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Kultur
05/09/2021

Andi Knoll überrascht ROMY-Gewinner: „Sie sind sprachlos, begeistert, gerührt“

Keine Gala? Kein Problem! Andi Knoll bringt die Statuetten persönlich zu den Preisträgern. Ein Gespräch über Freudentränen, Sprachlosigkeit und die schlechtesten Song-Contest-Lieder

von Nina Oberbucher

Einen Lieferboten im Smoking sieht man selten. Aber Ö3-Moderator Andi Knoll hat dieser Tage auch exklusive Fracht zuzustellen.

Zum zweiten Mal in Folge kann die ROMY pandemiebedingt nicht im Rahmen eines Gala-Abends in der Wiener Hofburg verliehen werden. Also rückt der 48-Jährige wie schon im vergangenen Jahr aus, um die Statuetten zu den Preisträgern zu bringen. Allerdings, ohne sich vorher anzukündigen. Das sorgt für schräge, erheiternde und emotionale Momente – zu sehen am Samstag (15. Mai) um 20.15 Uhr in einer TV-Sendung auf ORF2.

„Es ist natürlich viel mehr Arbeit, die Leute zu überraschen. Man muss zum Teil stundenlang warten, bis die daherkommen“, erzählt Knoll dem KURIER zwischen zwei ROMY-Einsätzen am Telefon. „Aber ich finde auch, dass die Emotionen der Leute, weil sie so überrascht sind, viel stärker ausfallen. Wenn man als Nominierter in der Hofburg sitzt, kann man sich die Wahrscheinlichkeit, dass man gleich auf die Bühne geht, ja ausrechnen. Gerade Schauspieler haben sich dann vielleicht auch überlegt, was sie sagen möchten. Und da werden sie jetzt wirklich auf dem falschen Fuß erwischt. Oder auf dem richtigen. Und sind sprachlos, begeistert oder gerührt.“

Vernudeltes Hemd

Vom Vorjahr besonders in Erinnerung geblieben ist dem Moderator etwa die Reaktion der „völlig aufgelösten Uschi Strauss“. Die Schauspielerin wollte gerade ein Fernseh-Interview über ihr Programm „Wachau in Echtzeit“ geben, als plötzlich Knoll um die Ecke und die ROMY per Drohne durch die Luft geflogen kam. „Sie hat beim Gespräch immer wieder angefangen zu schluchzen. Das war wirklich sehr berührend.“

Mit Sprachlosigkeit hat ServusTV-Quizmaster Andreas Moravec reagiert, der hat „auf die Fragen, die ich ihm dann gestellt habe, nicht mehr viel heraus gebracht, weil er so perplex war.“ „ZiB“-Moderator Tobias Pötzelsberger wurde wiederum nach Dienstschluss im ORF-Zentrum am Küniglberg abgeholt – „und hat sich Sorgen gemacht, ob sein Hemd nicht zu vernudelt ist. Aber da war die Freude über die ROMY doch größer als die Sorge, dass er nicht kameragerecht ausschaut.“

Von Schock bis Freude

Und heuer? „Auch bei dem Preisträger, den wir gestern überrascht haben und den man natürlich noch nicht verraten darf, war es witzig, was man da in ein paar Sekunden an Gedanken in einem Gesicht ablesen konnte, von Schock über Irritation bis hin zur Freude.“ Dass alle nur in Momenten erwischt werden, in denen sie top gestylt sind, dafür gebe es auch in diesem Jahr keine Garantie: „Aber immer irgendwelche vermeintlichen Interviewtermine einzufädeln, ist auch langweilig. Unser Muster darf nicht durchschaubar werden, damit es für alle spannend bleibt.“

Wer Knoll auf Instagram folgt, konnte in den vergangenen Tagen bereits einen kleinen Einblick gewinnen, welche Strecken die ROMYs heuer zurückleg(t)en. Ein Exemplar wurde etwa per Flugzeug zugestellt, auch ein Fußballplatz spielte bereits eine Rolle. Und die eine oder andere Überraschung könnte noch anstehen. „Ich hoffe schon, dass wir nächstes Jahr wieder eine Gala haben werden“, sagt Knoll. Aber die Preise in ein, zwei Kategorien auch dann im Überraschungsmodus zu übergeben, das „könnte man sich schon überlegen“.

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Beste Tonqualität

Nach der erfolgreichen Auslieferung der ROMYs steht für Knoll bereits der nächste große Programmpunkt an: der Song Contest, den er nach dem coronabedingten Ausfall des Events im Vorjahr heuer wieder in gewohnter Manier kommentieren wird. Allerdings erstmals nicht live vom Austragungsort, sondern aus der Heimat. „Es gibt die Regelung, dass bei einem einzigen positiven Fall in einer Delegation die gesamte Delegation für die Halle gesperrt wird. Dann müsste ich im schlimmsten Fall aus dem Hotelzimmer kommentieren.“ Da setze er lieber auf Programmsicherheit und bleibe in Wien: „So wie das ja mein Vorgänger, der Ernst Grissemann, auch gemacht hat.“ Das habe allerdings in erster Linie mit der damals mangelhaften Tonqualität zu tun gehabt – vor Ort kommentiert wurde nämlich übers Telefon, wie Knoll erzählt. Zumindest für die Sendung „Mr. Song Contest proudly presents ...“ am Finaltag (Samstag, 22. Mai, 20.15 Uhr, ORF1) wird er sich jedoch vorab in Rotterdam umsehen.

Den Gesangswettbewerb kommentiert Knoll bereits seit mehr als 20 Jahren. Der schlechteste Song, der dem gebürtigen Tiroler dabei untergekommen ist? „Natürlich keiner aus Österreich!“, versichert Knoll lachend. „Ich finde, es gab kiloweise schlechte Songs, vor allem in den Nullerjahren, zwischen 2005 und 2010, wo irgendwelche belanglosen, auf den Song Contest hingezimmerten Ethnopopsongs in skurriler Aufmachung dargeboten wurden. Da war der Song Contest am Tiefpunkt und da wäre er, glaube ich, auch gestorben, wenn nicht 2012 Loreen dahergekommen wäre und ,Euphoria‘ gesungen hätte.“

Wenig später kam Conchita. Und Knolls berühmter Sager „Jetzt hat uns die den Schas gewonnen“. Den er seitdem jedoch nicht mehr verwendet hat, „weil dieser Satz so eben nicht mehr stimmt. Es ist kein Schas“, so Knoll. Das hätten Leute wie Loreen geändert.

Covid-Fasten

TV-Unterhaltung könne man gerade gut gebrauchen. „Ich glaube, Dinge, wo das C-Wort nicht vorkommt, sind ganz wichtig. Ich persönlich muss sagen, ich mache Covid-Fasten. Momentan schaue und höre ich weniger Nachrichten als normalerweise, weil ich es auch schon nicht mehr aushalte“, verrät der Moderator. „Ich schalte aus, ab, um und sage Danke für Formate wie ,Dancing Stars‘ oder ,Starmania‘.“

Und auch ROMY und Song Contest werden „schöne Sendungen sein und ich bürge mit meinem Namen dafür: Es ist weitestgehend covidfrei – außer dort, wo man Dinge erklären muss, die damit zu tun haben“, verspricht Knoll. „Also alle, die genug davon haben, sind herzlich willkommen, an diesen Abenden um 20.15 Uhr einzuschalten. “

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