Disney+ ist da. Das heißt: Willkommen in Österreich, Baby Yoda!

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Kultur Medien
03/24/2020

Disney+ ist da: Das kann der Streamingdienst (und das nicht)

In der Nacht auf Dienstag ging der Dienst online. Der KURIER gibt den Überblick, ob er sich für Sie lohnen könnte.

von Philipp Wilhelmer

Es ist also so weit: In der Nacht auf heute ist Disney+ auch in Österreich online gegangen. Was kann der Netflix-Konkurrent? KURIER-Medienredakteur Philipp Wilhelmer hat sich durch das Angebot geklickt und gibt Ratschläge, ob sich die 5,99 im Monat für einen zusätzlichen oder alternativen Streamingdienst lohnen.

Wir haben vier Kriterien herangezogen: Inhalte, Benutzerfreundlichkeit, Kindertauglichkeit und Preis. Zum Schluss gibt es ein Fazit.

Kriterium 1: Die Inhalte

Disney hat Marvel, Disney hat Pixar, Disney hat Baby Yoda, Disney hat …Disney. Der Rechtekatalog des Konzerns mit den Mausohren ist schier endlos. Das älteste Stück Inhalt ist schlanke 92 Jahre alt: Wie wäre es etwa mit dem allerersten Mickey-Mouse-Tonfilm von 1928? Die schwarz-weiße Maus unter der Regie von Walt Disney setzte damals Standards, die Sehgewohnheiten veränderten.

Oder den "Simpsons"? Oder, oder oder. Einen Vormittag mit Disney+ zu verbringen, lässt einen Schluss zu: Es gibt vor allem viel. Und zwar von allem.

Allerdings, und das ist der größte Unterschied zu Netflix und Amazons Prime Video: Hier herrscht vor allem Videotheken-Feeling. Die Kinohits der vergangenen Jahre liegen im Regal, bereit dazu, auf dem Flatscreen mit einer Packung Chips konsumiert zu werden. Die bestehenden Streaming-Player am Feld haben sich hingegen schon lange auf eine modernere Erzählfarbe konzentriert. Lange, horizontale Erzählungen, die Bespielung von Nischen, randständige und „coole“ Dokus: Hier ist Netflix die Waffe der Wahl, gefolgt von Prime Video. Wer Blockbuster mag und auch gerne 90er-Jahre-Filme wieder sehen möchte: Willkommen bei Disney+, Sie sind hier goldrichtig. Machen Sie es sich gemütlich.

Kriterium 2: Die Usability

Disney+ ist kein Technologiekonzern und stammt im Gegensatz zu Netflix und Amazon nicht aus dem Silicon Valley. Man hat sich diesen Umstand aber offenkundig zunutze gemacht, indem kopiert wurde, was sich bei der Konkurrenz bewährt hat. Wo? Nun ja, wer Netflix kennt, wird sich hier blind zurecht finden. Das Raster ist ident, die Kategorisierungen wecken starke Erinnerungen und die Inhalte stehen für den Fall eines WLAN-Blackouts (oder bei den derzeit gecancelten Flugreisen) auch bei Disney+ zum Download zur Verfügung.

Einzig die Suchfunktion kann mit jener von Netflix nicht annähernd mithalten. Wer etwa „James Bond“ sucht, bekommt einfach die Meldung, dass der Film nicht verfügbar ist, anstelle von Alternativ-Vorschlägen. Wer den Originaltitel „Frozen“  statt „Eiskönigin“ sucht, hat ebenfalls Pech. Netflix bleibt also Usability-King. Apps sind natürlich auch für Disney+ verfügbar.

Kriterium 3: Die Kinderfreundlichkeit

Um die größte potenzielle Enttäuschung gleich im Vorfeld auszuräumen: „Eiskönigin 2“ ist nicht auf Disney+ verfügbar. „Aufgrund bestehender Vereinbarungen ist dieser Titel erst am 24. Juli 2020 verfügbar“. Bei aufrechten Verträgen kann auch Disney nicht zaubern.

Ansonsten: Es gibt alles, was Mausohren trägt: Den Disney-Channel, "Miraculous", "Nemo", "High School Musical"… Die Kids-Section kann sich sehen lassen. Und: Disney-Filme haben die wunderbare Eigenschaft, dass sie für Kinder unterhaltsam sind, für Erwachsene aber dennoch konsumierbar. Vieles ist sogar sehr lustig. Und wie bei Netflix gibt es eigene Userprofile für Kinder, in dem sich der Nachwuchs frei bewegen kann, ohne auf problematische Inhalte zu stoßen.

 

Kriterium 4: Der Preis

Disney + hat mit einem Frühbucher-Rabatt gelockt, der um einen Euro verbilligt war. Wer sich nicht sicher ist, kann sieben Tage gratis testen, danach fallen 6,99 Euro pro Monat an, die monatlich kündigbar sind. Wer ein Jahresabo nimmt, bekommt einen Nachlass von 12 Prozent und zahlt nur 69,99 Euro. Derzeit neben Prime Video (jährlich 69 Euro) das günstigste Angebot am Markt. Gemessen an den Inhalten ist es das attraktivste. Zum Vergleich: Netflix kostet derzeit 7,99 Euro in der günstigsten Variante, die teuerste kommt auf 15,99 Euro. Apple TV+ ist billiger (4,99 Euro im Monat) aber bietet weniger Inhalte.

Fazit: Man kann nicht viel falschmachen

Wer sich nicht sicher ist, ob er oder sie 5,99 Euro im Monat zusätzlich ausgeben kann oder möchte, kann zumindest den Gratistest wagen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Für alle anderen gilt: Man kann hier nicht viel falsch machen. Und eigentlich ist Disney+ ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

Bonus:

Wer es bis hier im Text geschafft hat, bekommt eine letzte Entscheidungshilfe. Hier ist der Trailer zu Disney+: