Peter Rapp im Interview

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Kultur Medien
02/22/2020

Peter Rapp: "Ich bin kein Nostalgie-Freak"

Der Moderator über seine Karriere, Streaming-Tipps und die neue Sendung „Als wäre es gestern gewesen“ (22.10, ORF2).

von Nina Oberbucher

Ende 2018 lief die letzte Ausgabe der „Brieflos-Show“ im ORF, womit sich auch TV-Urgestein Peter Rapp in den Ruhestand verabschiedete – zumindest teilweise. Seitdem war er in unregelmäßigen Abständen in ORFIII zu sehen und moderierte auch für Quipp, die Handy-Quiz-App von Puls4.

„Aber das müssen junge Leute machen“, erzählt Rapp im Gespräch mit dem KURIER, und holt wie zum Beweis sein altes Tastenhandy aus der Manteltasche: „Der Sido hat einen Lachkrampf bekommen, als ich ihm das gezeigt habe“, berichtet der 76-Jährige schmunzelnd.

Nun ist Rapp aber ohnehin wieder auf dem großen Bildschirm zu sehen. Am heutigen Samstag führt er – gemeinsam mit Redakteur Johannes Hoppe – durch „Als wäre es gestern gewesen“ (22.10 Uhr, ORF2), blickt auf die Highlights seiner Karriere und Sternstunden des Fernsehens zurück.

KURIER: Herr Rapp, wie sieht denn Ihr Alltag seit dem Ende der „Brieflos-Show“ aus?

Peter Rapp: Der Alltag orientiert sich in erster Linie an meinem Hund, den ich aus der Tötung in Budapest geholt habe. Dadurch gehe ich jetzt jeden Tag mindestens eine Stunde in der Donau-Au spazieren und ich wollte mich eigentlich auf den Ruhestand einrichten, mit Nachmittagsschlaferl und den üblichen Blödheiten. Aber es ist sich noch nicht ganz ausgegangen und natürlich ist das jetzt eine Herausforderung.

Sie haben in Interviews von sich gesagt, dass Sie kein nostalgischer Mensch sind. Warum dann jetzt diese Sendung?

Ich hab’ gesagt, ich bin keiner, der in der Vergangenheit lebt – was aber nicht heißt, dass ich nicht immer wieder von früher erzähle. Wenn ich von den Anfängen des Fernsehens berichte, ist das, wie wenn mein Großvater vom Ersten Weltkrieg erzählt hat. Also ich bin kein Nostalgie-Freak.

Sind bei der Recherche Dinge zutage gefördert worden, die überraschend für Sie waren?

Für mich nicht, ich kenne das ja alles. Der Spaß kommt aber wieder hoch. In einer Sendung haben der fantastische Pierre Brice und ich so einen Lachanfall bekommen, daran konnte ich mich mit Freuden erinnern. Für den WDR habe ich auch einmal eine Sendung gemacht, die hieß „Telezirkus“. Da hatte der Regisseur die Idee, dass ich mich an eine Holzwand stelle, während der Artist Messer auf mich wirft. Das haben wir live übertragen. Wenn diese Dinge wieder auftauchen, ist das schon großartig.

War das Fernsehen früher besser?

Anders. Es hatte mehr Möglichkeiten und es war schön, weil es in der Entwicklungsphase war. Da war man noch richtig kreativ. Gerade der ORF hat für den deutschsprachigen Raum sehr viel an Unterhaltung entwickelt. Unser „Club 2“ war maßgeblich für deutsche Talkshows. Es war ja auch noch Geld für alles da, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Wir waren in einer Aufbruchstimmung, es war alles neu.

Die Aufbruchstimmung ist jetzt bei YouTube und Streamingdiensten. Nutzen Sie die?

Ich schaue mir viel auf YouTube an, ich hab’ Amazon, ich hab’ Netflix. Zum Teil schaue ich mir alte Filme an und ich suche immer wieder nach guten Serien, die mich fesseln. „The Morning Show“ mit Aniston und Witherspoon ist zum Beispiel eine gute Angelegenheit.

Und schauen Sie noch klassisch fern?

Ja, hin und wieder. Aber nicht mehr so wie früher. Bitte, zu meiner Zeit gab es zwei Fernsehprogramme, sonst nix. Kein Internet, nix. Da war es halt noch möglich, dass ich mit meiner Sendung „Hoppala“ 3,6 Millionen Zuschauer hatte. Das waren Zeiten, denen weine ich nach!

Welche Quotenvorstellungen haben Sie für Ihre Sendung ?

Man hat gemeint, man wäre so mit 200.000 zufrieden, um diese Uhrzeit. Ich hätte gerne mehr, wenn es leicht geht.

Frank Elstner hat einmal gesagt, Samstagabend-Shows seien für ihn die Hölle gewesen, weil er so nervös war. Wie war das bei Ihnen?

Ich habe mit dem Frank gerne und viel gearbeitet. Seinerzeit habe ich für die Entwicklung der Sendung „Tele-As“ fast bei ihm in der Finca auf Mallorca gewohnt, da haben wir gemeinsam daran gearbeitet. Aber ich muss eine genetische Störung haben: So etwas wie Nervosität oder Lampenfieber kannte ich nicht. Will ich auch nicht kennenlernen.

Hatten Sie nie genug vom Fernsehen?

Nein, nie. Es hat immer Spaß gemacht, es war immer pures Vergnügen. Ich hab’ ja auch bei „Wetten, dass..?“ eine Außenstelle moderiert, da haben sie bei einer Fahrt durch eine Halle einen Wagen auf zwei Räder gekippt und während der Fahrt einen Reifen gewechselt. Das sind besondere Momente.

Und sind schon andere Projekte in der Pipeline?

Das jetzt macht großen Spaß und wenn das was wird, können wir es etliche Jahre machen. Aber sonst muss ich nicht wieder aktiv einsteigen.

Info: „Als wäre es gestern gewesen“ (Samstag, 22.10 Uhr, ORF2). Peter Rapp präsentiert mit Unterstützung von Johannes Hoppe TV-Ausschnitte, Archivschätze, Kostüme und Requisiten aus den Sternstunden des Fernsehens. Bei Erfolg soll es weitere Ausgaben geben.

57 Jahre ist Peter Rapps erster Auftritt im Fernsehen her: 1963 hatte er sein TV-Debüt in der von Willy Kralik moderierten Sendung „Teenagerparty“. Mehr als 5.500 Sendungen hat Rapp moderiert. Der 76-Jährige präsentierte unter anderem "Spotlight", "Babbelgamm", "Wurlitzer", "Licht ins Dunkel", "Die große Chance" und "Brieflos-Show". 1 Woche lang hat sich Johannes Hoppe für die Sendung "Als wäre es gestern gewesen" zusammengerechnet Archiv-Material angesehen.