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(TV-)Kritik
03/21/2020

Christoph Waltz' "Fidelio": Stehtheater im Fernsehen

ORF und Theater an der Wien zeigen die entfallene Premiere zum Beethoven-Jahr. Ohne Publikum jubeln die Sänger einander am Schluss selbst zu.

von Peter Jarolin

Es hätte  die Premiere  schlechthin zum Beethoven-Jahr (250. Geburtstag des Komponisten) werden sollen.  Dessen einzige Oper „Fidelio“ in der selten gespielten zweiten Fassung im Theater an der Wien und  in der Regie des zweifachen Oscarpreisträgers Christoph Waltz, der sich bereits zum dritten Mal an einer Operninszenierung versuchen wollte.

Dann aber kam Corona – die Folgen sind bekannt. Keine Premiere, kein Publikum, aber immerhin ein „Fidelio“.   Denn ORF 2 brachte das Probenmaterial in einer Art Fernsehpremiere dennoch unter das Volk; in der gewohnt professionell-guten  Regie von Felix Breisach. Der wiederum arbeitet bekanntlich filmisch, was auch für Christoph Waltz  ein Glücksfall war.

Denn dieser Treppenwitz einer Inszenierung hätte wie die zurecht mit einem Buhorkan bedachte Interpretation  der ersten „Fidelio“-Fassung von  Amelie Niermeyer an der Wiener Staatsoper live wohl auch Widerspruch erfahren. Dabei beginnt alles sehr gut. Waltz verzichtete auf eine Bebilderung der Ouvertüre, danach zeigt sich eine imposante, auch an James-Bond-Signations gemahnende Treppenlandschaft.  Immerhin ist Waltz ja der amtierende Blofeld und somit Bonds ewiger Gegenspieler.

Doch das war es dann auch schon mit Action! Denn das Bühnenbild – entworfen vom amerikanisch-deutschen Architekturbüro Barkow Leibinger – macht danach, was ein Bühnenbild so machen kann: Es ist einfach da. Und es ermöglicht durchaus den einen oder anderen interessanten Auftritt oder Abgang. Mehr nicht.


Es wird  von der Lichtregie (Henry Braham) her dunkel, wenn Florestan über Dunkelheit singt. Es wird hell, wenn am Ende die „eheliche Liebe“ triumphiert.
Dazwischen stehen Menschen   in seltsamen Mao,-oder Blofeld-Uniformen (Kostüme: Judith Holste) herum und singen.  Abstraktion pur, die trotz viel treppauf und treppab auf jede Erzählung  oder gar Interpretation (bewusst?) verzichtet und sich in absoluter Statik erschöpft.  Dank der Fernsehregie sieht man immerhin  schöne Close-ups.

Was man hört? Die Wiener Symphoniker, die unter der Leitung von Manfred Honeck einen sehr präzise ausgearbeiteten „Fidelio“ realisieren. Spannung mag aber dennoch nicht recht aufkommen. Trotz der Tatsache, dass mit Honecks Bruder Rainer der Konzertmeister der Wiener Philharmoniker als prominent-gute Leihgabe gewonnen werden konnte.

Ja, der Arnold Schoenberg Chor ist auch im Stehtheater vokal wie immer exzellent. Die Solisten agieren tapfer. So müht sich Nicole Chevalier redlich mit der anspruchsvollen Partie der Leonore; viel zu tun hat sie szenisch nicht. Eric Cutler als Florestan klingt hingegen gefährlich ausgesungen. Christof Fischesser ist ein  biederer Rocco;  Gábor Bretz  ein sicherer Don Pizarro

Wirklich aufhorchen lässt Mélissa Petit als auch darstellerisch eigeninitiativ tätige Marzelline, die in Benjamin Hulett eine braven Jaquino findet.  Der letztlich alle rettende Minister Don Fernando findet bei Károly Szemerédy szenisch bedingt kaum statt.

Am Ende bejubelten mangels Publikum alle Beteiligten einander gegenseitig. Vor den Bildschirmen war man da jedoch schon auf Schlafmodus programmiert.

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