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Kultur
04/08/2020

Ein halbes Jahr ohne Burg und Oper – was macht das mit uns?

Kommentar: Vor September gibt es keinen regulären Kulturveranstaltungsbetrieb mehr. Das ist verständlich. Man stellt sich trotzdem Fragen

von Georg Leyrer

Man nickt das sonst immer einfach mal ab, weil man weiß, was kommt: Bei den großen Sommer-Kultureröffnungen wird sie von den angereisten Politikern beschworen, die Wichtigkeit der Kultur. Für das Zusammenleben, für den Menschen und, wenn man vielleicht nach einer ehrlichen Pointe sucht, für den Tourismus.

Mal sehen, ob es dafür heuer die Gelegenheit, ob es überhaupt etwas zu eröffnen gibt. Sollte aber tatsächlich etwa das 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele eröffnet werden, es dort in den Reden dann wieder um die Wichtigkeit der Kultur gehen, dann wird man es heuer nicht einfach so abnicken können.

Diese Wichtigkeit, auf die man sich schon fix eingebucht hatte, wird nämlich von der Politikseite neu zu formulieren sein.

Sie wird neu glaubhaft gemacht werden müssen.

Für die Kulturveranstaltungen heißt es in der schrittweisen Öffnung des Landes nämlich warten. Es ist ja auch klar, dass man keine Zehntausenden Schwitzende auf engem Rockfestivalraum zum Austausch zusammenbringen will.

Ebenso, dass die Besuchergruppe der großen Bühnen oftmals gefährlich ident ist mit der Risikogruppe des Virus. Dass hinter den Kulissen bei vielen Veranstaltungen das Äquivalent eines Riesenunternehmens am Werk ist. Da muss man eben: Warten. Worauf und wie lange, das soll rund um Ostern noch präzisiert werden.

Länger jedenfalls als viele andere Bereiche des öffentlichen Lebens.

Und es stimmt ja auch. Bleiben die Theater geschlossen, die Konzerthäuser und Museen zu, spielen die Rockbands nicht wieder ihre bekannten Programme, es wird das Staatswerkl trotzdem weiterlaufen.

Und es gibt sie ja, die Kulturkonserve, derer man sich bedienen kann wie der gehamsterten eingelegten Gurkerln: Filme, Musik, Bücher sind ja nicht weg, im Gegenteil, man geht derzeit so oft am Bücherregal vorbei wie sonst nie.

Es wird einer Branche, deren gesellschaftliche Stellung längst nicht mehr so zentral ist, wie es in den Reden heißt, trotzdem schwerfallen, das alles nicht als Demütigung zu verbuchen. Die Kultur wird in Zeiten der Krise als Bereich eingereiht, dessen Anschaltknopf man erst finden muss, wenn alles andere schon wieder aufgedreht ist.

Im existenzialistischen Vierklang von Hammer und Tanz, Brot und Spielen kommt sie zwar gleich zwei Mal vor. Aber in jener nicht-wörtlichen Bedeutungslosigkeit, hinter die sie auch im regulären Leben so gern gedrängt wird. Es ist eh alles Kultur, Tanz meint hier halt was anderes, und Spiele gibt es im Sport, vor Geistern.

Das ist in der Kultur erfreulich sinnlos, sie funktioniert fast ohne Ausnahme nur im Gegenüber. Warum aber, wenn fast alles aufsperren, „auferstehen“ darf, noch tagelang nachgedacht werden muss, ob zumindest im Juni geprobt werden darf?

Das wäre, sagen die Kulturmanager händeringend, wichtig für den September, fürs Wieder-Aufsperren.

Ebenso: Zum Glück darf man bald wieder shoppen und essen gehen. Wie darf man hier den Wunsch bewerten, mit Maske und Abstand, aber doch ins Museum zu gehen? Ist das nur Luxus?

Sagen wir mal: Es dauert bis in den September. Ein halbes Jahr ohne Theater, Oper, ohne romantische Momente beim Rockkonzert – was macht das mit uns? Sind wir dann andere? Vielleicht spricht ja einer der Politiker in irgendeiner Eröffnungsrede demnächst genau darüber. Was uns Kunst wirklich bedeutet. Und was nicht.

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