Kolumnen
11/05/2021

Raab geht essen: Sich Gutes tun, von Brecht bis Prechtl

Ich empfehle dringend einen Ausflug zu unternehmen, hinein ins Retzer Land, dorthin, wo sich eine schier unglaubliche Weite eröffnet, das Gefühl von Freiheit schenkt.

von Thomas Raab

Ein Topwinzer, dazu ein Sommerladen, der samt Weihnachtszauber im Advent geöffnet hat und anstatt auf den Kanaren im Weinviertel liegt? Klingt unmöglich. Andererseits: 1. „Ändere die Welt, sie braucht es!“ 2. „Wer sich nicht verändert, bleibt nicht der Gleiche!“ 3. „Wer A sagt, muss nicht B sagen, er kann auch erkennen, dass A falsch war!“ Alles Zitate von Brecht. Nicht schlecht, oder? Eben einer der bedeutendsten Dramatiker, der Bertolt. Precht übrigens auch kein Depp, Vorname Richard David. Lebender Philosoph: „Ein Optimist, dessen Erwartungen sich nicht erfüllen, hat allemal ein besseres Leben geführt als ein Pessimist, der sich bestätigt sieht!“ Zahlt sich aus, so ein geistiges Techtelmechtel mit einem Brecht. Oder Precht. Lesen bitte!

Oder Prechtl. Die Prechtl-Lese nämlich hat es gewaltig in sich. Was da auf Urgestein-, Löss- und einstigem Meeresboden sprießt, ist österreichisches Kulturgut, das Weingut Prechtl eines der Aushängeschilder dieses Landes, insbesondere des Grünen Veltliners. Erwerbbar in Handel & online. Ich empfehle allerdings dringend einen Ausflug zu unternehmen, hinein ins Retzer Land, dorthin, wo sich eine schier unglaubliche Weite eröffnet, das Gefühl von Freiheit schenkt. Ziel: Ein idyllischer Ort, dessen Straßen meist benannt sind wie die Marktgemeinde selbst: Zellerndorf. Beschauliche Innenhöfe sind in dieser Gegend keine Seltenheit, das Weingut Prechtl aber ist eine Rarität. Liebevoll gepflegte Pflanzen, romantische Sitzgelegenheiten und rundum „Deko“ zum Zugreifen. Überall. In- und Outdoor. Petra Prechtl hat ein wahres Einkaufsparadies für Feingeister und Freunde von Accessoires geschaffen. Den Sommerladen. Wer hier nichts findet (Weihnachten lässt grüßen), dem ist nicht zu helfen. Wir nehmen staunend Platz und widmen uns der Speisekarte. Der Weinviertler Kürbisteller eine Wucht:

Schweinsbratl, Geselchtes, Rohschinken, Käse, Kürbis im Speckmantel, Kürbischutney, Kürbiskern- und Eiaufstrich um sensationelle zehn Euro. Es gibt warme Sauerteigfladen verschieden belegt. Die Mehlspeisen sowieso Pflicht. Ich gönn’ mir trotzdem noch die in Veltliner gekochten Würstel, um dann mit meiner Frau zu klären: „Apropos? Wer fährt heim?“ Denn der Prechtl-Wein ist ein echtes Erlebnis. Obendrein, wenn Franz Prechtl zu erzählen beginnt. Von seinem Familienbetrieb, seiner Ideologie. Kein Herbizid, dafür die Kraft des Miteinanders: Stockaustriebe entfernen, Blattarbeit, konsequente Traubenreduktion, Ernte, alles per Hand. Naturnaher Weinbau ein Muss. Man sieht und hört Franz die Liebe zu seinem (Er)Schaffen an, spürt und schmeckt sie, dabei den knackigen, frischen Ried Längen 2020, oder kraftvollen Ried Altenberg in der Hand, erkennt den Philosophen in ihm, dazu sein sensationeller Leitstall 2019 Reserve (all drei Weinviertler DAC), zieht den Hut vor Burgunder Cuvée und staunt bei Ménage à Trois 2018 (Cuvée aus Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent). Ein Großmeister des Weißweins zaubert als Draufgabe einen solch brillanten Rotwein! Wozu Liebe fähig ist. Erstaunlich. Jeden Samstag von 10 bis 19 Uhr haben Sommerladen, Barrique-Keller, Raritäten-Vinothek offen, ab 20. November. Weihnachtszauber im Advent: Lichterglanz-Feuerkörbe-Glitzer-Funkel- Glühwein-Punsch-und-frische-Bäckerei. „Keinen verderben lassen, auch nicht sich selber, jeden mit Glück erfüllen, auch sich. Das ist gut.“ B. Brecht.

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