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Kultur Medien
01/14/2022

"MA2412" und Co.: Was Roland Weißmann mit dem ORF vorhat

Der neue ORF-Chef stellte seine Vorhaben erstmals der Öffentlichkeit vor. Der Ruf des türkisen Kandidaten missfällt ihm.

von Philipp Wilhelmer

„Ich habe schon gelernt, dass ich in der Früh nicht weiß, was am Abend passiert.“ Zwei Wochen nach Amtsantritt ist der neue ORF-Generaldirektor Roland Weißmann mit seinem neuen Arbeitsalltag bereits vertraut. Will man Manager des größten Medienhauses des Landes sein, muss man die eigene Komfortzone weit hinter sich lassen. Etwa, wenn es darum geht, mit Konkurrenzsendern oder der mächtigen Verlegerschaft hinter den Kulissen darüber zu verhandeln, dass der gebührenfinanzierte ORF noch weiter in deren Markt hineinragt. „Z’Tod g’fircht is a g’storbn, sagen wir in Oberösterreich“, erklärt Weißmann dazu. Und man erkennt: Der neue Generaldirektor hat einen Stil, den man als hemdsärmelig und verbindlich bezeichnen kann. In einem Pressegespräch stellte er am Donnerstag erstmals vor, was er in den kommenden Monaten so vorhat. Und musste sich einmal mehr der Frage stellen, wie viel ÖVP in ihm steckt.

„Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht“, sagt er mehrfach in einem Pressegespräch – mit Zeitungsjournalisten. Ob er jetzt mehr Handlungsspielraum hat, weil Sebastian Kurz samt engmaschiger Message Control weg ist, will eine Journalistin wissen. „Ich stehe für einen unabhängigen, weisungsfreien ORF“, so Weißmann, der von der Kurz-ÖVP als Generaldirektor auserkoren wurde. Er sei „Rot-Weiß-Rot, wenn man so will.“ Etwas beleidigter Nachsatz: „Ich frage mich, woher Sie das immer nehmen.“

Lobbying ist gefragt

Parteikandidat oder nicht: Weißmann muss jetzt erfolgreich in der Politik lobbyieren. Stichwort: ORF-Player, die neue digitale Plattform, für die das Unternehmen mehr rechtliche Möglichkeiten braucht. „Ich hatte bereits ein Erstgespräch mit der neuen Medienministerin (Susanne Raab, Anm.) und bin wie in der Vergangenheit mit allen Stakeholdern im Gespräch. Wir wollen keine Extrawurst“, betont er. Richtschnur für die Wünsche des ORF sind die digitalen Möglichkeiten von BBC, ARD, ZDF oder SRG. Wie groß die Unterstützung der ÖVP-geführten Regierung ist, wird sich zeigen, wenn die anderen Marktteilnehmer mit Nachdruck ihre Positionen übermittel haben.

Haufenweise Programm

Locker und leidenschaftlich wird Weißmann, wenn es um programmliche Vorhaben geht – hier bewegt sich der ehemalige Chefproducer des ORF spürbar auf vertrautem Terrain. Und das Publikum soll etwas von dieser Expertise haben: So gibt es ein Wiedersehen mit den zwei Hauptfiguren der Kultserie „MA2412“, Ingenieur Breitfuß (Roland Düringer) und Herr Weber (Alfred Dorfer): „Die beiden sind bereits in Pension und haben sich geschworen, einander nie wieder zu sehen“, sagt Weißmann. „Da haben sie aber die Rechnung ohne den ORF gemacht.“ „Weber und Breitfuß“ wird die Serie heißen – gleich wie beim Original wird Harald Sicheritz Regie führen. Auch ein Nachfolger für die Erfolgsserie „Vorstadtweiber“ ist bereits in Planung, sagt der General. Drehbuchautor Uli Brée sei bereits daran, die Produktion „Biester“ zu konzipieren.

Der Themenbereich Klima wird ein „showiges Element“ am Mittwochabend bekommen, „Vienna Blood“ (eine Koproduktion mit der BBC) wird ebenso fortgesetzt wie „Starmania“, das um die Spielart Schlager erweitert werden soll.

Am 1. Februar startet eine neue TV-Sonderkommission aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt, die „Soko Linz“. Sportübertragungen wird es weiterhin en masse geben, etwa von den Olympischen Spielen. Auch die Frauenfußball-WM wird breit übertragen: Die Spiele mit österreichischer Beteiligung werden auf ORF1 gezeigt werden.

Grundsätzlich gilt für den Fernsehbereich: Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr mit Rekordquoten für die ORF-Flotte, aber auch eine „Inventur“, wie Weißmann sagt. Der Vorabend in ORF1 etwa wird einmal mehr überarbeitet.

Auch wenn die Gebühren ab heuer erhöht werden, lastet ein hoher Spardruck auf dem Unternehmen: 200 Millionen Euro soll der Sender in den kommenden fünf Jahren weniger ausgeben als davor. Und gleichzeitig will der ORF jünger und diverser werden, wie der neue Chef sagt. Der Anteil der Frauen im Direktorium ist erhöht worden, auch für die Aufsichtsräte der Tochtergesellschaften kündigte Weißmann das an. Laut Standard sollen die drei neuen Chefredakteure, die den multimedialen Newsroom leiten sollen, hingegen allesamt und wie bisher Männer sein. Weißmann kontert mit seinem neuen Stehsatz: „Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht.“ Dementi gibt es aber keines.

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