Disney-CEO Bob Iger und Mickey Mouse. Künftig gehen sie getrennte Wege 

© EPA/JUSTIN LANE

Porträt
02/26/2020

Bob Iger: Der wichtigste Mann seit Walt Disney geht

Der 69-Jährige baute Disney weiter zum Weltkonzern um und regelt jetzt die Nachfolge.

von Philipp Wilhelmer

Management kann manchmal sehr berührend sein: 30 Minuten, bevor Bob Iger als Chef der Disney Company im Jahr 2006 den Kauf des Animationsstudios Pixar verkündete, nahm ihn Steve Jobs mit auf einen seiner berühmten Spaziergänge. Der Apple-Chef hatte Pixar aufgebaut und war im Begriff, seine Firma zu verkaufen und im Gegenzug groß bei Disney einzusteigen. Jobs nahm also Iger auf den Spaziergang mit und erklärte ihm, dass sein Krebs wieder zurück sei. „Ich werde einer deiner größten Shareholder und werde im Aufsichtsrat sitzen. Ich finde, ich schulde dir das Recht, auf Grund dieser Information aus dem Deal auszusteigen.“

15 Minuten nach diesem Satz wurde Pixar von Disney gekauft und Iger hatte den strauchelnden Konzern wieder auf Erfolgskurs getrimmt. Jobs, der einer seiner engsten Freunde und Wegbegleiter werden sollte, starb fünf Jahre später.

Iger beschreibt diesen Moment in seiner Autobiografie „The Ride of a Lifetime“, die er im Vorjahr als eine Management-Fibel veröffentlicht hat. Ein Vermächtnis auf 246 Seiten, das leider nur auf Englisch erhältlich ist, aber den Weg des Managers an die Spitze des Konzerns mit den Mausohren nachzeichnet und Einblicke gibt, wie seine wichtigsten Deals zustande kamen.

Stolzes Disney

Iger hatte Pixar gekauft, weil die Firma die stolze und geschichtsträchtige Animationsabteilung von Disney ein Jahrzehnt lang regelrecht überrundet hatte. Auf zahlreiche Disney-Flops, über die keiner redete, kamen lauter Hits der Steve-Jobs-Firma. Ein Zustand, der für einen Konzern, dessen Kerngeschäft animinerte Figuren waren, nicht haltbar war. Der Deal entpuppte sich als Geniestreich.

Außerdem akquirierte Iger 2012 Lucas Films und damit die gesamte „Star Wars“-Rechtebibliothek, erwarb 2009 Marvel und bescherte den Kinobesuchern ein Jahrzehnt lang eine Flut von Comic-Verfilmungen, die unter anderem „X-Men“ oder „Black Panther“ hießen.

2017 kaufte Disney noch das Filmstudio 21st Century Fox von Rupert Murdoch und verfügt damit über die Rechte auf Blockbuster wie „Avatar“ oder „Bohemian Rhapsody“. Mit dieser geballten Kraft setzte Iger alles daran, dem Streaming-Platzhirschen Netflix das Leben schwer zu machen und startete Disney + (Österreich-Start: 24. März).

Hofübergabe

Für Iger markierte das den richtigen Zeitpunkt für eine Hofübergabe, was wiederum sämtliche Analysten und Marktbeobachter vor den Kopf stieß. Sein Nachfolger an der Firmenspitze wird Bob Chapek (60), der zuletzt für die Freizeitpark-Sparte zuständig war. Chapek ist seit 27 Jahren bei Disney und war in den vergangenen fünf Jahren für das florierende Geschäft mit Themenparks verantwortlich, zuvor verantwortete er unter anderem das DVD-Business.

Iger will weiter im Aufsichtsrat bleiben, und erklärte, nur so könne er sein kreatives Potenzial voll nutzen.

Spekulationen, aber ...

Über einen Nachfolger für den 69-jährigen Iger wurde zwar schon seit Jahren spekuliert, mit dem hastigen Spitzenwechsel lieferte Disney dennoch eine handfeste Überraschung.

Disney ist mit einem Börsenwert von mehr als 230 Milliarden Dollar der weltgrößte Unterhaltungskonzern. Der rasante Rücktritt stieß Anleger dementsprechend vor den Kopf. Die Aktie reagierte zeitweise mit deutlichen Kursverlusten, obwohl die US-Börse sich am Mittwoch insgesamt zunächst leicht erholte.

Was nämlich auch stimmt: Iger hat mit Disney+ wohl die entscheidende Wette auf die Zukunft gemacht – ob das Service funktioniert, wird auch das Unternehmen massiv beeinflussen.

Erfolg oder Misserfolg? Das muss nun sein neun Jahre jüngerer Nachfolger auf seine Kappe nehmen. In den USA ist der Dienst jedenfalls vielversprechend gestartet.

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