"Geschichten aus dem Wiener Wald" mit Sarah Viktoria Frick und Nicholas Ofczarek ist nach dem Lockdown im Burgtheater zu sehen

© APA/BURGTHEATER/MATTHIAS HORN

Kultur
12/12/2021

Lockdown-Ende: Was Museen, Bühnen, Konzerthäuser und Kinos ab jetzt bieten

Hochkarätiges hat sich angestaut: Ein Wegweiser durch das Kultur-Feuerwerk, das ab jetzt gezündet wird.

von Guido Tartarotti, Peter Jarolin, Michael Huber, Alexandra Seibel

Aufg'sperrt ist: Die Kultur-Highlights nach dem Lockdown - von Burgtheater bis Albertina, von Volksoper bis Filmmuseum, von Josefstadt bis Kunstforum. Ein Überblick.

Theater: Monster, Sisi und Ernst Jandl als Oper

Wer zuletzt zumindest theaterähnliche Veranstaltungen erleben wollte, der musste im Supermarkt „zweite Kassa!“ rufen – in Wahrheit ist ja jeder Österreicher ein guter Schauspieler, vor allem, wenn es darum geht, sich vorzudrängen.

Jetzt geht es auch auf den richtigen Bühnen wieder los. Das Burgtheater eröffnet die Nachlockdownzeit heute mit der Kindertheater-Premiere „Monster“ von David Greig im Vestibül: Ein kleines Mädchen mit großen Problemen muss seinen kranken Vater betreuen. Was sich traurig anhört, entwickelt sich zur lebensbejahenden Komödie.

Am Montag setzt die Burg wieder die herausragende gute Inszenierung von „Geschichten aus dem Wiener Wald“ an. Sarah Viktoria Frick und Nicholas Ofczarek glänzen in Johan Simons fast zärtlicher Inszenierung.

Am 18. Dezember folgt die nächste Burg-Premiere: Die Dramatisierung von Marianne Fritz’ Nachkriegsroman „Die Schwerkraft der Verhältnisse“ wird im Akademietheater mit Katharina Lorenz in der Hauptrolle uraufgeführt. Die für 23. Dezember angesetzte Premiere von „Die Ärztin“ wurde auf 7. Jänner verschoben.

Die Josefstadt zeigt heute und morgen „Der Bockerer“: Johannes Krisch brilliert als widerständiger Fleischhauer. In den Kammerspielen ist heute „The Parisian Woman“ zu sehen und morgen „Die Liebe Geld“. Am 18. Dezember ist dann die lang verschobene Premiere von „Der ideale Mann“ zu erleben, Elfriede Jelineks Bearbeitung von Oscar Wildes Komödienklassiker.

Das Volkstheater startet erst im neuen Jahr wieder den Spielbetrieb. Am 12. Jänner hat „Ach Sisi. Neunundneunzig Szenen“ Premiere: Eine humoristische Annäherung an den Mythos Elisabeth – dafür wurden originale Gedichte der Kaiserin vertont.

Am 15. Jänner folgt der Jandl-Abend „humanistää! – eine abschaffung der sparten“: Eine wilde Ernst-Jandl-Oper.

(Guido Tartarotti)

Klassik: Russische Festspiele & ein Weihnachts-Parsifal 

Ab heute, Sonntag, darf endlich wieder gespielt, musiziert und  gesungen werden. Ein Datum, das vorerst nur das Wiener Konzerthaus wahrnimmt. Das dafür umso exzessiver. An drei Abenden ist hier nämlich das  Mariinsky Orchester St. Petersburg mit Dirigent Valery Gergiev und drei verschiedenen Solisten zu Gast. Russische Festspiele der Superlative also.

Der Musikverein aber antwortet schon am Montag. Da spielen die Wiener Philharmoniker mit dem russischen Dirigenten Kirill Petrenko auf, ehe ab 15. Dezember die Wiener Symphoniker mit Adam Fischer (u. a. mit Tschaikowsky) das Zepter übernehmen.

An der Wiener Staatsoper ist ab 13. 12. vor allem ein Mann im Dauereinsatz: Musikdirektor Philippe Jordan. Zwei Mal hintereinander leitet er die Neuproduktion von Mozarts „Don Giovanni“, darauf folgt ansatzlos Richard Wagners (diesfalls eben ein Weihnachts-)„Parsifal“ (15. 12.) und nur einen Tag später Giuseppe Verdis „Don Carlo“.

Hochbetrieb herrscht auch im Theater an der Wien, wo Georg Friedrich Händels  „Giulio Cesare in Egitto“ in der Regie von Keith Warner und mit Bejun Mehta am 17. 12. Premiere feiert; für den 14. ist nun eine Voraufführung angesetzt. In der Kammeroper hat am 16. 12. „Thérèse Raquin“ von Tobias Picker Premiere; ein Schauerdrama als echter Geheimtipp.

Zurück im Spiel ist auch die Wiener Volksoper, die am 18. Dezember endlich ihre lange geplante Premiere von Kurt Weills „Lady in the Dark“ auf die Bühne bringen kann – in der Inszenierung von Matthias Davids und mit herrlichen Musical-Sequenzen.

Neben diesen Premieren gibt es im Dezember hochklassiges Repertoire, schöne Konzerte, einen Liederabend von Jonas Kaufmann (22. 12., Konzerthaus) und zum Jahreswechsel am Ring und am Gürtel „Die Fledermaus“. Und am 1. Jänner 2022 leitet Daniel Barenboim  das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

(Peter Jarolin) 

Kunst: Ausstellungshighlights von Wittgenstein bis Rebecca Horn 

Wäre der Herbst nicht so holprig – man würde von einer tollen Saison sprechen. Vieles verdient heuer das Attribut  „wird man in dieser Art  lange nicht mehr sehen“: Allen voran  die Modigliani-Schau der Albertina, die noch bis 9. 1. läuft und Leben und Werk des Künstlergenies mit einer herausragenden Dichte an Top-Werken nachzeichnet. Das Museum hat im Lockdown  Säle umgebaut und legt  ab heute noch zwei Ausstellungen drauf  – die Sammlungsschau „Warhol bis Cecily Brown“ und die Retrospektive des 2010 verstorbenen Martin Noël. 

Abseits des Albertina-Andrangs sollte man die Werkschau von Rebecca Horn im Kunstforum nicht versäumen – die Zusammenstellung poetischer Maschinen, Filme und Prothesen-Wesen ist noch bis 23. Jänner zu bestaunen. 

Die Tizian-Schau im KHM, wiewohl als Blockbuster beworben, ist ein wenig akademisch ausgefallen –  sehenswert ist sie dennoch (bis 16. 1.); ebenso die Zusammenstellung mit Kunst der Dürerzeit im Oberen Belvedere, die  bis 30. Jänner läuft.  

Etwas mehr Zeit bleibt im Leopold Museum zum Besuch der famosen Ausstellung „Wittgenstein – Fotografie als analytische Praxis“ (bis 6. 3.) und im KunstHaus Wien zur Schau der US-Fotografin Susan Meiselas, die ebenfalls einen analytischen Zugang zu ihrem Medium pflegt   (bis 13. 2.).

(Michael Huber)

Kino: Film-Retro zu VALIE EXPORT im Österreichischen Filmmuseum 

Bereits letzten Dezember hätte anlässlich ihres 80. Geburtstags eine große Retrospektive stattfinden sollen, nun ist es ab Montag (bis 22. Dezember) so weit: Das österreichische Filmmuseum zeigt das filmische Werk  von VALIE EXPORT, die weltweit als eine der einflussreichsten Künstlerinnen im   Bereich Medien-, Performance- und Filmkunst gilt.

Berühmt wurde EXPORT unter anderem mit ihrer Aktion des Tapp- und Tastkinos, die sie 1968 gemeinsam mit Peter Weibel  durchführte und in der sie mit Passanten auf Tuchfühlung ging.
 Der Performancefilm „Tapp und Tastkino“ (20. 12., 21 Uhr), der das Ereignis aufzeichnet und beobachtet, wie verlegen grinsende Männer im Schutz einer dunklen Schachtel  EXPORTS Brüste betasten, ist immer wieder faszinierend.   

Tatsächlich gilt EXPORT als Pionierin des feministischen Aktionismus. Wiederholt brachte sie ihren eigenen Körper als „Material“ ins Spiel und setzte ihn in Kunstaktionen und Performancefilmen ein. Am Montag (18.30 Uhr) werden in Anwesenheit der Künstlerin ihre Kurzfilme gezeigt.

EXPORT drehte aber nicht nur Kurz- und Spielfilme, sondern  auch Dokus für die legendären ORF-Kunst-Stücke: „Oswald Wiener – Tischbemerkungen November 1985“ ist ein eigenwilliges, intimes Porträt  des kürzlich verstorbenen österreichischen Dichters (Freitag, 18.30 Uhr).

(Alexandra Seibel)

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