Kultur
05.01.2018

Kebab - "mit Alles" und "extrascharf"

Der Streit zwischen Stanzerl (Andreas Vitásek) und Öztürk (Tim Seyfi) beginnt heute (20.15, ORFeins) und geht am Samstag in die Verlängerung.

Dass "Multikulti" zumindest im Film auf breites Interesse stößt, hat zuletzt "Die Migrantigen" bewiesen. Die Komödie über zwei Wiener mit sogenanntem Migrationshintergrund sahen hierzulande im abgelaufen Kinojahr mehr als 76.000 Zuseher. "Happy End" von Michael Haneke kam im Vergleich dazu nur auf rund 22.000 verkaufte Kinokarten. Das österreichisch-türkische Nebeneinander – Pardon! – Miteinander hob kürzlich auch der ORF im Rahmen seiner Stadtkomödien ins Hauptabendprogramm: In "Herrgott für Anfänger" stritten sich der Taxifahrer Musa (Deniz Cooper) und die Wirtin Miri (Katharina Straßer) um einen Heurigen. Dabei wurde kein Klischee ausgelassen. In die gleiche Kerbe schlagen heute, Freitag, "Kebab mit Alles" (20.15/ORFeins) und die tags darauf ausgestrahlte Fortsetzung "Kebab extrascharf".

Verdrängt

Im "Multikulti"-Zweiteiler, der hauptsächlich am Yppenplatz und am angrenzenden Brunnenmarkt in Wien-Ottakring gedreht wurde, geht es – vereinfacht gesagt – um Schnitzel gegen Kebab; um Orient gegen Okzident; ums Gegeneinander statt Miteinander. Auf der eine Seite steht Andreas Vitásek, der den grantelnden, ausländerfeindlichen Kaffeehausbesitzer Johann Stanzerl mimt. Er fühlt sich von Ausländern verdrängt und kämpft mit allen Mitteln gegen den neuen – eh klar – türkischen Nachbarn Mustafa Öztürk (Tim Seyfi). Der Stanzerl hat Angst vor Veränderung, vor dem Fremden und sieht sich als Opfer. Eine typisch österreichische Figur, könnte man pauschal urteilen – was ja auch wieder sehr österreichisch ist. Am Ende von "Kebab mit Alles" gibt es zwar ein Happy End, aber eines, das nicht lange anhält, verrät Andreas Vitásek im KURIER-Gespräch. In der zweiten Folge, die am Samstag (20.15, ORFeins) als Teil der Stadtkomödien-Reihe zu sehen ist, wird sogar noch "schärfer gekämpft", fügt der Kabarettist hinzu.

"Depperte Bobos"

Die Fortsetzung der Komödie, die erneut von Regisseur Wolfgang Murnberger umgesetzt wurde, setzt dort an, wo "Kebab mit Alles" aufgehört hat. "Es ist wie im Leben, es beginnt mit einer dicken Freundschaft, geht über in einen heißen Kampf – und wird dann wieder zur Freundschaft", sagt Vitásek.

Die beiden sind zu Gast bei der "Barbara Karlich Show", um über ihre österreich-türkische Freundschaft zu erzählen. Das Gespräch läuft aber in die falsche Richtung: Stanzerl gibt dem Kebab, der im angrenzenden Imbissladen vor sich hinstinke, die Schuld für den schlechten Umsatz, den er neuerdings in seinem Kaffeehaus "Prinz Eugen" macht.

"Ich will ja niemanden diskriminieren, aber die Türken haben ein Problem mit dem Geruchssinn", sagt Stanzerl. Aber schuld seien auch "die depperten Bobos, die immer nur ausländisch essen wollen", fügt der Kaiserschmarrn-Liebhaber hinzu und spricht dem Stammtisch aus der Seele. Danach war’s das mit dem Miteinander, der Partnerschaft zwischen Öztürk und Stanzerl. Da man im aber auch nicht ohne einander kann, ja, einander sogar braucht, entwickelt sich ein heiterer Schlagabtausch, bei dem man gut Klischee-Bingo spielen kann. Erstes Klischee: Ausländer sind kriminell. Bingo!