Barbara Karlich mit Gast Erik Schinegger in der Jubiläumsshow

© ORF/ORF/Roman Zach-Kiesling

Interview
10/13/2019

Barbara Karlich über 20 Jahre Talkshow: "Warum soll das fad werden?"

Moderatorin Barbara Karlich im Gespräch über das Sendungsjubiläum, Beziehungen, Scripts und junge Autogrammjäger.

von Nina Oberbucher

Arbeit, Geld, Sport, Esoterik und natürlich die Liebe – über diese und andere Themen diskutiert Barbara Karlich seit 20 Jahren mit den Gästen ihrer täglichen Talkshow. Das Interview zum Jubiläum ihrer Sendung.

KURIER: Bekommen Sie im Alltag von Ihren Mitmenschen oft private Dinge zu hören, die Sie vielleicht gar nicht wissen wollten?

Barbara Karlich: Hören tu’ ich eigentlich alles gerne, weil ich aus allen Geschichten und Erzählungen der Menschen etwas lerne. Ich sehe auch die „Karlich Show“ als Lebensschule. Aber es ist tatsächlich so, dass man mir oft Sachen erzählt, die ich gar nicht erfrage. Ich weiß nicht, woher das kommt – ist es ein Urvertrauen oder liegt es daran, dass die Leute mich jeden Tag in ihrem Wohnzimmer sehen? Wurscht, wo ich hinkomme – ob das die Sprechstundenhilfe beim Arzt ist, der Taxifahrer oder die Garderobiere in der Oper – ich habe in kürzester Zeit die Lebensgeschichte gehört (lacht).

Ihre Sendung ist die am längsten laufende Talkshow im deutschsprachigen Raum.

Das liegt nicht an mir alleine. Man muss sich die „Karlich Show“ wie ein Räderwerk vorstellen und da spielen ganz viele Rädchen mit von der Chefredakteurin über die Sendeverantwortliche und die Redakteure bis zu den Kameraleuten. Ich glaube, dass die „Karlich Showr sehr viele Menschen auch das Fenster zur Welt ist. Diese Menschen kommen vielleicht nicht raus und erfahren so, was es sonst noch gibt. Bei mir sieht man nie den erhobenen Zeigefinger und wir behandeln niemanden von oben herab. Vielleicht bin ich einfach ein Teil dieser Menschen, ich lebe, weine, leide und lache mit ihnen mit.

Andere Talkshows im deutschsprachigen Raum sind mittlerweile verschwunden. Warum hat Ihre Show überlebt?

Man konnte die „Karlich Show“ nie mit anderen Talkshows vergleichen. Grund ist sicher auch, dass wir immer alle Menschen gezeigt haben und nicht nur eine gewisse Klientel. Wir gehen auch sehr respektvoll mit den Gästen um und natürlich spielen die Themen eine Rolle. Hierzulande war eigentlich nur die „Karlich Show“ eine typische Talkshow. Die Shows in Deutschland haben ja teilweise schon um 10 Uhr vormittags angefangen und erst spätabends wieder aufgehört. Ich habe auch gehört, dass viele Scripts verwendeten – etwas, was mir nicht liegt, ich will keine Sprechpuppe sein, die ihren Text aufsagt.

Talkshows haftet ja im Allgemeinen ein Ruf des Voyeuristischen an.

Da kann ich nur sagen: Wer 10 Mal die „Karlich Show“ sieht, weiß, dass das bei uns nicht so ist. Ich finde es auch amüsant, dass sich Menschen, die sagen, sie könnten sich meine Sendung einfach nicht anschauen, schnell verraten, denn im Gespräch stelle ich dann erstaunlicherweise oft fest, dass sie sich doch an recht viele Ausgaben erinnern können. Aber zum Voyeuristischen: Wir sind ja nicht bei den Gästen zu Hause. Die Menschen erzählen einfach nur von ihrem Leben. Sie haben ein Anliegen und etwas zu sagen.

Aber überrascht es Sie nicht hin und wieder, wie viel die Leute im Fernsehen von sich preisgeben?

Ich bin manchmal überrascht, weil ich in der Sendung mitunter mehr erfahre als der Redakteur in den Vorgesprächen. Wenn aber jemand herumdruckst und nicht so richtig will, dann lasse ich den Gast in Ruhe. Ich wüsste genau, wie ich ihn oder sie in die Mangel nehmen müsste – aber was hätte ich davon? Das ist ein Mensch und es bringt mir nichts, wenn ich herumbohre und Sachen erfahre, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Aber ich spüre umgekehrt auch, wenn jemand mehr erzählen will, dann lasse ich es laufen.

Die allererste Episode der „Barbara Karlich Show“ lief am 27. Oktober 1999. Seitdem wurden mehr als 3.800 Ausgaben der Sendung produziert, die unter der Woche täglich um 16 Uhr in ORF2 zu sehen ist. Die „Barbara Karlich Show“ ist die am längsten laufende Talkshow im deutschsprachigen Raum.

Am 23. Oktober wird das 20-Jahr-Jubiläum im Hauptabend von ORF2 gefeiert – mit prominenten Gästen wie Waltraut Haas, Dirk Stermann und Christoph Grissemann, Semino Rossi, Erik Schinegger und Chris Lohner.

Als möglichen Grund für das Aussterben von Talkshows nennen manche Social Media.

Nein, das glaube ich nicht. Wer weiß schon, wie viel da Fake ist und was echt ist. Da verlasse ich mich dann doch lieber auf das seriöse öffentlich-rechtliche Produkt im Allgemeinen und die Karlich Show im Speziellen mit echten Menschen und wahren Geschichten.

Aber das Tratschen an sich ist doch dasselbe.

Ich finds anders. Es ist oberflächlicher und mitunter auch gemeiner. Mir ist es nicht sympathisch. Manchmal kann man Sachen promoten, zum Beispiel habe ich vor Kurzem Dirndln für den guten Zweck entworfen. Oder wenn man etwas furchtbar findet, Tiertransporte zum Beispiel, leitet man dann ein entsprechendes Posting weiter.

Sie sind also auch auf Social Media aktiv?

Ich bin seit einem guten Jahr dabei. Ich habmich immer gewehrt und muss auch ehrlich sagen, dass ich es ein bisschen bereue, reingegangen zu sein. Du musst ständig etwas posten, solltest dabei sein und ich habeh für nix Zeit. Ich habe aber schon Freunde wiedergefunden. Meine Schulfreundin, die nach Jordanien gegangen ist, habe ich zufällig wiederentdeckt und wir haben uns gleich auf einen Kaffee verabredet. Aber oft sehe ich so viel Negatives und Trauriges, leidende Kinder, gequälte Tiere oder den brennenden Amazonas damals ... Besser, ich schauin der Früh nicht rein.

Wie hat sich Ihre Show im Laufe der Jahre verändert?

So wie sich auch die Gesellschaft verändert hat. Über Klimawandel und den ökologischen Fußabdruck hätten wir vor 20 Jahren zum Beispiel noch nicht gesprochen. Schönheitsoperationen waren früher ganz furchtbar und haben die Leute fast zu hysterischen Anfällen provoziert, darüber spricht heute niemand mehr. Man fragt eher: Wer ist denn nicht operiert? Wohingegen Geld, Lebenswandel, Burnout gerade Themen sind, die beschäftigen. Wir werden nie politisch, aber gesellschaftspolitisch. Ich vergleiche das ein bisschen mit dem Dorf- oder Bassenatratsch: Da haben sich die Themen auch verändert und bei der „Karlich Show“ ist es genauso. Wir sind ein bisschen der Spiegel der Gesellschaft.

Was natürlich immer Thema bleibt, ist die Liebe. Wird es Ihnen manchmal fad, immer wieder ähnliche Geschichten zu hören?

Das ist so interessant, dass mir immer wieder diese Frage gestellt wird! Warum soll das fad werden? In jedem Film, in jedem Magazin spielt Beziehung eine Rolle – ob das Mann–Frau, Mann–Mann, Frau–Frau, Chef–Mitarbeiter, Vater–Tochter, Mutter–Sohn ist. Beziehung macht uns aus. Wir sind Herdentiere, keine Einzelgänger – obwohl es natürlich auch die einsamen Wölfe gibt. Aber es geht immer um Beziehungen und in 1000 Jahren wird das wahrscheinlich auch noch so sein.

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Ihr Publikum gilt als tendenziell eher älter. Haben Sie auch jüngere Fans?

Ich werde immer wieder auch von Jüngeren angesprochen. Die rennen mir nach und wollen Autogramme. Dann denke ich mir: Heast, das darf ja nicht wahr sein, ihr schauts aber nicht die ,Karlich Show’, oder?Und dann sind das Kinder, die mit der Sendung großgeworden sind, weil sie bei den Omas und Opas waren, während die Mütter gearbeitet haben. Auch Studenten sehen meine Sendung, und ich war auch schon oft bei Willkommen Österreichzu Gast, sogar die Fans dort schauen die „Karlich Show“. Es sind also nicht nur die sogenannten Alten, die nicht mehr aus dem Haus kommen oder zu alt sind, um aufzustehen und das Programm am Fernseher umzuschalten (lacht).

Welche Wünsche haben Sie für die nächsten 20 Jahre „Karlich Show?

Wenns so weiterginge wie bisher, hätte ich nichts dagegen. Es wäre schön, wenn die Menschen weiterhin gerne zu mir kommen und die Zuschauer zu Hause gerne einschalten. Und den Weltfrieden bitte, den wünschich mir auch (lacht).

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