Kolumnen
01/13/2020

Sind Vorsätze dazu da, um gebrochen zu werden?

Auch der Wille zählt, hofft Caroline Kaltenreiner.

von Caroline Kaltenreiner

Nächste Woche bin ich weg. Fahr’ nach England. Na gut, ich geb’s zu, ich fliege. Aber ich hab mir das angesehen mit dem Zug. Ehrlich. Ist aber zu zeit- und kostenintensiv. Wenn ich mehr davon hätte (also Zeit und Geld), würde ich ja ein Interrail-Ticket buchen, auf dem Hinweg ein paar Tage in Belgien verbringen und auf dem Rückweg noch Halt in Paris machen. Kreuz und quer durch England müsste dann sowieso sein, weil wenn man das Ticket schon hat ... Dann wäre ich aber statt einer Woche drei unterwegs und würde entsprechend mehr Geld ausgeben.

Also doch nur eine Woche und doch fliegen, zumindest habe ich für die -Kompensation bezahlt, um mein Gewissen freizukaufen, und vor Ort bewege ich mich ausschließlich in Öffis.Außerdem arbeite ich aktiv gegen den Overtourism. Oder kennen Sie noch einen anderen Menschen, der auf die Idee kommt, im Jänner an die englische Küste zu reisen? Ich hoffe nicht, ich will dort nämlich alleine sein. Stell’ mir das romantisch vor, nach einem langen (und wahrscheinlich sehr windigen) Spaziergang entlang der Küste in einem kleinen B&B am Strand Jane-Austen-like in einem Erker am Fenster zu sitzen und ein Buch zu lesen. So echt, auf Papier, nicht auf der Mattscheibe. Idealerweise brennt dann noch ein Feuer im Kamin. Na gut, ich hör’ schon auf mit der Gefühlsduselei. Außerdem will ich Ihnen ja keine Lust darauf machen, ich will dort ja alleine sein.

Noch bevor die Sehnsucht nach dem Alleinsein in Einsamkeit umschlägt, ziehe ich weiter. Sie kennen mich ja jetzt schon ein bisschen und wissen: Wenigstens eine Nacht London muss für mich bei jeder England Reise drin sein.

Das war’s dann mit meinem Kampf gegen den Overtourism. Wie heißt’s so schön: Der Wille war da, das Fleisch ist schwach. Aber den Traum von der Interrail-Reise auf die Insel geb’ ich nicht auf. Irgendwann ...