mal abgesichert und gesegnet, weil ich in Kurzarbeit bin, aber für meine freischaffenden Kollegen braucht es andere Ausgleichszahlungen. Und die Theater brauchen eine Perspektive. Du kannst nicht zwei Wochen vorher sagen: „Ihr dürft jetzt aufmachen.“ Ein Monatsspielplan wird viele Wochen im Voraus gemacht, ein Opernspielplan steht Jahre davor. Man muss mit uns anders in Dialog treten und uns ermöglichen, wieder zu spielen. Die Theater haben sich viele tolle Sicherheitskonzepte überlegt und viel Geld investiert. Ich fühle mich in jedem Theaterraum sicherer als in einem Flugzeug, das bummvoll ist. Wenn wir Skifahren gehen können, dann dürfen wir bitte auch Theater spielen!

Aber glauben Sie, wird es jemals wieder wie früher? Wird man überhaupt noch Lust haben, neben fremden Menschen zu sitzen, wo man mittlerweile so verinnerlicht hat, dass es Aerosole und Viren und Bakterien gibt?

Ich glaube schon. Im Flugzeug und im Zug ist das auch kein Problem für die Leute, da wird auch jeder Sitzplatz verkauft. Vielleicht können dann halt nicht 10.000 auf ein Konzert, sondern erst mal weniger, aber ich habe schon das Gefühl, je länger das dauert, desto mehr wächst die Sehnsucht danach. Ich habe das auch im September gemerkt: Kaum waren die Theater offen, waren die Plätze, die wir hatten, alle weg. Wir werden einfach lernen, etwas anders miteinander umzugehen, aber ich finde das auch ganz toll, dass sich jetzt alle Leute die Hände waschen, wenn sie auf der Toilette waren. Das ist doch eine gute Sache (schmunzelt).

Sie können mit dem Berliner Ensemble gerade auch nicht auftreten. Wie geht es Ihnen damit?

Wir haben im November ein Stück geprobt, „Schwarzwasser“ von Elfriede Jelinek, und konnten es nicht zeigen. Bei einer Premiere fällt viel Druck ab. Das haben wir gerade nicht und trotzdem muss ich dieses Stück jetzt ein dreiviertel Jahr in meinem Hirn und Herz aufbewahren, weil wir erst dann wieder spielen können. Das ist ein bisschen wie Herzschmerz. Da fehlt etwas und es gibt nichts, was das gerade wieder gutmacht. Aber ich bin gleichzeitig auch sehr glücklich, dass ich in dieser Zeit drehen und wenigstens so spielen darf.

Wenn man in Filmen oder Serien Menschen sieht, die nah beieinander stehen oder sich umarmen, zuckt man innerlich mittlerweile kurz zusammen. Wie ist das denn beim Drehen?

Urschön! (lacht) Man weiß, dass man das privat nicht machen kann und deshalb ist es umso schöner, wenn man es spielen kann. Aber mir geht es auch so, wenn ich Filme sehe und dann gibt es zum Beispiel eine Flasche, die herumgereicht wird und aus der alle trinken, dann sitze ich davor und denke mir nur: Oh Gott! (lacht) Aber ich hoffe, die Zuschauer wissen, wenn sie jetzt solche Szenen in neuen Filmen sehen, dann nur, weil alle getestet sind. Und ich freue ich mich auch, so etwas zu sehen, weil es mich hoffen lässt, dass wir das irgendwann wieder haben dürfen.

Sie drehen zurzeit einen neuen „Landkrimi“. Nach „Braunschlag“, „How To Sell Drugs Online (Fast)“ und dem „Tatort“ ermitteln Sie erneut. Haben Sie da eine Vorliebe, ist das Zufall oder zeigt das einfach, wie beliebt Krimis sind?

Ich glaube, es gibt zum einen sehr viele Krimi-Formate, aber das andere ist auch: Man spielt einmal so etwas – und bei „Braunschlag“ war ich sehr jung – und dann stellen sich Menschen dich immer wieder so vor. Es ist manchmal auch schwierig, sich davon zu befreien. Deswegen war ich wahnsinnig dankbar, dass ich so etwas wie „Maria Theresia“ machen durfte. Ich habe schon auch Sachen gehört wie: „Ich hab’ mir gar nicht vorstellen können, dass du was anderes auch bist als eine Polizistin.“ Aber ich bin ja Schauspielerin und keine Polizistin. Zu dem Beruf gehört ja die Verwandlung. Gleichzeitig ist es für mich persönlich sehr lustig, weil ich denke, ich wäre im echten Leben überhaupt nicht gut im Ermitteln. Ich glaube immer an das Gute im Menschen und das würde mir da sicher im Wege stehen (lacht).

Und gibt es Parallelen zwischen Rosa Herzog aus dem "Tatort" und Franziska Heilmayr aus dem "Landkrimi"?

Die eine ist Postenkommandantin und die andere Kommissarin – das ist schon etwas sehr anderes, alleine von der Hierarchie und der Ausführungsgewalt her. Die Rosa Herzog ist viel tougher als die Franziska Heilmayr. Die Franziska ermittelt sehr aus dem Bauch heraus und nach Gefühl, die Rosa ist viel analytischer und klarer. Aber das so unterschiedlich anzulegen, macht Spaß.

Das Team

Heute (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF2) ist Stefanie Reinsperger in „Heile Welt“ zum ersten Mal als Rosa Herzog im „Tatort“ zu sehen. Sie gehört nun neben Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt) und Jan Pawlak (Rick Okon) zum Dortmunder Team

Der Fall

Nach einem Brand in einer Hochhaussiedlung wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Ermittlungen in dem Fall werden von Fake News und Rassismusvorwürfen gegen die Polizei überschattet

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