Kolumnen
07/20/2020

Kralicek geht essen: Frühstücksbuffet

Worin besteht das Faszinosum dieser gastronomischen Einrichtung? Was macht das Frühstücksbuffet so unwiderstehlich?

von Wolfgang Kralicek

Alles in allem ist Österreich bisher relativ gut durch die Corona-Krise gekommen. Dabei sah das vor einigen Wochen noch ganz anders aus. Eine Zeit lang stand eine Maßnahme bedrohlich im Raum, die das Land in seinen Grundfesten erschüttert hätte: Es wurde ernsthaft erwogen, in Hotelbetrieben das Frühstücksbuffet zu verbieten. Damit, dass der Urlaub heuer in der Heimat stattfinden würde, hatten sich die Österreicherinnen und Österreicher zähne- knirschend schon abgefunden. Aber kein Strand UND kein Frühstücksbuffet, das hätte womöglich zu Unruhen geführt. Vernünftigerweise hatte die Bundesregierung ein Einsehen, das Frühstücksbuffet darf – unter bestimmten Auflagen – aufgebaut werden. Urlaub gerettet! Worin aber besteht das Faszinosum dieser gastronomischen Einrichtung? Was macht das Frühstücksbuffet so unwiderstehlich?

Zunächst einmal ist es quasi gratis. Das heißt: Das Frühstücksbuffet ist meist im Zimmerpreis inkludiert und fühlt sich deshalb gratis an. Zumindest unterbewusst ist das für manche ein Argument, das Frühstück auch dann zu konsumieren, wenn sie normalerweise eigentlich gar nicht frühstücken. Schließlich hat man ja bezahlt. Vor allem aber ist es oft einfach zu gut, um es auszulassen. Offensichtlich legen die meisten Hotels einigen Wert darauf, ein anständiges Frühstücksbuffet anzubieten. Das könnte damit zu tun haben, dass sie sonst kaum noch Gelegenheit haben, sich zu profilieren. Die Zimmer? Austauschbar. Die Minibar? Wird ohnedies nur von Gästen genutzt, die so betrunken ins Zimmer kommen, dass sie sich nicht mehr unter Kontrolle haben. Die Rezeption? Wird kaum noch benötigt, weil man eh alles im Internet buchen kann. Bleibt also nur das Buffet.

Was macht ein gutes Frühstücksbuffet aus? Dass sich das Standardangebot – Gebäck, Wurst, Käse, Marmelade, Müsli etc. – vom Eckerlkäs und der Streichwurst aus der Frühstückspension einiger- maßen deutlich abheben sollte, versteht sich von selbst. Wichtig ist aber auch, dass etwas angeboten wird, was nicht zum Pflichtprogramm gehört. An manchen Buffets gibt’s deshalb etwa Fisch, an anderen Mehlspeisen, zum Beispiel einen Guglhupf. Gut kommt auch, wenn außer dem unvermeidlichen Orangensaft auch Mineralwasser oder sogar Schaum- wein ausgeschenkt wird. Ein Krisengebiet sind alle Formen von Eiern: Auch diese werden am Buffet gereicht – obwohl sie dafür eigentlich ungeeignet sind. Das weiche Ei ist meistens längst hart, kalt oder beides. Und die vorgekochte Eierspeise wird zwar warmgehalten, befindet sich aber selten in besonders erfreulichem Aggregatzustand. Noch unappetitlicher wirkt nur der dazu angebotene gebratene Speck, der im Fett schwimmt und trotzdem erstaunlich trocken ist. Hier empfiehlt es sich, das Buffet zu umgehen und ganz konventionell eine Bestellung aufzu- geben. In den meisten Hotels ist es kein Problem, etwa Ham and Eggs zu bestellen. Taktisch geschickte Hotelfrühstücks-Profis schaffen es angeblich sogar, sich trotz Buffet fast alles an den Tisch servieren zu lassen – was dann auch das Ansteckungsrisiko minimiert. Eine andere, noch radikalere Variante: Frühstück aufs Zimmer bestellen. Aber, ganz ehrlich: Urlaub ohne Frühstücksbuffet? Dann kann man eigentlich gleich zu Hause bleiben.

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