© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Nachtkritik
09/07/2020

"Madama Butterfly" an der Staatsoper: Neustart mit verbotenen Bravo-Rufen

So war die erste Premiere unter Bogdan Roščić.

von Gert Korentschnig

Von Bravo-  und Buh-Rufen sei bitte in Coronazeiten abzusehen, wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr durch Ausstoß von Aerosolen, hieß es vorab von Seiten der  Wiener Staatsoper. Dennoch ließen es sich einige Opernliebhaber nicht nehmen, schon zu Beginn des zweiten Teils, als der neue Musikdirektor Philippe Jordan wieder in den Orchestergraben kam, und vor allem am Ende Bravo zu rufen (für Buhs gab’s keinen Grund). Die Staatsoper wurde also zumindest kurz zum Donaukanal der Kultur, wo unerlaubt gefeiert wird. Kein Wunder  anlässlich der Rückkehr des Opernbetriebes.

Auf dem Programm: „Madama Butterfly“ von Puccini, also nicht gerade die fröhlichste aller Opern. Dennoch zauberte diese Premiere ein Lächeln auf die Lippen, nein in die Augen (der Mund war ja brav MNS-mäßig bedeckt) der Besucher.

Knapp 1200 waren es, die sich den Saisonauftakt und den Start des neuen Direktors Bogdan Roščić nicht entgehen ließen. Die Kontrollen beim Eingang funktionierten gut und zügig, beim Ausgang stand plötzlich auf der Fassade in Riesenlettern „OFFEN“  – ein wichtiges Signal.

Das Publikum war das neugierige traditionelle  Wiener Opernpublikum, plus ein paar Gesichter, die man zuletzt in der alten Direktion nicht mehr gesehen hatte. Künstlerisch hat sich jedenfalls viel verändert.

Musikalischer Erfolg

Beginnend bei Philippe Jordan: Völlig richtig, dass die Staatsoper die Position des Musikdirektors wieder besetzt hat, der Auftakt war vielversprechend. Jordan zaubert mit dem Orchester eine klangschöne, präzise, kraftvolle, dann wieder zarte, auch in den Ritardandi überzeugende „Butterfly“ ins Haus am Ring. Auch mit den Sängerinnen und Sängern atmet er wunderbar.

Asmik Grigorian ist die neue Cio-Cio-San, darstellerisch zutiefst berührend, in den lyrischen Passagen weit besser als in den dramatischen, anfangs nicht immer sicher in der Höhe, im zweiten Teil aber besser und besser.

Freddie De Tommaso ist als Pinkerton stimmlich geradezu ideal – ein Tenor mit Kraft, schönem Timbre und guter Höhe. Auch die Partien von Suzuki (Virginie Verrez), Sharpless (Boris Pinkhasovich) und Goro (Andrea Giovannini) sind gut besetzt.

Die Inszenierung des 2008 verstorbenen Anthony Minghella ist 15 Jahre alt, also ein Baby im Vergleich zur zuletzt gespielten aus 1957. Die Bilder sind gewaltig, bunt, prachtvoll. Aber auch ästhetisierend, behübschend, plakativ, nicht sehr innovativ.

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