Tom Hanks ist Captain Philipps.

© Sony

"Captain Phillips": Piraten jenseits vom Mythos
11/14/2013

"Captain Phillips": Piraten jenseits vom Mythos

Tom Hanks wird auf hoher See von somalischen Piraten überfallen + "Escape Plan" + "Don Jon" + "Last Vegas".

von Alexandra Seibel

Als 2009 das amerikanische Container-Schiff Maersk Alabama von somalischen Piraten überfallen wurde, war dies die erste große Seeräuberei nach fast 200 Jahren. Prominente Piraten gab es sonst nur im Blockbuster-Kino, zuletzt in Form von Johnny Depp in einem Säbel-schwingenden Disney-Franchise. Doch der Brit-Regisseur Paul Greengrass, Erschaffer zweier „Bourne“- Thriller, hatte anderes im Sinn. Keine Wiederbelebung des Seeräuber-Mythos für Popcorn-Unterhaltung, sondern einen fiebrigen, fast schmerzhaft-spannenden Thriller auf hoher See mit stark dokumentarischem Spürsinn. Tom Hanks als Kapitän des geenterten Schiffes erzwingt in einer emotionalen Tour de Force die eindrücklichste Performance seit Langem in seiner Karriere als netter Amerikaner. Und die Piraten, bestehend aus vier klapprigen, schwer unterernährten Somaliern mit kaputten Zähnen, bewegen sich weit jenseits von Hollywood-schönem Bösewicht-Material.

Mit seiner unruhigen Handkamera fährt Greengrass zwischen die Matrosen auf Schiff, beobachtet den Kapitän bei der Arbeit und erzeugt dabei das Gefühl von zwingendem Realismus. Parallel dazu treibt er die Rekrutierung blutarmer somalischer Söldner durch brutale Warlords voran. Beide Handlungsstränge drängen aufeinander zu, verstärkt durch eine pochende Sound-Spur. Captain Phillips und Murse, der spindeldürre Anführer der Piraten, starren sich erstmals durchs Fernrohr ins Auge. Doch nach einem haarsträubenden Entermanöver, drückt Murse dem Captain die Knarre gegen die Stirn.

Geiselnahme

Dabei besteht Tom Hanks’ schauspielerische Grandezza unter anderem darin, unter größtem Druck den Eindruck stoischer Kompetenz zu bewahren, ehe er in höchster Todesangst komplett aus den Fugen gerät. Denn die Piraten nehmen ihn als Geisel und steuern in einem winzigen Boot Richtung Küste. Inzwischen hat sich der gesamte Militär-Apparat der US-Elitetruppen drohend in Stellung gebracht. Das Bild ist geradezu grotesk: Ein fantastisch riesiges Kriegsschiff blockiert den Horizont, bösartig umkreist von Hubschraubern. Davor schaukelt verzweifelt die orange Nussschale der Entführer. US-Muskelpakete gegen afrikanische Klappergestelle – Verherrlichung von triumphalem Heroismus sieht anders aus.

INFO: Captain Phillips. USA 2013. 134 Min. Von Paul Greengrass. Mit Tom Hanks, Barkhad Abdi.

KURIER-Wertung:

Schwarzenegger und Stallone im Hochsicherheitstrakt

Schwarzenegger und Stallone ergeben ein sehenswertes Action-Duett – auch jenseits des Nostalgieeffekts. Mikael Håfström pflanzt die Haudegen des 80er-Jahre-Muskelkinos gegen ihre Gewohnheit in seinen wendungsreichen Gefängnis-Thriller ein. Weniger Kraft als Köpfchen zählt, wenn Stallone als genial smarter Berufsausbrecher Sicherheitsgefängnisse auf ihre Lücken hin überprüft. „So clever schaust du gar nicht aus“, findet Schwarzenegger nicht ganz ironiefrei und spielt dabei einen inhaftierten Terroristen Emil Rottmayer(!) bemerkenswert facettenreich (auch der Peter-Rapp-Bart steht ihm gut). Gute Chemie zwischen ihm und Stallone, smarte Plot-Points und kleine Seitenhiebe auf US-Foltergefängnisse ergeben formidable Thriller-Qualität.

INFO: Escape Plan. USA 2013. 115 Min. Von Mikael Håfström. Mit Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger.

KURIER-Wertung:

Was Sie schon immer über Sexgier wissen wollten

Jon Martello hat ein Problem: Keine Nummer mit einer attraktiven Frau kann für ihn so befriedigend sein, dass er sich anschließend nicht noch ein Pornovideo reinzieht. Der virtuelle Sex mit der inszenierten Lust übertrifft stets die Wirklichkeit – selbst wenn Don Jon eine Traumfrau wie Barbara Sugarman alias Scarlett Johansson im Bett hat. Den extravaganten Macken des männlichen Unterleibs rückt Joseph Gordon-Levitt in diesem locker-leichten und flotten Film-Häppchen herrlich unernst zu Leibe. Die Rolle des sexgierigen Muttersöhnchens hat er sich auf den Leib geschrieben und die Frauenparts mit Stars wie Kurven-Scarlett bzw. der erotischen Julianne Moore besetzt. Da kann nichts mehr schiefgehen, da läuft eine gute Nummer.

INFOS: Don Jon. USA 2013. 90 Min. Von und mit Joseph Gordon-Levitt. Mit Julianne Moore, Scarlett Johansson.

KURIER: Wertung:

"Hangover" mit Viagra

Vier Jugendfreunde, die verstreut über die USA leben, kommen für einen Junggesellenabschied in Las Vegas 58 Jahre später wieder zusammen, um es noch einmal richtig krachen zu lassen. Denn der braungebrannte fast 70-jährige Playboy Billy (Michael Douglas) will seine gerade 30 Jahre alte Freundin heiraten, um sich jünger zu fühlen. Die anderen drei haben auch schon bessere Tage gesehen, und schleppen verschiedene Lasten des Alters mit sich herum. Als das ergraute Quartett in Vegas auf die alternde Barsängerin Diana (Mary Steenburgen) trifft, brechen alte Rivalitäten zwischen Billy und Paddy (De Niro) auf.

Gürtellinie

Rentnerkomödien lockten in den letzten Jahren eine reifere Altersgruppe mit Erfolg in die Kinos. Mit der aus "Hangover" bekannten Ausgangssituation und der Aussicht auf Gags unter der Gürtellinie will Regisseur Jon Turteltaub in "Last Vegas" offenbar auch jüngere Kinofans ansprechen. Dazu kommt eine mehr als hochkarätige Besetzung: Morgan Freeman und Kevin Kline komplettieren die muntere Rentner-Gang. Diese Zuten klingen eigentlich nach einem todsicheren Rezept für unterhaltsames Kinovergnügen. Die eingestreuten Gags mit Gross-Out-Humor wirken in der ansonsten recht herkömmlich und sentimental geratenen Komödie allerdings seltsam aufgesetzt. Wenn Kline von seiner Frau Viagra und Kondome eingepackt bekommt, um mit ihrer Erlaubnis noch einmal ein Liebesabenteuer zu suchen, dann geht der Witz noch halbwegs auf. Aber wenn De Niro und die anderen drei betagten Herren bei einer Poolparty Noten für Bikini-Schönheiten verteilen müssen, ist man sich nicht sicher, ob es der Griesgram Paddy ist, der sich hier geniert, oder De Niro selbst.

INFOS: Last Vegas. USA 2013. 105 Min. Von John Turteltaub. Mit Michael Douglas, Robert De Niro.

KURIER-Wertung:

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