Die neue Serie "Tiger King" ist bei Netflix zum Streamen verfügbar.

© Courtesy of NETFLIX/Netflix

Kultur Medien
04/02/2020

Serien gegen die Langeweile: "Tiger King", "Westworld" und "Tales from the Loop"

Die wohl schrägste Doku-Serie auf Netflix und zwei Ausflüge in die Science Fiction. Unsere Streaming-Tipps.

von Nina Oberbucher, Marco Weise

Die neue Lieblingsserie schon wieder durchgebingt? Der KURIER hat drei neue Serien-Empfehlungen. 

"Tiger King": Zwischen Wahnsinn und Wahrheit

Manche Streaming-Neuheiten gehen fast spurlos an einem vorüber, bis das Internet scheinbar von einem Tag auf den anderen mit Posts und Memes übergeht. Bei „Tiger King“ kann man sich immerhin auf den sperrigen deutschen Titel „Großkatzen und ihre Raubtiere“ herausreden, sollte man den Hype bisher verschlafen haben. 

Die schräge Doku-Serie auf Netflix erzählt in sieben Folgen von Joe Exotic, dem ehemaligen Betreiber eines Parks für Großkatzen aus den USA, der aktuell im Gefängnis sitzt: Er soll einen Auftragsmörder auf seine Erzfeindin, die Tierschützerin Carole Baskin, angesetzt haben. Der Zoo, den Joe Exotic führte, ist ein mehr als fragwürdiges Unternehmen, und Baskin hatte ihn wegen Tierquälerei im Visier. 

Doch im Laufe der Serie lernt man nicht nur die teils exzentrischen, teils erschreckenden Seiten des Vokuhila tragenden Joe Exotic kennen: Er hat zwei Ehemänner gleichzeitig, trägt immer eine Schusswaffe und schickt ihm unliebsamen Zeitgenossen schon mal ein Paket mit Schlangen. Als Warnung.

Auch über Tierschützerin Baskin erfährt man einiges: Sie soll einen ihrer Ehemänner an Tiger verfüttert haben.

Bald weiß man nicht mehr, wer hier eigentlich die Wahrheit erzählt. Sicher ist nur, dass man es mit einigen traurigen Existenzen zu tun hat. Über deren Darstellung kann man diskutieren, Suchtpotenzial hat die Serie allemal. (Nina Oberbucher)

Info: "Tiger King" ist bei Netflix zu sehen

"Westworld": Roboterfrau auf Rachefeldzug

Alle, die noch nicht den Überblick über die Handlung von „Westworld“ verloren haben, können weiterrätseln: Die dritte Staffel ist nun bei Sky verfügbar. 

Stark verkürzt zusammengefasst: In der ersten Staffel von "Westworld" ging es um den Kampf Mensch gegen Maschine. In der zweiten Staffel drehten die vom Menschen geschaffenen und programmierten Roboter, die sogenannten Hosts, den Spieß langsam um. Sie konnten sich auf einmal erinnern, hatten Gefühle, entwickelten ein Eigenleben und bekämpften zunehmend auf sehr brutale Weise das, was sie kontrollierte – den Besucher des Freizeitparks "Westworld". 

Als Anführerin dieser Rebellion gilt Dolores (großartig: Evan Rachel Wood), die als zunehmend skrupelloses Cowgirl auf der Suche nach Rache ist Und diese findest sie anscheinend nur in der "echten Welt". Mit "echter Welt" ist bei der von Jonathan Nolan und Lisa Joy produzierten HBO-Serie, die auf einen gleichnamigen Film von Michael Chrichton basiert, die Zukunft gemeint – oder eben das, was sich viele aus heutiger Sicht darunter vorstellen. In dieser Zukunft arbeiten Roboter und Menschen Seite an Seite. Sie sind Verbündete, keine Gegner.

Angesiedelt ist die neue, dritte Staffel im futuristischen Los Angeles – als Kulisse diente unter anderem Singapur. Dort startet Dolores die Fortsetzung ihres Rachefeldzugs. Dabei wird sie aber von menschlichen Begegnungen gebremst. Sie erkennt nämlich, dass nicht alle Menschen blutrünstige Egomanen sind, wie sie es vom Freizeitpark gewohnt war. So etwa der traumatisierte Kriegsveteran und Bauarbeiter Caleb (Aaron Paul).

Laut den Serienschöpfern gibt es in der dritten Staffel deutlich weniger Rätsel, Geheimnisse und unterschiedlichen Zeitebenen. Das heißt aber nicht, dass die neuen, acht Episoden weniger fordernd sind. Und auch weniger Fragen aufwerfen. Aber die nimmt man gerne in Kauf. Denn die Bilder, die einem "Westworld" liefert, sind fantastisch, die Dialoge spielen sich auf einem durchgehend hohen Niveau ab – sie sind teils poetisch, teils theologisch. Und kaum eine andere Serie schafft es zurzeit besser und spannender, die möglichen Folgen der Digitalisierung und Roboterisierung zu thematisieren. (Marco Weise)

Info: Ab 30. März, immer montags um 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD. Parallel ist "Westworld" auf Sky X und Sky Q auf Abruf verfügbar. Wöchentlich eine Episode. Für Neueinsteiger stehen die Staffeln eins und zwei ebenfalls zum Abruf bereit

"Tales from the Loop": Versehentlich in einer anderen Welt

Roboter spazieren durch den Wald, Transportschiffe fliegen über eine Wohnsiedlung: Diese (und andere) Bilder des schwedischen Künstlers Simon Stålenhag dienten als Vorlage für die ungewöhnliche neue Science-Fiction-Serie „Tales from the Loop“ (ab Freitag bei Amazon Prime Video zu sehen).

In den acht Folgen geht es um eine US-Kleinstadt, deren Alltag vom „Loop“ bestimmt wird – einer mysteriösen Forschungseinrichtung unter der Erde. Alle Folgen erzählen vom Leben der Menschen in dieser Stadt, hängen jedoch nur lose zusammen. Der KURIER konnte vorab drei Episoden sehen, die sehr unterschiedlich ausfallen.

In der Auftaktfolge sucht ein Mädchen seine spurlos verschwundene Mutter und findet sich in einer Zeitschleife wieder. Man fühlt sich hier stark an die Netflix-Serie „Dark“ erinnert. Eine andere Episode handelt von einem todkranken Großvater und seinem Enkel – eine äußerst traurige Geschichte, in der leider vor lauter pathetischen Bildern nur noch wenig Platz für Handlung bleibt.

Die beste der drei Folgen ist zweifelsohne jene über den einsamen „Loop“-Wachmann Gaddis (Ato Essandoh, Bild). Der reist mit einem schwebenden Traktor versehentlich in eine Parallelwelt, in der er auf sich selbst trifft. Sein Alter Ego ist in einer Beziehung mit einem gut aussehenden Mann, den Gaddis heimlich verehrt. Eine teils verstörende Dreiecksbeziehung bahnt sich an, die gerade deshalb so spannend ist, weil sich das Genre der Serie nicht ganz greifen lässt und man als Zuseher nicht weiß, wohin die Reise geht.

Bis auf den schwebenden Traktor sieht man in dieser Episode aber kaum Science-Fiction-Elemente. „Tales from the Loop“ spielt in einer Zukunft, die aussieht wie die 80er-Jahre, die Serie interessiert sich aber mehr für die Menschen als für die Maschinen. Wie in den Bildern aus der Vorlage ist die Technologie zwar da, aber nicht das bestimmende Element. Die Bilder sind wunderschön, dasselbe gilt auch für den Soundtrack. Ein wenig mehr Tempo hätte der Serie aber nicht geschadet. (Nina Oberbucher)

Info: "Tales from the Loop" ist ab Freitag bei Amazon Prime Video zu sehen

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