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Kino
09/29/2021

Der neue James Bond: So fulminant ist der Abschied von Daniel Craig

"James Bond 007: Keine Zeit zu sterben". Ein fulminantes Finale zwischen Action und Schwermut für Daniel Graigs letztes Abenteuer als James Bond.

von Alexandra Seibel

Das lange Warten hat sich gelohnt. Sieben Jahre nach „Spectre“ und Coronapause bietet Daniel Craigs letztes Abenteuer als James Bond dem blonden Briten ein fulminantes Finale. „Keine Zeit zu sterben“ ist mit 163 Minuten nicht nur der längste Bond-Film aller Zeiten, sondern auch der mit dem größten emotionalen Schwergewicht. Bravourös bespielt Regisseur Cary Joji Fukanaga die Klaviatur der Bond-Traditionen, liefert rasante Action, haarscharfe Verfolgungsjagden im Aston Martin, tolle Originalschauplätze (Weltkulturerbestadt Matera!), überraschende Gadgets und Killer mit Glasaugen.

Zugleich aber muss sich Fukanaga auch um die psychologischen Aufräumarbeiten kümmern, die das Familiendebakel „Spectre“ mit Christoph Waltz als Blofeld hinterlassen hat. In „Keine Zeit zu sterben“ reicht es nicht, eine biologische Waffe aus dem Verkehr zu ziehen. Darüber hinaus muss Bonds (privates) Schicksal weitererzählt werden.

Der Blick in die Vergangenheit bringt also nicht nur genussvolle Hommagen an das Bond-Genre – insbesondere an „James Bond jagt Dr. No“ – mit sich, sondern auch viel Gefühlsballast, der die Action verlangsamt und die Handlung beschwert.

Daniel Craig ist gut, aber grimmig älter geworden. Er hat eine Meisterschaft darin entwickelt, hinter einem undurchsichtigen Gesichtsausdruck Verletzlichkeit durchschimmern zu lassen. Sein Umgang mit halb so alten Frauen gestaltet sich dementsprechend selbstironisch. Eine junge Unbekannte lädt ihn zu einer Motorradfahrt auf ihrem Rücksitz ein mit den Worten: „Ich habe eine Schwäche für alte Wracks.“

„Da sind Sie bei mir genau richtig“, knurrt Bond zurück, und man darf sich an dem Gedanken erfreuen, dass Sätze wie diese aus der Feder von Phoebe „Fleabag“ Waller-Bridge stammen, die (als zweite Frau in der Bond-Geschichte) dazu angeheuert worden war, an den Dialogenspitzen zu feilen.

Blutauffrischung

Ein erster Höhepunkt gipfelt in einem Showdown in einem Nachtclub in Kuba, wo Bond mit Hilfe einer gewissen Paloma (herrlich: Ana de Armas) unter den Mitgliedern der Terrororganisation „Spectre“ einen russischen Wissenschaftler herauspicken soll.

Wo früher zwischen Bond und der schönen Frau die obligatorische Verführungsszene eingesetzt hätte, tritt nun ironischer Flirt. Der Erotik tut dies keinen Abbruch, Palomas furios eingesetzter Kampftechnik auch nicht. Die weiblich-kombatante Blutauffrischung tut dem Franchise wunderbar gut, ebenso der Einsatz der trocken-humorigen Lashana Lynch als Doppenull-Agentin.

Bonds wahre Liebe heißt aber immer noch Madeleine Swann, mit zärtlicher Coolness gespielt von Léa Seydoux. Bei ihr laufen viele Geheimnisse zusammen, verrät Waltz, der als Blofeld in einem Londoner Gefängnis im Käfig sitzt wie einst Menschenfresser Hannibal Lecter.

Obwohl das Bond-Drehbuch selbst vor der Pandemie entstand, hinterlässt die Idee einer tödlichen Krankheit, die in die Körper von Menschen eingeschleust werden kann, einen mulmig aktuellen Geschmack von unserer pandemischen Gegenwart. Wer infiziert wird, stirbt einen grausamen Pestbeulentod – und das alles unter der Kontrollherrschaft von Lyutsifer Safin, gestört gruselig und emotionstot gespielt von einem vernarbten Rami Malek. Er ist ein würdiger Gegner für Daniel Craigs letzten Bond.

Am Ende von „Keine Zeit zu sterben“ singt Louis Armstrong den Titelsong von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“: „We Have All the Time in the World“. Und die werden die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson brauchen, um einen Nachfolger für Daniel Craig zu finden und ihr Versprechen zu halten: „Bond will return.“

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