Oscar, wir kommen!

Waltz, Haneke
Foto: apa Michael Haneke (links) steht vor seinem größten Triumph, Christoph Waltz könnte zum zweiten Mal einen Oscar gewinnen. Die 85. Academy Awards finden am 24. Februar statt.

Michael Haneke darf sich über fünf Oscar-Nominierungen freuen. Christoph Waltz ist als bester Nebendarsteller nominiert.


Als Regisseur ist einem jeder Preis willkommen“, sagt Michael Haneke (70). Aber manche sind dann doch viel willkommener als andere. Nach Goldener Palme, Europäischen Filmpreisen, Nominierung für den Golden Globe (der kommenden Sonntag verliehen wird) – jetzt also auch der Kandidat für den Oscar. Und nicht nur für einen.

Insgesamt erhielt Hanekes grausam-zärtliches Sterbedrama „Amour“ („Liebe“) am Donnerstag fünf(!) Nominierungen. Drei davon gingen an ihn persönlich: für beste Regie, bestes Originaldrehbuch und bester fremdsprachiger Film. Als älteste Frau, die je für einen Oscar nominiert wurde, gesellt sich noch Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva (85) dazu, eine Ikone des französischen Kinos. Außerdem geht „Amour“ in der Königsklasse Bester Film an den Start, ein Oscar, der an den Produzenten verliehen wird. In Österreich ist das die Wega Film.

CANNES FILM FESTIVAL/Cannes FilmARCHIV/HANDOUT - Der französischmschauschauspielerin Emmanuelle Riva in einer Szus dem Film Film "Liebe" («r, &«Lov;Love»#187Die ene Pdes felmfstivals ials in Can Cannes geht in diesem Jsem Jahr an den österischen chen Reg Foto: CANNES FILM FESTIVAL/Cannes Film Emmanuelle Riva könnte just an ihrem 86. Geburtstag zur ältesten Oscar-Gewinnerin werden. Der begehrteste Staubfänger der Filmbranche ist tatsächlich der einzige Toppreis, der Michael Haneke noch fehlt. Ob der Oscar denn seine Preise noch toppen könnte? Haneke: „Das ist so, wie wenn man sagt, eine Blonde kann eine Rothaarige nicht toppen. Die Palme hat für den künstlerischen Film den höheren Anerkennungswert, aber der Oscar für den Verkauf.“

Waltz hat wieder Chancen auf Oscar

Django Unchained Foto: Sony; The Weinstein Company Christoph Waltz an der Seite von Jamie Foxx im Tarantino-Western Wie schon vor drei Jahren, steht ihm auch heuer Christoph Waltz bei der Oscar-Gala zur Seite (dieser ist lustigerweise sogar weitläufig mit Haneke verwandt). Waltz hatte für „Inglourious Basterds“ 2010 den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen, was ihm diesmal wieder passieren könnte: In Quentin Tarantinos Western-Rap „Django Unchained“ spielt er neben Jamie Foxx einen durch Westernlande tingelnden deutschen Zahnarzt. Tarantinos Film, der kommende Woche in Österreich anläuft (lesen Sie am Sonntag ein Gespräch mit dem Wiener Christoph Waltz) ist insgesamt auch fünf Mal nominiert.

Haneke: "Freue mich außerordentlich“

Hosts Stone and MacFarlane read the Best Director Foto: Reuters/PHIL McCARTEN Hanekes Poträtfoto bei der Bekanntgabe neben seinen Konkurrenten um den Regie-Oscar Doch zurück zu Haneke. Die Nachricht des Nominierungsregens erreichte den 70-Jährigen in Madrid, wo er seit Anfang Jänner auf Einladung von Gérard Mortier Mozarts „Cosí fan tutte“ probt.

„Ich freue mich außerordentlich“, ließ Haneke über Wegafilm-Produzent Veit Heiduschka ausrichten. „Jede Anerkennung bedeutet auch, dass meine Arbeit in Ordnung gewesen ist“. Seine Opernpremiere wird übrigens am Tag vor der Oscarverleihung (23. 2.) über die Bühne gehen. Was dazu führt, dass Haneke nicht dabei sein wird: Er reist nach der Generalprobe Richtung L. A. ab.

12 Nominierungen für "Lincoln"

Hosts Stone and MacFarlane read the Best Picture n Foto: Reuters/PHIL McCARTEN Die neun Nominierten für den Besten Film - darunter Amour. Dort trifft er dann auf seine nicht gerade unnamhaften Oscar-Konkurrenten: Als absoluter Top-Favorit gilt Steven Spielberg mit seinem (eher zäh bis humorlosen) Film „Lincoln“ (mit Daniel Day Lewis) zum Thema amerikanischer Vergangenheitsbewältigung: zwölf Nominierungen. Gefolgt von Ang Lees virtuoser philosophischer Fabel „Life of Pi“: elf Nominierungen. Weitere Favoriten: das Musical „Les Miserables“ (acht) und die schräg charmante Liebeskomödie „Silver Linings“ (acht).

Zu den Nominierungsverlierern zählt übrigens neben „Skyfall“, der nur in Nebenkategorien genannt wurde, der französische Überraschungserfolg „Ziemlich beste Freunde“, der als Bester fremdsprachiger Film hoch gehandelt wurde. „Das ist mein größter Konkurrent“, hatte auch Haneke im Vorfeld geglaubt. Nun, jetzt heißt er dann doch Spielberg.

Seltsamer Hitler-Gag bei Bekanntgabe

Seth MacFarlane and Emma Stone moderierten am Donnerstag die Sendung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (siehe Video). MacFarlane, der auch Gastgeber der Oscar-Gala am 24. Februar sein wird, irritierte bei der Bekanntgabe der ersten Oscar-Nominierung für Michael Hanekes Film "Amour" (Liebe), indem er sagte: "'Liebe' ist eine deutsch-österreichische Koproduktion. Die letzte war Hitler, aber die hier ist viel besser."

Die wichtigsten Nominierungen in Bildern:

Bester Film

Die 9 Nominierten in der Königskategorie

Michael Hanekes "Amour" ist sensationell nicht nur in der Kategorie "bester fremdsprachiger Film", sondern auch in der wichtigsten Kategorie der Oscars 2013 nominiert. Das zärtliche Drama feierte in den USA am 19. Dezember Premiere. Ein Kinostart im Heimatland der Oscars ist Voraussetzung, um in der wichtigsten Kategorie des Filmpreises nominiert werden zu können. Auch "Django Unchained" von Quentin Tarantino ist als "Bester Film" nominiert. Für viele Kritiker ist der Western über einen schwarzen Kopfgeldjäger (Jamie Foxx) der beste Film Tarantinos seit "Pulp Fiction". Christoph Waltz ist als deutscher Zahnarzt Dr. King Schultz, der im wilden Westen auf Kopfgeldjäger umgeschult hat, wieder in Hochform - und wurde für seine Vorstellung auch als bester Nebendarsteller nominiert. "Lincoln" von Steven Spielberg. Mit insgesamt 12 Nominierungen kann das Historiendrama als heißester Kandidat für die Oscarverleihung am 24. Februar gelten. Steven Spielberg beleuchtet darin die letzten Wochen im Leben des legendären US-Präsidenten. Auch "Life of Pi" kann als Favorit gehandelt werden. Ganze 11 Nominierungen kann Regisseur Ang Lee mit seiner Bestseller-Verfilmung für sich verbuchen. "Beasts of the Southern Wild" von Benh Zeitlin ist der Überraschungsfilm des vergangenen Jahres. Präsident Barack Obamas "neuer Lieblingsfilm" erzählt die Geschichte des kleinen Mädchens Hushpuppy, das mit ihrem Vater in den Sümpfen an der Küste Louisianas lebt. Der berührende Film, der mit minimalem Budget produziert auskommt, wurde bereits beim Sundance Filmfestivals als bester Film ausgezeichnet und erhielt in Cannes die Goldene Kamera. Weiters unter den Nominierten: "Argo" von Ben Affleck. In dem Polit-Thriller erzählt Regisseur und Hauptdarsteller Ben Affleck, wie sechs US-Amerikaner während der Revolution aus dem Iran fliehen wollen - getarnt als kanadische Filmemacher. Eine wahre Geschichte. Für seine Musical-Adaption "Les Misérables" versammelte Regisseur Tom Hooper ein Staraufgebot von Hollywood-Schauspielern: Anne Hathaway, Russell Crowe, Amanda Seyfried und Hugh Jackman. Letzterer darf sich für seine Rolle als Ex-Sträfling auch über eine Nominierung als bester Hauptdarsteller freuen. Das Liebesdrama "Silver Linings" von David O. Russell überzeugt mit ungewohnten Charakteren und großartigen Schauspielern. Sowohl Bradley Cooper, als Jennifer Lawrence sind als beste Hauptdarsteller nominiert. Kathryn Bilgelow beleuchtet in "Zero Dark Thirty" die lange Jahre vergebliche Suche der CIA nach Osama Bin Laden. Brisant und dramatisch. Bigelow ist Expertin für solche Stoffe. Für ihren Film "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" über Bombenentschärfer im Irak gewann sie 2009 den Oscar in der Kategorie "Beste Regie".

Beste Hauptdarsteller

Die nominierten Männer und Frauen

Daniel Day-Lewis ist als bester männlicher Hauptdarsteller für seine Rolle als "Lincoln" nominiert. Nach "Mein linker Fuß" (1989) und "There will be Blood" (2008) wäre es bereits sein dritter Oscar als bester Hauptdarsteller. Das Historiendrama über den amerikanischen Präsidenten gilt mit 12 Nominierungen als großer Favorit bei den diesjährigen Oscars. Bradley Cooper wechselte für seine Rolle in "Silver Linings" ins dramatische Fach und wurde damit gleich mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Der aus "Hangover" bekannte Schauspieler gilt als Geheimfavorit. Auch die Perfomance von Hugh Jackman in "Les Misérables" war der Jury eine Nominierung wert. Der Australier spielt in der Musical-Adaption von Tom Hooper einen ehemaligen Zuchthaus-Insassen. Joaquin Phoenix wurde für "The Master" nominiert. In seiner Rolle als Freddie Quell unterliegt er zunächst der Strahlkraft eines charismatischen Sektenführers, wunderbar gespielt von Philip Seymour Hoffman. Und Denzel Washington wurde für seine Rolle als Airline-Pilot Whip Whitaker in "The Flight" nominiert. Bereits 2002 konnte er die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen. Damals für seine Rolle in "Training Day". Unter den Nominierungen für die "beste weibliche Hauptdarstellerin" findet sich auch Emmanuelle Riva. Sie spielte in Hanekes Film "Amour" die weibliche Hauptrolle Anne. Ebenfalls eine große Überraschung ist die Nominierung der erst sechsjährigen Quvenzhané Wallis. Sie spielte in "Beasts of the Southern Wild" die kleine Hushpuppy, von deren Leben im Sumpfgebiet an der Küste des südlichen Louisiana der Film handelt. "Silver Linings" kann ebenfalls als heißer Kandidat für die Oscar 2013 gelten. Jennifer Lawrence ist - wie ihr Filmpartner Bradley Cooper - als beste Hauptdarstellerin nominiert. Naomi Watts ist für ihre Rolle in "The Impossible" nominiert. In der wahren Geschichte spielt sie die fürsorgliche Mutter Maria, die 2004 im Thailand-Urlaub von dem Tsunami überrascht wird und mit ihrer Familie ums Überleben kämpft. Und schließlich Jessica Chastain: Sie ist für ihre Rolle in "Zero Dark Thirty" nominiert.

Beste Nebendarsteller

Die Konkurrenz für Waltz

Keine Überraschungen in der Kategorie "Bester männlicher Nebendarsteler": Alle Kandidaten waren zuvor schon mindestens einmal von der Academy nominiert. So auch Christoph Waltz - diesmal für seine Rolle in "Django Unchained". Philipp Seymour Hoffman für seine Rolle in "The Master". Robert De Niro ist für seine Rolle in "Silver Linings Playbook" nominiert. Alan Arkin könnte den Oscar für seine Nebenrolle in "Argo" erhalten. Und Tommy Lee-Jones für seine Rolle des Thaddeus Stevens in "Lincoln". Sally Field ist als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in "Lincoln" nominiert. Anne Hathaway für ihre Rolle in "Les Misérables". Jackie Weaver könnte ebenfalls die Chance auf einen Oscar haben, für ihre Rolle in "Silver Linings Playbook". Amy Adams erhält eine Nominierung für ihre Rolle in "The Master". Und Helen Hunt für ihre Nebenrolle im Film "The Sessions".

Beste Regie

Hanekes Konkurrenten im Regiefach

Steven Spielberg widmete dem amerikanischen Präsidenten Lincoln mit seinem gleichnamigen Film eine episches Biopic. Insbesondere Daniel Day-Lewis begeisterte die Kritiker in dem Historiendrama. Mit 12 Nominierungen ist "Lincoln" der klare Favorit für die Oscarverleihung am 24. Februar. Und somit der größte Konkurrent von Michael Haneke. "Amour" ist sensationell in fünf Kategorien nominiert. 
Die weiteren Nominierungen im Überblick: David O. Russell mit "Silver Linings Playbook" Jungregisseur Benh Zeitlin für "Beasts of the Southern Wild". Und Ang Lee für "Life of Pi".

Auslands-Oscar

Beste nicht-englischsprachigen Filme

"Amour" von Michael Haneke befindet sich unter den Nominierten für den "Besten Ausländischen Film". Ebenso der norwegische Film "Kon Tiki". Und auch Dänemark ist mit "A Royal Affair" unter den Nominierten. Auch ein südamerikanischer Film ist dabei: "No" aus Chile. Ebenso "War Witch", eine kanadische Produktion.

Preisregen für "Amour"

Von der Goldenen Palme bis zur fünffachen Oscar-Nominierung

Ein Überblick über bisherige Auszeichnungen und Nominierungen für Michael Hanekes Film "Amour" (Liebe) seit seiner Uraufführung in Cannes im Mai 2012, laut einer Zusammenstellung der Austrian Film Commission (AFC):

FESTIVAL DE CANNES:              
Goldene Palme für den Besten Film des Festivals

FIPRESCI:                        
Grand Prix for Best Film of the Year

EUROPEAN FILM AWARDS:            
Best Film, Best Director, Best Actress, Best Actor

NATIONAL SOCIETY OF FILM CRITICS:
Best Picture 2012, Best Director, Best Actress

LOS ANGELES FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Film 2012, Best Actress

NEW YORK FILM CRITICS CIRCLE:    
Best Foreign Language Film

NEW YORK FILM CRITICS ONLINE:    
Best Foreign Language Film

BOSTON SOCIETY OF FILM CRITICS:  
Best Foreign Language Film, Best Actress

NATIONAL BOARD OF REVIEW OF MOTION PICTURE:
Best Foreign Film

TORONTO FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Film

CHICAGO FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Director

OKLAHOMA FILM CRITICS CIRCLE:    
Best Foreign Language Film

FORT WORTH FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

WASHINGTON DC FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

SAN FRANCISCO FILM CRITICS CIRCLE:       
Best Foreign Language Film, Best Actress

LAS VEGAS FILM CRITICS ASSOCIATION:          
Best Foreign Language Film

KANSAS CITY FILM CRITICS CIRCLE: 
Best Foreign Language Film

DUBLIN FILM CRITICS CIRCLE:      
Best Foreign Language Film, Best Actress

DURBAN INTERNATIONAL FILM FESTIVAL:       
Best Film

CINE EUROPEO SEVILLA:            
Audience Award

SAN SEBASTIAN FILM FESTIVAL:     
Fipresci Award

HAUGESUND FILM FESTIVAL:         
The Andreas Ecumenical Prize

VIENNALE:                        
Wiener Filmpreis 2012

Nominierungen

ACADEMY AWARDS                   
Best Picture, Best Foreign Language Film, Best Director, Best Screenplay, Best Actress

GOLDEN GLOBES:                   
Best Foreign Language Film

BAFTA:                           
Best Foreign Language Film, Best Director, Best Screenplay, Best Actress

LONDON CRITICS’ CIRCLE FILM AWARDS:     
Best Film, Best Foreign Film, Best Director, Best Actress, Best Actor, Best Screenplay, Best Supporting Actress

BRITISH INDEPENDENT FILM AWARDS: 
Best Foreign Independent Film

CRITICS CHOICE AWARDS (USA):     
Best Film, Best Foreign Film, Best Actress, Best Director, Best Original Screenplay

ONLINEFILM CRITICS SOCIETY AWARDS (USA):
Best Film, Best Actress

SAN DIEGO FILM CRITICS ASSOCIATION:          
Best Foreign Language Film

CHICAGO FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Actress

HOUSTON FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film, Best Actress

PHOENIX FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Foreign Language Film

WASHINGTON DC FILM CRITICS ASSOCIATION:
Best Actress

SATELLITE AWARDS (USA):
Best Foreign Film, Best Actress

Porträt Haneke

Michael Haneke - ein Unbequemer

Wer an Michael Haneke denkt, dem wird üblicherweise nicht gerade warm ums Herz. Der österreichische Filmemacher ist bekannt für seinen gnadenlosen Blick, seine kompromisslosen Analysen und seine verstörenden Filme, die ihn in den vergangenen Jahrzehnten weltberühmt gemacht haben.
Ein Porträt zum Durchklicken... Nach ersten Gehversuchen als Regisseur im Fernsehen ("Sperrmüll" - 1976, "Drei Wege zum See" - 1976, "Lemminge" - 1979) folgte 1989 der erste Kinofilm "Der siebente Kontinent". Haneke durfte das Werk, in der eine Familie gemeinsam Suizid begeht, in Cannes präsentieren. Seitdem ist er Stammgast an der Croisette. Mit dem Erstling "Der siebente Kontinent" begann er seine "Trilogie der emotionalen Vereisung", zu der auch "Benny`s Video" gehört. Darin tötet ein Junge - angespornt durch einen TV-Film - ein junges Mädchen mit einem Bolzenschussgerät. 1994 schließt er seine Reihe mit "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" ab. Haneke zeigt - wie immer - sehr kühl 71 Szenen, die keinen kausalen Zusammenhang miteinander haben, denen aber alle eine nicht näher erklärte Katastrophe vorausgeht. Nach der  "Trilogie der emotionalen Vereisung" zu Beginn seiner Kinokarriere Ende der 1980er wurde es nicht versöhnlicher, gesellschaftliche Ängste und die Mechanismen der Gewalt bestimmen das Werk des 1942 in München geborenen Regisseurs.
Bild: Haneke mit seiner Ehefrau Susi. Hanekes Gewaltschocker "Funny Games" war schließlich 1997 nach 35 Jahren der erste österreichische Wettbewerbs-Beitrag in Cannes. 2007 drehte er die US-Version davon unter dem Titel "Funny Games U.S". Für das Projekt wurde er von nicht wenigen kritisiert, weil er seinen Film von 1997 1:1 mit anderen Hauptdarstellern (Tim Roth, Naomi Watts) nachdrehte. Die Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin" aus dem Jahr 2001 mit Isabelle Huppert wurde dagegen von den Kritikern gefeiert. An der Cote d`Azur gab es dafür den Großen Preis der Jury, ...
Bild: Haneke bekommt die Goldene Plame für "Das weiße Band" 2009 von Isabelle Huppert überreicht. ... für "Caché" 2005 den Regiepreis. Den Thriller drehte er nach "Die Klavierspielerin" erneut in Frankreich, mit Juliette Binoche in der Hauptrolle. Es folgten die Werke "Code Inconnu" (2000) und das Endzeit-Drama "Wolfzeit" (2003) - sie wurden in Cannes kontrovers besprochen. Auch diese Filme drehte er in Frankreich.
Bild: "Wolfzeit" Als Haneke schließlich von Frankreich für seine filmische "Suche nach der Wahrheit" zum "Commandeur dans l`ordre des Arts et des Lettres" ernannt wurde, sprach Haneke von seiner "großen Bewunderung für die französische Kultur".
Bild: Haneke mit Juliette Binoche und seinen Orden. Kurz vor dieser Ehrung war er bzw. seine schwarz-weiße Faschismusparabel "Das weiße Band" 2009 mit der Goldenen Palme ausgezeichnent worden. Der Film startete einen beeindruckenden Siegeszug, vom Europäischen Filmpreis bis zum Golden Globe. Nur der Oscar blieb Haneke vorerst verwehrt - doch nachdem der humorvolle und weltoffene Filmemacher keinen Gedanken an den Ruhestand verschwendet, mag da noch die eine oder andere Chance kommen.
Sein neuster Film heißt "Amour" und handelt vom Älter werden. Haneke, der am 23. März 1942 geboren wurde, wuchs in Wiener Neustadt als Sohn der österreichischen Schauspielerin Beatrix von Degenschild und des Düsseldorfer Regisseurs und Schauspielers Fritz Haneke auf. Er versuchte sich neben dem Studium der Philosophie und Psychologie in Wien zunächst als Autor sowie Film- und Literaturkritiker, 1967 bis 1971 arbeitete er als Redakteur und Fernsehspieldramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden.
In dieser Zeit entstand sein erstes Drehbuch "Wochenende". 1973 entstand sein erster Fernsehfilm, "...und was kommt danach? (After Liverpool)" nach einem Text von James Saunders. Es folgten TV-Filme nach Vorlagen von Ingeborg Bachmann, Peter Rosei und Franz Kafka. Anfang der 70er Jahre debütierte Haneke als Bühnenregisseur am Stadttheater Baden-Baden mit "Ganze Tage in den Bäumen" von Marguerite Duras. Es folgten Theater-Inszenierungenin Deutschland und Österreich. 2006 gab er exakt an Mozarts 250. Geburtstag an der Pariser Oper sein Debüt als Opernregisseur: Mit seiner modernen Inszenierung von "Don Giovanni" spaltete er das Publikum. Eine Inszenierung von Mozarts "Cosi fan tutte" war ursprünglich für New York geplant, soll nun jedoch heuer bei Gerard Mortier in Madrid stattfinden.
Privat ist der Regisseur seit 1983 mit seiner Frau Susanne liiert, er ist Vater eines Sohnes. Für seinen neuen Film "Amour" wurde er am Sonntag in Cannes zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Unterdessen steckt mit "Flashmob" auch schon ein neues Projekt in den Startlöchern - selbst mit 70 scheint bei Haneke keinerlei Müdigkeit einzukehren.

Porträt Waltz

Von Derrick zu Django

Alles begann mit Hans Landa. Seit dem Oscar für seine Rolle in "Inglourious Basterds" gehört Christoph Waltz zur ersten Schauspielerriege Hollywoods. Da war er bereits 54 Jahre alt. Bis dahin war es also ein weiter Weg. Der zweifache Oscar-Preisträger im Porträt. Am 4. Oktober 1956 wurde Waltz als Sprössling einer Theaterdynastie in Wien geboren. Der Sohn der Bühnen- und Kostümbildner Johannes Waltz und Elisabeth Urbancic war im bürgerlichen Döbling beheimatet. Nachdem er im Theresianum seine Schullaufbahn beendet hatte, begann er seine Schauspielausbildung am Reinhardt-Seminar. Später folgte das Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Nach dem Bühnendebüt am Zürcher Schauspielhaus ("Amadeus") und Engagements an verschiedenen Theatern folgten später vor allem zahlreiche Fernsehrollen.

Im Bild: "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story" Anfang der 90er Jahre spielte er in der TV-Miniserie "Der große Reibach", einer Politsatire um die Brüsseler Bürokratie in Zeiten neu aufbrechender Absatzmärkte in Osteuropa. Mit dem Film "Du bist nicht allein - Die Roy Black Story" aus dem Jahr 1996, war Waltz dem deutschsprachigen TV-Zuschauern schon früh ein Begriff. Sein komödiantisches Talent bewies er in "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" aus dem Jahr 1998. Breite Bekanntheit erlangte er nicht zuletzt mit Episodenauftritten in "Derrick" (im Bild), "Der Alte" oder "Kommissar Rex". Für den Film "Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker" (2001) erhielt Christoph Waltz 2002 den Adolf-Grimme-Preis. Er spielte den skrupellosen Entführer Dieter Cilov. Mit "Der alte Affe Angst" oder "Herr Lehmann" (beide 2003) fand sich Waltz alsbald auch im Kino wieder und erarbeitete sich in seinem ganz eigenen Duktus bald den Ruf eines prägnanten Filmbösewichts mit diabolischer Unbestimmbarkeit, der aber auch im komödiantischen Fach brillieren konnte. Sein Debüt und bisher einziges Werk als Regisseur gab Waltz im Jahr 2000 mit dem TV-Film "Wenn man sich traut". Seinen bisher größten Triumph konnte Waltz mit seiner Rolle als psychopathischer SS-Offizier Hans Landa in Quentin Tarantino's "Inglourious Basterds" feiern. Der Vater von vier Kindern erhielt rund zwei Dutzend Auszeichnungen für seinen Part als SS-Offizier, darunter den Darstellerpreis in Cannes. Auch bei den Golden Globes konnte Christoph Waltz mit dieser Rolle eine der begehrten Trophäen mit nach Hause nehmen. Und schließlich gelang ihm die Sensation: Er erhielt 2010 auch den Oscar als "Bester Nebendarsteller". Waltz, der sich selbst nicht als „Theater-Tier“ bezeichnete, arbeitete dennoch jahrelang am Theater – ein Umstand, der ihm die Arbeit mit Tarantino erleichtere. Seine große Liebe aber gehört dem Film. Und dort hat er jetzt mit Quentin Tarantino seinen Lebensregisseur gefunden. Waltz war auch einer der Ersten, der die Drehbuch-Entwürfe von Tarantinos „Django Unchained“ schon während ihres Entstehens zu lesen bekam. Kommentare hätte er keine dazu abgegeben, so Waltz: er wollte bloß sehen, was dabei herauskam. Waltz und seine Lebensgefährtin Judith Holste sind seit den Oscar-Weihen gern gesehene Gäste auf den Red Carpets. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Aus einer früheren Ehe mit einer US-Amerikaniern hat Waltz drei Kinder. Die Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino bedeutete für Waltz den Durchbruch im großen Hollywood. Seitdem ging seine Karriere steil bergauf: In dem Film "The Green Hornet" (2011), der übrigens kein besonders großer Erfolg war, spielte Waltz wieder einen Bösewicht: Chudnofsky. Im selben Jahr konnte man Waltz in der Rolle des bösen Zirkusdirektors August auf der Kinoleinwand sehen. In "Wasser für die Elefanten" spielte er gemeinsam mit Reese Witherspoon und dem Teenie-Idol Robert Pattinson. In Paul W.S. Andersons "Die drei Musketiere" (2011) übernahm er die Rolle des intriganten Kardinals Richelieu. Roman Polanski besetzte Waltz 2011 für "Der Gott des Gemetzels" als einen der Ehemänner im Konfliktquartett, und in Mike Newells neuem Film "Reykjavik" wird er an der Seite von Michael Douglas Michael Gorbatschow spielen. Für seine Rolle als Dr. King Schultz in "Django Unchained" wurde Waltz 2012 tatsächlich wieder mit einem Oscar für die "Beste Nebenrolle" ausgezeichnet. Seit "Inglourious Basterds" und "Django Unchained" verbindet Regisseur Quentin Tarantino und Christoph Waltz eine enge Freundschaft. Im Interview mit dem "LOOX"-Magazin verriet Waltz, dass Tarantino die Rolle des Dr. Schultz extra für ihn geschrieben hat. Ende 2014 war er in der überladenen Sci-Fi-Parabel "The Zero Theorem" von Terry Gilliam zu sehen. Anfang Dezember 2014 wurde Waltz schließlich auch mit einem Stern am Hollywood Walk of Fame ausgezeichnet -  es war der 2536. Stern auf dem berühmten Bürgersteig in Los Angeles. Ein vielleicht inflationäres aber jedenfalls klares Zeichen: Dieser Mann ist top, ein echter Star.

Überblick

Die wichtigsten Kategorien

Als Favorit geht am 24. Februar Steven Spielbergs "Lincoln" ins Oscar-Rennen, der österreichische Regisseur Michael Haneke und sein Film "Amour" haben immerhin Chancen in fünf Kategorien. Auch der österreichische Schauspieler Christoph Waltz ist erneut nominiert. Die wichtigsten Kategorien hier im Überblick:

Bester Film
• "Amour"
• "Argo"
• "Beasts of the Southern Wild"
• "Django Unchained"
• "Les Misérables"
• "Life of Pi"
• "Lincoln"
• "Silver Linings"
• "Zero Dark Thirty"

Beste Regie
• "Amour" Michael Haneke
• "Beasts of the Southern Wild" Benh Zeitlin
• "Life of Pi" Ang Lee
• "Lincoln" Steven Spielberg
• "Silver Linings Playbook" David O. Russell

Bester Darsteller
• Bradley Cooper in "Silver Linings Playbook"
• Daniel Day-Lewis in "Lincoln"
• Hugh Jackman in "Les Misérables"
• Joaquin Phoenix in "The Master"
• Denzel Washington in "Flight"

Bester Nebendarsteller
• Alan Arkin in "Argo"
• Robert De Niro in "Silver Linings Playbook"
• Philip Seymour Hoffman in "The Master"
• Tommy Lee Jones in "Lincoln"
• Christoph Waltz in "Django Unchained"

Beste Darstellerin
• Jessica Chastain in "Zero Dark Thirty"
• Jennifer Lawrence in "Silver Linings Playbook"
• Emmanuelle Riva in "Amour"
• Quvenzhané Wallis in "Beasts of the Southern Wild"
• Naomi Watts in "The Impossible"

Beste Nebendarstellerin
• Amy Adams in "The Master"
• Sally Field in "Lincoln"
• Anne Hathaway in "Les Misérables"
• Helen Hunt in "The Sessions"
• Jacki Weaver in "Silver Linings Playbook"

Bester nicht-englischsprachiger Film
• "Amour" (Österreich)
• "Kon-Tiki" (Norwegen)
• "No" (Chile)
• "A Royal Affair" (Dänemark)
• "War Witch" (Kanada)

Bestes adaptiertes Drehbuch
• "Argo", Chris Terrio
• "Beasts of the Southern Wild", Lucy Alibar & Benh Zeitlin
• "Life of Pi", David Magee
• "Lincoln", Tony Kushner
• "Silver Linings", David O. Russell

Bestes Originaldrehbuch
• "Amour", Michael Haneke
• "Django Unchained", Quentin Tarantino
• "Flight", John Gatins
• "Moonrise Kingdom", Wes Anderson & Roman Coppola
• "Zero Dark Thirty", Mark Boal

Bester Animationsfilm
• "Brave", Mark Andrews und Brenda Chapman
• "Frankenweenie", Tim Burton
• "ParaNorman", Sam Fell und Chris Butler
• "The Pirates! Band of Misfits", Peter Lord
• "Wreck-It Ralph", Rich Moore

Bester Dokumentarfilm
• "5 Broken Cameras"
• "The Gatekeepers"
• "How to Survive a Plague"
• "The Invisible War"
• "Searching for Sugar Man"

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